Wie berichtet, wird der Vertrag mit Stephanie Gräve, Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, nicht verlängert. Das stößt bei vielen auf völliges Unverständnis. Harsche Kritik gibt es zudem am „respektlosen Umgang“ mit der Deutschen.
Es war eine knappe Mitteilung aus dem Büro der zuständigen Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink: „Der Aufsichtsrat der Vorarlberger Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft (KUGES) hat beschlossen, die Intendanz des Vorarlberger Landestheaters zur Spielzeit 2028/29 neu auszuschreiben.“ Der Vertrag mit der bisherigen Intendantin Stephanie Gräve werde folglich nicht verlängert, angesichts der anstehenden Sanierung des Landestheaters sei ein guter Zeitpunkt gekommen, um im ab Herbst 2027 grunderneuerten Haus „neue Impulse zu setzen“.
„Theaterstrukturen aufgebaut“
Gräve selbst war von dieser Entscheidung gleichermaßen überrascht wie enttäuscht: Die Zufriedenheit mit dem Spielplan und der künstlerischen Qualität sei groß, es gebe zudem keine budgetären oder organisatorischen Probleme. „Es waren vielleicht nicht alle einverstanden damit, dass ich mich öffentlich für eine bessere Finanzierung und die Sanierung stark gemacht habe, aber das ist die natürliche Rollenverteilung, scheint mir“, so Gräve gegenüber einem Regionalblatt.
Sie habe ein vom Publikum geliebtes Ensemble aufgebaut und „Theaterstrukturen, die an diesem Haus merkwürdigerweise nicht existierten, überhaupt erst entwickelt“. Nicht nachvollziehen kann die Deutsche, dass die Zeit für neue Impulse gekommen sei: Man sei weit entfernt von ausgetretenen Pfaden und habe noch viele Pläne.
Rückendeckung von der Opposition
Mit dieser Einschätzung steht Gräve nicht alleine da. Das Vorarlberger Landestheater ist finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet, umso erstaunlicher ist es, was für ein vielfältiges und ambitioniertes Programm in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt wurde. Dabei waren die Grundvoraussetzungen – Pandemie, Wirtschaftskrise, budgetäre Engpässe – denkbar schlecht. „Mit sehr begrenzten Ressourcen hat Stephanie Gräve das Landestheater in den vergangenen Jahren bemerkenswert weiterentwickelt. Für ihren weiteren beruflichen Weg wünschen wir Neos ihr viel Erfolg, Anerkennung und den Respekt, den ihre Arbeit verdient“, findet Neos-Klubobfrau Claudia Gamon lobende Worte für die 2028 scheidende Intendantin.
Worte, die von Schöbi-Fink nicht zu hören waren. Dass Gräve aus den Medien von ihrer Nicht-Verlängerung erfuhr, ist für Gamon sowohl unverzeihlich als auch bezeichnend: „Zum wiederholten Mal zeigt sich, dass Landesrätin Barbara Schöbi-Fink es vorzieht, Kommunikation dem Zufall zu überlassen.“ Diese Vorgehensweise sei nicht nur ein Affront gegen Gräve, sondern auch gegen die Institution Landestheater.
Mit sehr begrenzten Ressourcen hat Stephanie Gräve das Landestheater in den vergangenen Jahren bemerkenswert weiterentwickelt.
Claudia Gamon
Einwallner: „Bemerkenswertes Engagement“
Konsterniert ob der Entscheidung des Landes ist auch SPÖ-Kultursprecher Reinhold Einwallner: „Stephanie Gräve hat das Vorarlberger Landestheater in den vergangenen Jahren mit bemerkenswertem Engagement und künstlerischer Klarheit geführt. Sie hat das Haus nicht nur mit kompetenter Hand durch die unruhigen Fahrwasser der Corona-Pandemie gesteuert, sondern das Theater auch unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen erfolgreich weiterentwickelt.“
Umso weniger nachvollziehbar sei daher die Entscheidung, den Vertrag der Intendantin nicht über 2028 hinaus zu verlängern. Ähnlich wie Gamon beklagt auch Einwallner den respektlosen Umgang mit Gräve: „Das zeugt von wenig Wertschätzung gegenüber einer erfolgreichen Intendantin und gegenüber der Kunst- und Kulturszene in Vorarlberg insgesamt.“
Stephanie Gräve hat das Vorarlberger Landestheater in den vergangenen Jahren mit bemerkenswertem Engagement und künstlerischer Klarheit geführt.
Reinhold Einwallner
Weber: „Absolut unmöglich“
Noch deutlicher wird Bernie Weber, seines Zeichens Kultursprecher der Vorarlberger Grünen. Der Umgang des Landes mit Gräve sei „absolut unmöglich und respektlos“. Weber glaubt auch zu wissen, warum die Theatermacherin ihren Hut nehmen muss: „Sie hat ihr Haus in den Mittelpunkt gestellt – und nicht die Wünsche der Politik. Genau dieses Engagement ist ihr nun offenbar zum Verhängnis geworden.“
Theaterfreunde: „Unbegreifliche Entscheidung“
Zu Wort gemeldet hat sich auch der „Verein der TheaterFreund:innen des Vorarlberger Landestheaters“. Und das in unmissverständlicher Klarheit: „Die Entscheidung der Vorarlberger Landesregierung ist eine Entscheidung gegen den erklärten Wunsch des Publikums des Vorarlberger Landestheaters, gegen die Menschen in Vorarlberg. Die Vorgehensweise bei der Bekanntgabe ist ein Schlag ins Gesicht von Stephanie Gräve – die Information an sie erfolgte unmittelbar vor der Veröffentlichung, ohne vorherige Verhandlungen oder nur Gelegenheit zur Stellungnahme. In der spröden Pressemitteilung findet die Landesrätin Dr. Barbara Schöbi-Fink nicht einmal klare Worte der Anerkennung für ihre Arbeit.“
Zahlreiche Mitglieder des Vereins hätten als Reaktion auf „diese unbegreifliche Entscheidung“ bereits ihre Kündigung ausgesprochen. Und mehr noch: Aus Protest gegen den Beschluss des Landes wird der Vorstand der Theaterfreunde mit Ende der aktuellen Spielzeit geschlossen zurücktreten.
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