481 Meter hoch!

Kreuzfahrtschiffe entkommen Mega-Tsunami nur knapp

Wissen
07.05.2026 21:16

Es war ein Ereignis, das sich kaum in menschlichen Maßstäben fassen lässt: In einem abgelegenen Fjord in Alaska hat sich im vergangenen Sommer eine bis zu 481 Meter hohe Tsunami-Welle gebildet – ausgelöst durch einen gewaltigen Bergsturz, der Millionen Kubikmeter Gestein ins Wasser riss. Dass keine Kreuzfahrtschiffe und damit möglicherweise Hunderte Menschen betroffen waren, war nach Einschätzung von Forschern reines Glück – und nur dem Zeitpunkt des Ereignisses geschuldet.

Die neue wissenschaftliche Studie, veröffentlicht im Fachjournal „Science“, zeichnet ein detailliertes Bild dieser sogenannten „Mega-Tsunami“-Ereignisse und warnt zugleich: Durch den Klimawandel könnten sie künftig häufiger auftreten.

Bergsturz löst gewaltige Kettenreaktion aus
Konkret ereignete sich das Geschehen am 10. August 2025 in der Tracy Arm-Fjordregion im Südosten Alaskas. Laut Studie stürzten mehr als 64 Millionen Kubikmeter Gestein – vergleichbar mit rund 24 Pyramiden von Gizeh – in kurzer Zeit in den Fjord. Das Gestein fiel rund einen Kilometer tief und traf dabei auf einen Gletscher sowie direkt ins Wasser.

Die Folge war eine extreme Kettenreaktion: Eine erste Welle erreichte bereits rund 100 Meter Höhe, bevor sich der sogenannte „Megatsunami“ mit einer maximalen Auflaufhöhe von 481 Metern entwickelte. Das ist deutlich höher als etwa der Eiffelturm (330 Meter).

Zum Vergleich: Der bisher größte bekannte Tsunami dieser Art wurde 1958 ebenfalls in Alaska gemessen – mit rund 530 Metern Höhe in der Lituya-Bucht.

„Wir sind einer Katastrophe entgangen“
Besonders brisant: Die Region wird regelmäßig von Kreuzfahrtschiffen befahren. Laut Studie passieren im Sommer täglich mehrere Schiffe den Fjord, teilweise mit Tausenden Passagieren. Nur wenige Stunden nach dem Bergsturz wären zwei Ausflugsschiffe mit jeweils über 100 Menschen in das Gebiet eingelaufen.

Dennis Staley vom US Geological Survey bezeichnete das Ereignis laut „Guardian“ als „historisch“ und sagte wörtlich: „Ich habe das Gefühl, wir sind einer Kugel ausgewichen.“ Übersetzt bedeutet das sinngemäß: „Wir haben nur knapp eine Katastrophe verhindert.“

Wie Bilder von vor Ort zeigen, war das Ausmaß des Naturereignisses tatsächlich gigantisch.
Wie Bilder von vor Ort zeigen, war das Ausmaß des Naturereignisses tatsächlich gigantisch.(Bild: U.S. Geological Survey)
Wie so oft hat auch bei diesem Extrem der Natur der Klimawandel seinen Anteil beigetragen.
Wie so oft hat auch bei diesem Extrem der Natur der Klimawandel seinen Anteil beigetragen.(Bild: U.S. Geological Survey)

Abgeschmolzener Gletscher als Ursache
Auch die Forschenden selbst warnen im „Guardian“, dass solche Situationen zunehmend gefährlich werden: „Mit den zunehmend von Kreuzfahrtschiffen besuchten Fjordregionen und dem Klimawandel, der ähnliche Ereignisse wahrscheinlicher macht, zeigt dieses unerwartete Beinahe-Ereignis das wachsende Risiko durch Erdrutsche und Tsunamis in Küstenregionen.“

Der alaskische Geologe Bretwood Higman sagte laut BBC über das Ereignis: „Das war eine sehr knappe Sache.“ Und weiter: „Ich fürchte mich davor, dass wir in Zukunft nicht so viel Glück haben werden.“ Wie die Wissenschaftler schreiben, spielte der Klimawandel eine zentrale Rolle. Das Abschmelzen des Gletschers habe die Stabilität der Bergflanke geschwächt und den massiven Abbruch überhaupt erst ermöglicht. Ohne diese Veränderung wäre der Fels vermutlich nicht in dieser Form eingestürzt.

„Stehende Welle“ schwappte noch tagelang
Die Forscher warnen daher klar: In arktischen und subarktischen Regionen steigen die Risiken solcher Ereignisse deutlich. Gründe sind schmelzende Gletscher, tauender Permafrost und zunehmend instabile Berghänge.

Die Wucht des Ereignisses war so groß, dass sogar seismische Signale rund um den Globus registriert wurden – vergleichbar mit einem Erdbeben der Stärke 5,4. Zudem entstand eine Art „stehende Welle“, die noch bis zu 36 Stunden im Fjord nachschwappte.

Augenzeugen merkten Auswirkungen 50 Kilometer entfernt
Auch Augenzeugenberichte zeigen das Ausmaß: Kajakfahrer in rund 50 Kilometern Entfernung berichteten von plötzlich ansteigendem Wasser, das Ausrüstung wegspülte. Andere Beobachter sahen mehrere Meter hohe Wellen entlang der Küste.

Besonders kritisch sehen Forscher die zunehmende touristische Nutzung der Region. Die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere in Alaska ist laut Studie von rund 1 Million im Jahr 2016 auf etwa 1,6 Millionen im Jahr 2025 gestiegen.

Forderung nach mehr Überwachung
Gleichzeitig warnen die Wissenschaftler: Je mehr Menschen sich in solchen abgelegenen Naturregionen aufhalten, desto höher sei das Risiko im Falle solcher schwer vorhersehbaren Naturereignisse.

Die Forscher plädieren daher für bessere Überwachung instabiler Berghänge, realistischere Tsunami-Modelle und frühere Warnsysteme – insbesondere in Fjordregionen, die sowohl durch Tourismus als auch durch den Klimawandel zunehmend unter Druck stehen.

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