Wurde sie entführt?

Unheimliche Mails – von einer abgängigen Steirerin

Österreich
13.03.2026 20:00

Am 13. Februar ging eine Steirerin zu einem Bahnhof. Seitdem gilt die vierfache Mutter als vermisst. Nun wurden in ihrem Namen seltsame Nachrichten verschickt, auch an die Kripo. Stammen sie tatsächlich von der Frau? Oder wurden die Botschaften von einer anderen Person geschrieben?

Als Michaela B. irgendwann am Freitag, dem 13. Februar 2026, ihre Wohnung im steirischen Sankt Georgen an der Stiefing verließ, deutete nichts, einfach nichts darauf hin, dass sie für längere Zeit wegbleiben würde.

Michaela B. soll am Bahnhof von Wildon in einen Zug gestiegen sein. Seitdem gilt sie als ...
Michaela B. soll am Bahnhof von Wildon in einen Zug gestiegen sein. Seitdem gilt sie als vermisst.(Bild: Krone KREATIV/Martina Prewein und zVg)

Unauffällig hat sie vermutlich gewirkt, in ihrer dezenten Aufmachung, in ihrer in matten Farben gehaltenen Kleidung. Und dass sie eine Sporttasche bei sich trug, dürfte ebenfalls niemandem ungewöhnlich vorgekommen sein. Warum auch? Menschen aus dem Ort, die sie einigermaßen gut kannten, wussten ja: Die 48-Jährige unternahm öfters und gerne kleine Urlaube. In die Berge. Zum Wandern.

Sie ließ daheim ihren Sohn und ihre Hunde zurück
Seltsam bloß, dass sie einer Nachbarin, ihrer besten Freundin, bei einem Gespräch am 12. Februar nichts über eine bevorstehende Reise erzählt – und noch seltsamer, dass sie nicht einmal ihren Sohn Christoph darüber unterrichtet hatte. Der 19-Jährige lebte nämlich noch bei ihr.

Christoph und Emely, Michaela B.s älteste Kinder: „Mama, bitte melde dich persönlich bei uns ...
Christoph und Emely, Michaela B.s älteste Kinder: „Mama, bitte melde dich persönlich bei uns oder der Polizei!“(Bild: Martina Prewein)

„Wie jede Woche“, so der Lehrling, „bin ich auch an diesem Freitag am Abend aus dem Internat der Berufsschule heimgekommen“; im Glauben, er würde – wie sonst immer – zu Hause seine Mutter antreffen. Doch dem war nicht so.

„Was mir sofort auffiel: Ihre vier Chihuahuas – eines der Tiere ist trächtig – dürften schon seit vielen Stunden unversorgt gewesen sein.“ Was nicht zu dem gewohnten Verhalten der Hundezüchterin – im Hauptberuf Statikerin – passte. „Weswegen ich ziemlich beunruhigt war.“

Ein Gefühl, das sich am Samstag verstärkte. Denn von Michaela B. fehlte weiterhin jede Spur. Und die Angst, der Frau könnte etwas Schlimmes zugestoßen sein, wurde mit jeder Minute, die verging, peinigender.

Eine Vermisstenanzeige bei der Polizei; eine Meldung beim Verein „Österreich findet euch“, mit der Bitte, über soziale Medien einen groß angelegten Suchaufruf zu starten.

„Ich bin nicht freiwillig weggegangen“
Was dann geschah, könnte Stoff für einen Krimi sein. Für einen Krimi – der allerdings real ist, zu dem mittlerweile die Kripo ermittelt. Weil es Indizien dafür gibt, dass die 48-Jährige möglicherweise von irgendwem irgendwo festgehalten wird.

Der Grund für diesen fürchterlichen Verdacht: Kürzlich sind beim Landeskriminalamt Steiermark und bei „Österreich findet euch“ alarmierende Mails eingelangt; abgeschickt von einem anonymen Server im nahen Ausland, im Namen der Abgängigen: „Ich bin nicht freiwillig weggegangen. Aber hört auf, nach mir zu fahnden.“

Hat Michaela B. die Nachrichten selbst verfasst? Oder jemand anderer? Anzunehmen ist: Sollte sie noch am Leben sein, muss sie sich in einer bedrückenden Situation befinden. Die wodurch ausgelöst wurde? Antworten sind vielleicht in der Geschichte der Frau zu finden.

Zitat Icon

Vielleicht wurden die Schreiben von der Frau unter Zwang verfasst. Oder vielleicht sogar von einer anderen Person.

Christian Mader, Leiter des Vereins „Österreich findet euch“

Komplizierte Familienverhältnisse
Nun sitzen sie beide an einem Tisch – die Kinder der Statikerin aus erster Ehe; Christoph und Emely. „Wir befürchteten zunächst, Mama könnte sich umgebracht haben“, schluchzt die Studentin (20). Warum das? „Wegen ihrer komplizierten Familienverhältnisse. Nach der frühen Scheidung von unserem Papa hat sie noch einmal geheiratet.“

Aber auch diese Beziehung sei schnell gescheitert, die zwei Töchter daraus – „unsere Halbschwestern“ – blieben danach bei der Frau, bis sich die Mädchen dazu entschlossen, zu ihrem Vater zu ziehen. Wieso? „Wir wissen es nicht“, sagen Emily und Christoph, „wir wissen nur, dass es einen argen Sorgerechtsstreit gab.“ Den die Statikerin im Jänner endgültig verloren habe.

Sie suchte im Internet nach einem Partner
Genau deswegen „dachten wir eben zunächst an eine Verzweiflungstat“. Obwohl ein Suizid „nicht zu unserer Mama passen würde“. Zu ihrem „grundsätzlich eher positiven Denken“. Zu ihrer „unerschütterlichen Hoffnung“ auf eine wunderbare Zukunft in einer Lebensgemeinschaft.

Das große Hobby der Statikerin und nebenberuflichen Hundezüchterin: Berge besteigen
Das große Hobby der Statikerin und nebenberuflichen Hundezüchterin: Berge besteigen(Bild: zVg)

Fest steht: Fast verbissen hat die 48-Jährige ständig nach einem „Traumpartner“ gesucht; im Internet, über diverse Dating-Portale. „Sie kam dadurch mit einigen Männern in Kontakt, eine echte Verbindung entstand aber mit keinem von ihnen.“ Die schlimme Vermutung von Christoph und Emely: „Wurde unsere Mutter von einer Bekanntschaft in eine Falle gelockt – und in der Folge entführt?“

Die Geschwister haben längst die Kästen der Frau durchsucht: „Es fehlen einige – wenige – Hosen, T-Shirts. Socken, Unterwäsche. Ihr Reisepass, ihr Führerschein und anscheinend auch Bargeld.“ Ein paar Tausend Euro, schätzen die beiden.

Ihre Spur verliert sich – auf einem Zugsteig
Michaela B. hatte alle diese Dinge demnach in ihre Sporttasche gepackt, bevor sie – wie bereits mithilfe von Spürhunden herausgefunden wurde – zum nicht videoüberwachten Bahnhof in Wildon gegangen ist. Wahrscheinlich, um dort einen Zug zu besteigen. Doch mit welchem Ziel, mit welchem Plan?

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