Vorstoß polarisiert

Fußfessel für Gefährder: Diese Probleme drohen

Tirol
17.03.2026 07:00

Nach der grausamen Tötung einer dreifachen Mutter durch ihren Ehemann in Innsbruck wird der Ruf nach Fußfesseln für Gefährder lauter. Andrea Laske, Leiterin Gewaltschutzzentrum Tirol, spricht über Probleme dieser Maßnahme und über die Bedeutung früher Beratung bei Gewalt in der Familie. 

„Krone“: Frau Laske, das Gewaltschutzzentrum ist eine der wichtigsten Anlaufstellen für Opfer von häuslicher Gewalt. Was löst eine Tat wie die Tötung der dreifachen Mutter im O-Dorf in Innsbruck aus?
Andrea Laske: In unserem Team natürlich große Betroffenheit. Aber wir merken auch, dass in der Folge die Zahl der Anfragen steigt. Es melden sich vermehrt Frauen, die Gewalterfahrungen haben. Es melden sich aber auch Angehörige, Freunde, Nachbarn, die nach Möglichkeiten fragen, Betroffenen zu helfen.

In diesem Haus in Innsbruck ereignete sich die schreckliche Tat.
In diesem Haus in Innsbruck ereignete sich die schreckliche Tat.(Bild: Christian Forcher/Fotoworxx)

Im aktuellen Fall bestand ein Betretungsverbot, das der Täter missachtet hat. Wie stehen Sie zum Vorschlag einer elektronischen Überwachung von sogenannten Gefährdern?
Wir haben dazu ganz aktuell ein Positionspapier verfasst. Es ist gut, diese Möglichkeit zu diskutieren. Aber wir müssen uns auch die Konsequenzen genau anschauen. Immerhin werden in Österreich jedes Jahr rund 15.000 Betretungsverbote ausgesprochen. Wie soll das dann in der Praxis abgewickelt? Wer entscheidet über den Einsatz? Hat die Polizei genug Kontrollressourcen? Und was heißt das für Opfer, die im Zuge so einer Maßnahme ja auch elektronisch überwacht werden müssen? Zudem können elektronische Überwachungsmaßnahmen auf keinen Fall denselben Sicherheitsstandard herstellen wie eine Untersuchungshaft. 

Das Gewaltschutzgesetz, in dem die Möglichkeit einer Wegweisung festgeschrieben ist, gibt es seit mittlerweile 30 Jahren. Braucht es hier Änderungen?
Es ist sinnvoll, immer wieder mögliche Verbesserungen zu diskutieren. Aber ich möchte auch betonen, dass die jetzigen Vorgaben greifen und die Zusammenarbeit von Polizei und Opferschutzeinrichtungen gut funktioniert. Wir werden Gewalttaten leider nie ganz verhindern können. Was wir uns wünschen, ist noch bessere Aufklärung, damit sich Betroffene an eine Beratungsstelle wenden, bevor die Situation eskaliert.

Wie können Sie Frauen in Gewaltbeziehungen helfen?
Wir können auf vielen Ebenen unterstützen – juristisch und psychologisch. Wir richten uns dabei nach dem, was für Betroffene möglich und von diesen erwünscht ist. Manchmal ist es einfach ein Zuhören. Manchmal ist es unsere kostenlose Prozessbegleitung. Wir erstellen auch Sicherheitspläne und Gefährdungseinschätzungen. Alles, was hilft, eine Eskalation zu verhindern. Jedes Jahr beraten wir rund 1600 Personen, 80 Prozent davon sind Frauen.

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