Mit ihrer neuen EP „Too Young To Feel Old, Too Old To Feel Young“ spricht Paenda im „Krone“-Talk über das Älterwerden, Erwartungen und den Druck, der besonders auf Frauen im Pop lastet. Die ehemalige ESC-Teilnehmerin erzählt, warum sie heute musikalisch neue Wege geht – und warum sie niemandem mehr beweisen muss, wie hoch sie singen kann.
Ihren Künstlernamen Paenda hat Gabriela Horn, weil sie morgens manchmal wie ein Panda aussieht. Davon war im Interview allerdings wenig zu erkennen: Die 38-jährige Sängerin mit den blauen Haaren wirkt alles andere als verschlafen. Mit ihrer neuen EP „Too Young To Feel Old, Too Old To Feel Young“ beschäftigt sie sich mit einem Gefühl, das viele in ihren Dreißigern kennen. „Es beschreibt diese Ambivalenz der Mittdreißiger. Man ist nicht mehr richtig jung, aber auch noch nicht alt. Dieses Dazwischen wird gesellschaftlich kaum thematisiert“, erzählt sie. Ein Knackpunkt für sie war der Moment, als sie merkte, dass sie mit der Jugendsprache nicht mehr mithalten kann. „Das war noch vor ein paar Jahren halbwegs möglich, aber in den letzten zwei, drei Jahren habe ich gemerkt: Nein. Und ich habe auch gar keine Lust mehr, so zu tun, als würde ich noch dazugehören.“
Für immer 28
Mit der Arbeit an der EP begann die Künstlerin vergangenen Sommer. Die Idee dazu kam ihr kurz vor Weihnachten. „Ich habe gemerkt, dass ich mich in den letzten Jahren ziemlich verändert habe und glaube, dass ich mit diesem Thema auch viele in meinem Alter abhole.“ Beim Schreiben der Songs hat sie viel über sich selbst gelernt. So entstand zum Beispiel der Track „Forever Twenty Eight“, der ebenfalls auf der EP zu hören ist. „Bei diesem Song habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, was es für mich bedeutet, in dieser Zwischenphase zu sein – vor allem als Frau und als Künstlerin in meinen Dreißigern“, sagt sie schmunzelnd. „Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich glaube, dass viele das nachvollziehen können: Von Frauen wird oft erwartet, dass sie in dem Moment, in dem sie Kinder bekommen, ihre Träume aufgeben. Dann gehst du vielleicht arbeiten und bist gleich die Rabenmutter. Wenn du nicht arbeiten gehst, heißt es, du gibst dein Leben komplett für dieses Kind auf. Es ist eine Zwickmühle“, ergänzt sie.
Keine hohen Töne mehr
Auch in der Musikbranche sei das Thema präsent. Wer in seinen Dreißigern noch Karriereziele verfolge oder – wie sie – den Traum von der Musik nicht aufgebe, habe oft das Gefühl, dass das nicht immer gern gesehen werde. „Gerade im Pop haben Frauen ja angeblich ein Ablaufdatum. Und wenn du trotzdem weitermachst und nicht aufhörst, stößt das nicht immer auf Verständnis – deshalb der Titel ,Forever Twenty Eight‘.“ Doch nicht nur dieser Track ist auf dem neuen Werk der österreichischen Sängerin vertreten. Wir wollen wissen, wie sich die Songs der EP von ihren früheren unterscheiden. „Soundtechnisch gibt es eigentlich nicht viele Unterschiede.“ Lediglich beim Gesang habe sich etwas verändert: „Ich will nicht mehr so hoch singen. Ich habe das Gefühl, niemandem mehr beweisen zu müssen, dass ich singen kann“, verrät sie.
Balladen-Befreiungsschlag
Genre-Grenzen sieht sie ansonsten kaum – auf dem Mini-Album sei vieles vertreten, außer Metal und Rap. „Ich habe es mal mit Rappen versucht, aber das geht gar nicht. Mein Freund Lukas und ich haben beide festgestellt, dass ich das wirklich unterlassen sollte“, sagt sie lachend. Neben „Forever Twenty Eight“ hat sie auch der Song „Fire“ einiges an Überwindung gekostet. „Das ist die einzige Ballade auf der EP.“ Nach ihrer Teilnahme am Eurovision Song Contest waren langsame Songs für sie zunächst ein „rotes Tuch“, weil sie nicht darauf reduziert werden wollte, nur Balladen zu singen. Außerdem habe sie damals teilweise sehr negatives Feedback bekommen – etwa, dass man sie nicht buchen solle, weil sie nur „durch die Gegend heult“.
Das verflixte siebte Jahr
Auch ihre Zeit beim Song Contest war für sie sehr emotional. Auf die Frage, wie sie heute darauf zurückblickt, antwortet sie: „Es sind schon sieben Jahre vergangen. Für mich war diese Zeit einfach verrückt. Ich sehe Dinge, die vielleicht verbesserungswürdig waren, aber auch viele schöne Momente. Der ESC hat mir viele Türen geöffnet.“
Dass sie damals nicht ins Finale kam, sei für sie völlig in Ordnung gewesen: „Für mich zählt viel mehr als dieser eine Moment. Es hat bestimmt einen Grund gehabt, warum es nicht so kommen sollte.“
Release-Party
Am 24. April tritt Paenda im Wiener B72 auf und stellt dort neben bekannten Songs natürlich auch ihre neuen vor. Was können Fans erwarten? „Jede Menge gute Laune. Ich mache Dance-Pop, deshalb möchte ich einfach, dass Leute kommen, Spaß haben und tanzen.“ Und wie sieht der Rest des Jahres 2026 aus? „Musik, Musik und Musik.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.