Schauspielhaus Wien

Dieses Herrenhaus will einfach nicht verrotten

Kultur
16.03.2026 20:00

Das Schauspielhaus zeigt mit „Nora oder Wie man ein Herrenhaus kompostiert“ das preisgekrönte Stück der in Berlin lebenden Autorin Sivan Ben Yishai erstmals in Österreich. Eine vielversprechende Perspektivenverschiebung, die erst zum Finale hin an Kraft verliert.

Das Grundkonzept des Stückes „Nora oder Wie man das Herrenhaus kompostiert“ ist ungewöhnlich wie originell. Auf der Bühne stehen nämlich die Figuren von Henrik Ibsens Klassiker „Nora“. Thema der jüngsten Produktion im Schauspielhaus ist jedoch nicht die gutbürgerliche Hausherrin des 19. Jahrhunderts, die sich von ihrem Mann und der Familie befreit, sondern die 140-jährige Aufführungsgeschichte des Stückes.

Die israelische Autorin Sivan Ben Yishai setzt sich in ihrer szenischen Analyse ausgehend von Ibsens Stück mit aktuellen Themen auseinander. Das Stück erhielt 2024 den Mühlheimer Dramatikpreis, am Samstag wurde es im Schauspielhaus in der Regie von Juan Miranda erstmals in Österreich aufgeführt.

Nebenrollen rücken ins Zentrum
Yishai rückt bei ihrer Dekonstruktion des Stückes die Nebenrollen ins Zentrum, gibt ihnen Namen und Geschichte. Das Hausmädchen, die Kinderfrau, der Paketzusteller. Geschickt kommentiert sie damit Fragen der Themenfelder Emanzipation, Diskriminierung und Prekariat. Feminismus klingt hier etwa als Luxusgut einer weißen Oberschicht an, die unbequeme häusliche Pflichten an eine prekäre Unterschicht auslagert.

Indem sie den Dienstboten zu komplexen Figuren macht, verweist sie auf die unverändert unsichtbare Rolle vieler Dienstleister in der Gegenwart. Ihr Fazit lautet: Wir machen uns etwas vor in Sachen Gleichstellung, so ein „Herrenhaus“ vulgo Patriarchat kompostiert sich nicht so einfach. Auf der Bühne ist dieses symbolische Haus zwar nur noch eine lose Bretterbude (Elisabeth Castells i Negre), doch es hält sich samt seiner Strukturen hartnäckig.

Das Stück lebt von der ungewöhnlichen Perspektive, von viel szenischem Witz und einem präsenten Cast. In den vielen kleinen verbalen Pointen und Perspektivenverschiebungen verflüchtigt sich die große Grundidee jedoch zunehmend. Dann werden auch anfangs vielversprechende 75 Minuten lang.

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