Der Bregenzer Frühling ist im Bodenseeraum und darüber hinaus ein Hotspot für Ballettfreunde geworden, und das seit fast vier Jahrzehnten. Intendantin Judith Reichart und ihr Team wählten für 2026 das Motto: „Keep Dreaming, Baby“, das freilich dehnbar ist. Am Samstag stand die Eröffnung auf dem Programm.
Beim Eröffnungsabend ging es um die tänzerische Deutung zweier ikonischer Musikwerke, die im Original beide mit einer jungen Frau zu tun haben, die sich für Höheres zur Verfügung stellt, mit sehr konkreten Folgen jeweils. Mit Johann Sebastian Bachs „Magnificat“, natürlich vom Band gespielt, begegnen wir der Gottesmutter Maria und ihrer Freude über das Kind, mit dem sie schwanger ist.
Magie und Mystik
Die Spiritualität des biblischen Textes wie auch der Musik Bachs wird auf der Bühne reflektiert durch helle, weite Räume wie auch durch zwölf Tänzerinnen und Tänzer mit einer Art Heiligenschein. Die mannigfache Bedeutung der mystischen Zahl Zwölf klingt hier an, man befindet sich auf einer spirituellen Ebene, wenn man so will, im Himmel. So tragen Tänzerinnen und Tänzer lediglich einen hautfarbenen Slip, was keineswegs erotisierend herüberkommt, sondern eher an Goethes Mignon denken lässt, wenn sie in ihrer Vision über das Jenseits sagt: „…keine Kleider, keine Falten umgeben den verklärten Leib.“
Die Szenen sind, der Musik folgend, streng gegeneinander abgegrenzt, zuweilen tanzt die ganze Gruppe, zum Teil nur einige von ihnen. Einen Handlungsfaden herauszulesen, sollen die Zuseher nicht versuchen, das empfiehlt auch das Programmheft: „Es gibt … nur den Moment.“
Noch mehr als für „Magnificat“ trifft das für „The Rite of Spring“ zu. In Igor Strawinskys Ballett, das im Original „Le sacre du printemps“ heißt und bei der Uraufführung 1913 einen Skandal entfachte, geht es um die rituelle Opferung eines jungen Mädchens, um den Frühling herbeizuführen. Nicht so bei Marie Chouinard, die in ihrer Choreografie den Moment „unmittelbar nach der Entstehung des Lebens festhalten“ will.
Bizarre Fische und Rinderherde
Im Gegensatz zu „Magnificat“ befinden wir uns nun in einer dunklen Urhöhle, in der immer wieder neue Lichtkegel von oben neue Szenerien beziehungsweise Gruppierungen beleuchten, auch ein Wesen wie ein bizarrer Fisch vom Meeresgrund oder eine Herde von Rindern. Alle diese Bilder faszinieren, aber irgendwann ermüden sie auch etwas. So bleibt die Kraft von Strawinskys genialer Musik als tragendes Element. Etwas irritierend war der am Ende abrupt losbrechende Jubel des Publikums, der eher zu einer Zirkusvorstellung, denn zu einem berührenden künstlerischen Ereignis gepasst hätte.
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