400 Schulen in Österreich sollen im Rahmen des Chancenbonus eine Zusatzförderung erhalten. Die Vorarlberger ÖAAB-Lehrer haben mit dem Modell aber keine Freude, sie sehen das Ländle massiv benachteiligt.
Diese Woche hat Bildungsminister Christoph Wiederkehr jene 400 (Brennpunkt-)Schulen vorgestellt, die im Zuge des „Chancenbonus“ eine zusätzliche Förderung erhalten sollen. In Vorarlberg sind das gerade einmal elf Bildungsstätten – und das, obwohl das Ländle zuletzt bei den einschlägigen Bildungsmonitorings wiederholt mies abgeschnitten hat. Der Verteilungsschlüssel sorgt in Vorarlberg für Kritik, besonders heftig fällt die Reaktion der ÖAAB-Lehrer aus: „Was hier als Chancenbonus verkauft wird, ist in Wahrheit ein Verteilungsmodell, das Wien massiv bevorzugt und andere Bundesländer benachteiligt“, schimpft Obfrau Barbara Röser.
„Jetzt werden wir dafür bestraft, dass unser System funktioniert hat“
Ganz besonders stören sich die ÖAAB-Lehrer an der neuen Berechnung über den sogenannten sozioökonomischen Index (SÖL). Dieser ersetze funktionierende Modelle – etwa den in Vorarlberg seit Jahren erfolgreich eingesetzten Sozialindex – und führe nun zu massiven Verschiebungen: „Vorarlberg hat früh Verantwortung übernommen und gezielt unterstützt. Jetzt werden wir dafür bestraft, dass unser System funktioniert hat“, kritisiert Obfrau-Stellvertreter Stephan Obwegeser. Der sozioökonomische Index sei ein untaugliches Instrument: Faktoren wie Einkommen, Bildungsabschluss oder Nationalität der Eltern sollen die Herausforderungen an Schulen abbilden – täten dies in der Praxis aber nicht. Obwegeser hat vor allem einen zentralen blinden Fleck ausgemacht: „Kinder mit österreichischer Staatsbürgerschaft, die kaum Deutsch sprechen, werden im neuen System nicht ausreichend erfasst. Gerade diese Gruppen stellen unsere Schulen aber vor große Herausforderungen.“
„Das ist ein Wien-Bonus“
Damit entstehe ein verzerrtes Bild – mit realen negativen Folgen: Vorarlberger Schulen erhielten weniger Ressourcen, weniger Unterstützung und weniger Lehrerstunden zugesprochen. „Während in Wien zusätzliche Mittel fließen, wird bei uns gekürzt. Das ist kein Chancenbonus, das ist ein Wien-Bonus“, nimmt sich Röser kein Blatt vor den Bund. Sie fürchtet, dass die individuelle Betreuung am Ende den Kürzungen zum Opfer fällt – und somit der Unterricht weiter an Qualität verliert. Die ÖAAB-Lehrer Vorarlberg fordern daher eine sofortige Überarbeitung des Systems, volle Transparenz bei der Berechnung und eine faire Verteilung der Mittel über alle Bundesländer hinweg. „Chancengerechtigkeit darf nicht an der Landesgrenze enden. Wer sie ernst meint, muss alle Regionen im Blick haben – und nicht nur Wien“, appelliert Barbara Röser an die Verantwortlichen.
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