Folgen des Iran-Kriegs

EZB hält Leitzins stabil, neue Inflationssorgen

Wirtschaft
19.03.2026 15:21
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Von krone.at

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Einlagenzins bei zwei Prozent. Die Märkte gehen jedoch davon aus, dass die Notenbank bald die Zinsen erhöhen muss. Denn aktuelle Prognosen gehen von einer deutlich höheren Inflation wegen des Nahost-Kriegs aus.

Über den Leitzins steuert die EZB maßgeblich ihre Geldpolitik. Es ist bereits die sechste Zinspause in Serie. Angesichts gesunkener Inflationsgefahr hatte die Zentralbank den Schlüsselsatz von Mitte 2024 bis Mitte 2025 von 4 auf 2 Prozent halbiert.

Notenbanker auf der Hut
Obwohl die Teuerungsrate zuletzt noch knapp unter der Zielmarke der EZB von 2 Prozent lag, sind die Notenbanker auf der Hut: „Der EZB-Rat ist bereit, alle seine Instrumente im Rahmen seines Mandats anzupassen, um sicherzustellen, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert“, teilten die Währungshüter mit. Dabei lege man sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.

Iran-Krieg bringt Inflationssorgen
Der Ende Februar ausgebrochene Iran-Krieg hat die Energiekosten in die Höhe getrieben und schürt die Angst vor einer neuen Inflationswelle. EZB-Chefin Lagarde machte bereits klar, dass man alles Nötige tun werde, um die Teuerung im Zaum zu halten. Auch Bundesbankchef Joachim Nagel betonte jüngst, dass die EZB keine neue Inflationswelle zulassen werde.

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Wir werden alles Nötige tun, um die Teuerung im Zaum zu halten.

EZB-Chefin Christine Lagarde

EZB erwartet deutlich höhere Inflation
Die Ökonomen der EZB erwarten heuer jedoch eine deutlich höhere Inflation. Die Verbraucherpreise in der Währungsunion dürften um durchschnittlich 2,6 Prozent zulegen, heißt es in den am Donnerstag veröffentlichten vierteljährlichen Berechnungen. Damit wurde die Dezember-Prognose von 1,9 Prozent deutlich angehoben.

  „Ursächlich dafür ist, dass die Energiepreise aufgrund des Krieges im Nahen Osten höher sein werden“, hieß es zur Begründung. Im kommenden Jahr soll die Teuerungsrate mit 2,0 (bisher: 1,8) Prozent dem Zielwert der EZB entsprechen, für 2028 werden nun 2,1 Prozent erwartet.

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Die Wahrscheinlichkeit von bis zu zwei Zinsschritten vor der Sommerpause ist deshalb hoch.

Friedrich Heinemann, Finanzexperte des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)  

Wachstumsprognose abgeschmolzen
Die Ökonomen senkten zugleich ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes. Im laufenden Jahr soll es nur noch zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen. Bisher war mit 1,2 Prozent gerechnet worden. Im kommenden Jahr soll dann ein Wachstum von 1,3 Prozent herauskommen, 2028 von 1,4 Prozent. „Dies bedeutet, insbesondere für 2026, eine Abwärtsrevision, in der sich die globalen Auswirkungen des Krieges auf die Rohstoffmärkte, die Realeinkommen und das Vertrauen widerspiegeln“, hieß es. Zugleich dürften die niedrige Arbeitslosigkeit, solide Bilanzen im privaten Sektor und die öffentlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur das Wachstum weiterhin stützen.

Baldige Straffung der EZB-Geldpolitik möglich
Experten zufolge könnte die EZB auf die gestiegenen Zinserhöhungen mit einer baldigen Straffung ihrer Geldpolitik reagieren. „Auch wenn heute noch kein Zinsschritt erfolgt ist, wird das Trauma von 2022 nachwirken und ein frühes Einschreiten gegen den Inflationsanstieg begünstigen“, sagte der Finanzexperte des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Friedrich Heinemann. „Die Wahrscheinlichkeit von bis zu zwei Zinsschritten vor der Sommerpause ist deshalb hoch.“



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