Derzeit erwacht in Vorarlberg die Tierwelt aus der Winterruhe. Vögel suchen Nistplätze, Igel gehen auf Nahrungssuche und Insekten kehren zurück. Schon mit einfachen Maßnahmen im Garten kann man den wilden Bewohnern wertvolle Unterstützung bieten.
Wenn die Tage länger und die Temperaturen milder werden, dann beenden viele Wildtiere ihre Ruhephase und kommen aus ihren Verstecken hervor. Ganz oben auf ihrer Agenda steht zunächst die Nahrungssuche, denn nach den kargen Wintermonaten müssen die Energiereserven wieder aufgefüllt werden. Gleichzeitig beginnt für viele Arten die Paarungszeit – eine besonders wichtige Phase im Jahreslauf. Auch in den heimischen Gärten herrscht nun geschäftiges Treiben. Typische Gartenvögel wie Kohl- und Blaumeise sind auf kleine Höhlungen als Nistplatz angewiesen. Umso wichtiger ist es, vorhandene Altbäume möglichst zu erhalten.
Jede Vogelart hat andere Ansprüche ans „Wohnen“
Wo natürliche Brutplätze fehlen, können Nisthilfen eine wertvolle Alternative bieten. Neben klassischen Höhlenbrütern lassen sich auch sogenannte Nischenbrüter wie Bachstelze, Grauschnäpper oder Hausrotschwanz durch spezielle Halbhöhlenkästen im Garten unterstützen. Wer selbst einen Nistkasten bauen möchte, sollte laut Naturschutz-Experten einige Details beachten: Empfehlenswert ist unbehandeltes, sägeraues Holz mit einer Stärke von etwa zwei Zentimetern. Zu kleine Kästen bieten den Vögeln nicht genügend Schutz vor Beutegreifern und können außerdem die Aufzucht der Jungen erschweren, wenn es im Inneren zu eng wird. Auch die Größe des Einfluglochs spielt eine wichtige Rolle: Die Kohlmeise benötigt etwa 32 Millimeter Durchmesser, während die kleinere Blaumeise bereits durch ein 28 Millimeter großes Loch passt, aber auch größere Öffnungen nutzen kann.
Der ideale Standort für die neue „Ein-Zimmer-Wohnung“ liegt zwei bis drei Meter über dem Boden, möglichst geschützt vor Regen und Wind. Ruhige Plätze, die vor Katzen und anderen Räubern sicher sind – etwa an einer Hauswand – eignen sich besonders gut. Mehrere Nistkästen gleicher Bauart sollten in einem Abstand von mindestens zehn Metern angebracht werden, damit die gefiederten Bewohner stressfrei nebeneinander leben können. Eine Ausnahme bilden Koloniebrüter wie Feld- und Haussperlinge: Sie bevorzugen das Leben im Familienverband und nehmen mehrere nebeneinander montierte Kästen im Reihenhaus-Stil gerne an.
Nur in naturnahen Gärten gibt es genug Nahrung
Sobald eine passende Kinderstube bereitet ist, hat die Futtersuche oberste Priorität. Für die Aufzucht ihrer Jungen benötigen viele Vogelarten große Mengen an Insekten. Nur in einem naturnah gestalteten Garten mit heimischen Wildpflanzen, Bäumen und Sträuchern finden die Elterntiere genügend Nahrung, um die hungrigen Schnäbel zu stopfen. Asthaufen, Totholz und Steinmauern bieten zusätzlich Lebensräume für zahlreiche Kleintiere. Neben Vögeln profitieren auch Igel von einem naturnahen Garten. Die stacheligen Vierbeiner verlassen meist Anfang April ihre Winterquartiere. Wer sie unterstützen möchte, setzt am besten auf insektenfreundliche Hecken aus heimischen Gehölzen wie Weißdorn, Hainbuche oder Wildrose statt auf Thuja oder Kirschlorbeer. Eine sogenannte Benjeshecke – ein aufgeschichteter Haufen aus Ästen und Zweigen – bietet besonderen Schutz: Hier kann der Igel sein Tagesquartier anlegen und findet reichlich Nahrung.
Auch beim Thema Rasenpflege – das nun bald wieder aktuell wird – kann man viel für die Artenvielfalt tun. Wenn möglich, sollte der Rasen erst nach Ende Mai gemäht werden oder zumindest einige Blühinseln stehen bleiben. So haben Wildblumen eine Chance, zu wachsen – und darüber freuen sich zahlreiche Insektenarten. Denn sobald das Thermometer über null Grad steigt und die Sonne scheint, krabbeln zum Beispiel junge Hummelköniginnen aus ihren Winterquartieren. Mit Hilfe einer mit Nektar gefüllten Honigblase im Körperinneren überstehen sie die ersten Stunden nach dem Erwachen.
Werden die Tage wärmer und scheint die Sonne kräftiger, zeigt sich häufig auch der erste Schmetterling des Jahres: Zitronenfalter flattern meist ab etwa 14 Grad durch Gärten und Wiesen. Der Österreichische Wildbienenrat weist darauf hin, dass für den Großteil der rund 700 Wildbienenarten hierzulande der Erhalt vielfältiger, strukturreicher Lebensräume von zentraler Bedeutung ist. Naturbelassene Bereiche mit heimischen Pflanzen bieten Nahrung und Nistmöglichkeiten. Dazu gehören auch Totholzstrukturen und Altgehölze sowie vegetationsarme, besonnte Bodenstellen zum Sammeln von Baumaterialien. Dort, wo natürliche Strukturen fehlen, können Ersatzmaßnahmen (Sandarien, Nisthilfen etc.) sinnvoll sein.
Vorsicht im Straßenverkehr!
Zwischen Februar und März sind neben den bereits genannten Wiesen- und Gartenbewohnern auch zahlreiche Frösche, Kröten und Molche unterwegs zu ihren Laichgewässern. Daher gilt: Wo Schilder auf Amphibienwanderungen hinweisen, ist besondere Vorsicht im Straßenverkehr geboten. Wer sich aktiv engagieren möchte, kann sich bei Naturschutzorganisationen vor Ort melden und dabei helfen, Amphibien sicher über die Straßen zu bringen. Reisig- und Laubhaufen sind darüber hinaus wertvolle Rückzugsorte – besonders in der Nähe eines fischfreien Gartenteiches, der von heimischen Pflanzen wie Blutweiderich oder Wasserdost umgeben ist. Solche Strukturen schaffen ideale Bedingungen für Amphibien.
Ein naturnah gestalteter Garten wird auf diese Weise schnell zu einem kleinen Ökosystem. Vögel, Igel, Wildbienen, Amphibien und viele andere Tierarten finden hier Nahrung, Schutz und geeignete Lebensräume – und machen den Frühling zu einer besonders lebendigen Zeit direkt vor der eigenen Haustür.
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