Geld für Wohnraum

Österreicher gehen bei Krediten auf Nummer sicher

Wirtschaft
20.03.2026 17:38

Früher galten die Österreicher bei Wohnbaudarlehen im europäischen Vergleich als Zins-Zocker – jetzt setzen sie auf Sicherheit. Ein bemerkenswerter Wandel bei der Kreditvergabe sorgt für Aufsehen.

Jahrelang war Österreich ein Exot in Europa: Wer sich den Traum vom Eigenheim erfüllte, nahm dafür gerne einen Kredit mit variablen Zinsen auf – ein Risiko, das sich viele anderswo nicht vorstellen konnten. Doch das hat sich nun grundlegend geändert.

Wandel des Kreditverhaltens
Edeltraud Stiftinger, Vize-Gouverneurin der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), zieht Bilanz über den Wandel des Kreditverhaltens. Ihr Fazit: „Die Österreicherinnen und Österreicher treffen bewusstere Finanzentscheidungen.“ Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als bei der Vergabe von Wohnbaukrediten. Während 2020 lediglich 36 Prozent der bestehenden Immobilien-Kredite fix verzinst waren, hat sich das Verhältnis inzwischen umgekehrt: Fast zwei Drittel aller Wohnbaukredite sind heute auf Fixzinsbasis vergeben (siehe Grafik).

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

„Das ist eine deutliche und aus unserer Perspektive nachhaltige Veränderung“, so Stiftinger. Österreich kletterte im EU-Vergleich beim Anteil von Fixzinskrediten von Platz 17 im Jahr 2010 auf Platz 8 heute. Was wie eine technische Verschiebung klingt, ist in Wahrheit eine kleine Revolution. Getrieben wird sie durch die Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit: Nach Jahren der Nullzinsen erlebten viele Kreditnehmer mit variablen Zinsen ein böses Erwachen. Als die Europäische Zentralbank zwischen 2022 und 2024 die Zinsen anhob, schnellte die monatliche Belastung plötzlich in die Höhe.

Für viele die größte Investitionsentscheidung
Inzwischen hat sich der Wind gedreht. Zwar senkte die EZB die Leitzinsen zuletzt wieder – variable Kredite wurden dadurch günstiger, Fixzinskredite blieben stabil. Doch die Österreicher lassen sich davon nicht mehr locken. „Das ist die größte Investitionsentscheidung, die ich tätige. Da setze ich ganz bewusst auf Sicherheit“, sagt Stiftinger.

Dass die Menschen wieder mehr Kredite abschließen, habe vor allem zwei Ursachen: die wieder etwas gesunkenen Zinsen und die gestiegenen Realeinkommen. Die Leistbarkeit von Eigenheimen sei dadurch wieder gegeben. Folge: Die Gesamtkredite der privaten Haushalte erreichten ein Volumen von 188 Milliarden Euro – 70 Prozent davon entfallen auf Wohnbaukredite.

Edeltraud Stiftinger, Vize-Gouverneurin der OeNB: „Die Österreicherinnen und Österreicher ...
Edeltraud Stiftinger, Vize-Gouverneurin der OeNB: „Die Österreicherinnen und Österreicher treffen bewusstere Finanzentscheidungen.“(Bild: OeNB)

Doch der Wandel ist nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern auch des Geldes. Die OeNB hat durchgerechnet, was der Unterschied für die Haushalte bedeutet. Bei einer Kreditsumme von 100.000 Euro zahlten Österreicher mit variablen Krediten im vergangenen Jahr immer noch deutlich mehr als jene, die auf Fixzinsen gesetzt hatten. Insgesamt zahlten die Haushalte 2025 rund 3,6 Milliarden Euro für Kreditzinsen. Ein Jahr zuvor waren es noch 4,2 Milliarden.

Trend in Richtung mehr Vorsicht hält an
Die Nationalbank sieht in dem neuen Trend in Richtung mehr Vorsicht eine stabile Entwicklung. „Wir nähern uns hier zunehmend dem europäischen Durchschnitt an“, so Stiftinger. Während die Österreicher früher oft das Risiko suchten, zählen jetzt Sicherheit und Planbarkeit – ein Kurs, der angesichts der aktuellen geopolitischen Verwerfungen wohl kaum wieder umgedreht wird.

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