Ovationen und Jubel für Barrie Koskys schrille, turbulente Inszenierung von Gioachino Rossinis Dreinstunden-Opera-Buffa „Il viaggio a Reims“ bei den Pfingstfestspielen Salzburg – mit einer süßen Einlage von Cecila Bartoli!
Ob es auf der Bühne des Salzburger Hauses für Mozart schon einmal solche Turbulenzen, schrille Späße, Arienparodien, Gejodel und nächtliche Weiberjagden gegeben hat? Ich bezweifle es. Starregisseur Barrie Kosky hat für die Eröffnung von Cecilia Bartolis Pfingstfestspielen – Motto: Bon voyage – den skurrilen Opera-buffa-Einakter „Il viaggio a Reims“ ausgegraben, den Rossini 1825 für die Krönung Karls X. von Frankreich komponierte.
Eine Oper über eine missglückte Reise exzentrischer Aristos aus aller Welt, die im Gasthof „Goldene Lilie“ stranden. Handlung gibt es keine. Was bleibt ihnen übrig, als zu feiern?
Opernfreunde, die das Werk seit der legendären Wiener Erstaufführung 1988 mit Claudio Abbado und Regisseur Luca Ronconi von der „seriösen“ Seite kennen, kommen hier nicht aus dem Staunen. In Rufus Didwiszus alten Kupferstichen nachempfundenen, romantischen Bildern und Victoria Behrs hinreißend bizarren, schrill bunten Kostümen entfesselt Kosky ein frivoles Spiel. Im verrückten Getümmel verliert man aber bald den Überblick. Wer will es mit wem treiben, wenn im Gang des Gasthofs nachts Damen im Negligé und Herren in Unterhosen im „Tür auf, Tür zu“-Spiel nach Art der Farcen Feydeaus ihren Spaß suchen.
Kosky macht kein Geheimnis draus, dass er die Marx Brothers, Film-Slapsticks, Comics liebt und gerne Klischees parodiert. Und hier lässt er, um eine Art Theaterdelirium zu erzeugen, mitunter mehr davon und von Zitaten und Einlagen einfließen, als man zur Unterhaltung braucht. Eine durchgedrehte Welt, die außer Kontrolle gerät, aber dennoch in perfekter Balance bleibt. Und vom Publikum begeistert gefeiert wird. Bei einer Zugabe des „Vivat, vivat“ klatschten alle im Takt mit.
Musikalisch sorgt Gianluca Capuano bei den Musiciens du Prince, Monaco, und dem Opernchor von Monte Carlo energisch für eine scharfe Gangart, für Drive und jede Menge musikalische Späße. Cecilia Bartoli führt das ausgezeichnet abgestimmte Ensemble – 17 Gesangssolisten! – als Sängerin Corinne an. Und steigt beim Schlussbankett, wo alle mit Liedern ihrer Nation in einem Songcontest brillieren – als „Sugar Babe“ aus einer Riesentorte. Aus der sehr guten Besetzung ragen Marina Viotti, Melissa Petit, Tara Erraught, Dmitry Korchak, Ildebrando D’Arcangelo und Misha Kiria.
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