Album „Florescence“

Maisie Peters ist authentisch und hoffnungsvoll

Musik
22.05.2026 05:00

Über die letzten Jahre hat sich Maisie Peters einen guten Platz am Pop-Firmament gesichert. Auf ihrem dritten „Florescence“ geht die 25-jährige Britin wieder zurück zu ihren Alternative-Pop- und Folk-Wurzeln, erweitert ihr inhaltliches Portfolio aber um ein Vielfaches. Der „Krone“ gab sie nähere Einblicke in das Werk.

kmm

Die Musik war der jungen Maisie Peters schon in die Wiege gelegt. Mit ihrer angeborenen Sopranstimme sang sie bereits in der Schule, im zarten Alter von 13 Jahren richtete sie ihren eigenen YouTube-Kanal ein, auf dem Lieder wie „Toast“, „Birthday“ und „First Place“ zu hören waren und die junge Dame aus West Sussex sich erstmals auch einem breiteren Publikum näherbrachte. In der Hafenstadt Brighton verdingte sie sich als Straßenmusikerin. Jahrelang veröffentlichte sie neue Musik und erweiterte ihren Bekanntheitsgrad, bis ausgerechnet die Zeit in der Corona-Pandemie das große Geschenk brachte – einen Vertrag bei Ed Sheerans Plattenfirma Ginger Bread Records. Daraus entstand 2021 das Debütalbum „You Signed Up For This“ und – wenn schon, denn schon – eine üppige Europa-Stadiontour im Vorprogramm des erfolgreichen Rotschopfs.

Ein optimistischerer Weg
Das Nachfolgealbum „The Good Witch“ brachte sie 2023 gleich auf Platz eins der britischen Charts – als jüngste Künstlerin seit Ella Henderson 2014. Daraufhin gab es wiederum Riesenkonzerte im Vorprogramm von Pop-Göttin Taylor Swift. Die von vielen als „kleine Swift“ gehandelte Peters greift in ihrer Musik tatsächlich auf ähnliche Erzählstrukturen zurück. Es geht um das tiefe Hineinblicken in die eigene Seele. Um ehrliche Auseinandersetzungen mit eigenen Erlebnissen und den Tücken des realen Lebens. War das Debüt noch ein Coming-Of-Age-Werk, drehte sich der Nachfolger konzeptionell über mehrere Kapitel hinweg um die verschiedenen Stadien nach einem Beziehungsende. Auf dem brandneuen Drittwerk „Florescence“ wählt Peters einen optimistischeren Weg – ein Album, das von A bis Z nach Frühling riecht.

„Es geht darum zu erblühen und sich vollständig zu entwickeln“, erzählt Peters im „Krone“-Interview, „ich will mein authentischstes Selbst zeigen, aber es geht auch stark um das Finden von inneren Frieden und das Erwachsen von Stärke. Für mich war das Wort ,Florescence“ perfekt, um all diese Gefühlslagen zusammenzufassen und die Ausrichtung des Albums zeigen zu können.“ Eine geplante Tour im mit Kelsea Ballerini sagte Peters letztes Jahr aufgrund psychischer Probleme ab. Sie musste erst mit sich und ihren Dämonen klarkommen und nützte die spontan dazugewonnene Zeit, um akribisch an diesem neuen Album zu basteln. Rund 60 Songs habe sie insgesamt geschrieben, ganze 15 davon landeten auf dem finalen Werk, das mit gut 48 Minuten Spielzeit für ein Pop-Album ziemlich üppig ausgefallen ist.

Die Songs erzählen die Geschichte
Los ging die Reise mit dem Song „You Then Me Now“. „Er repräsentiert das gesamte Album besser als alle anderen. Ich war mir im Laufe des Schaffensprozesses nicht sicher, ob der Song am Ende durchhalten würde, aber er hat die Stimmung dieses Werkes so gut eingefangen, dass er trotz des Entstehens im frühen Stadium locker überlebt hat.“ Mit ihren Ideen ist Peters meist so zufrieden, dass der endgültige Auswahlprozess zur Qual werden kann. „Es ist schwierig, die ganzen Ideen zusammenzupressen und auf Albumlänge zu komprimieren. Vor allem, wenn man so viele Einfälle hat und bei allen Songs glaubt, sie wären gut.“ Viele der Lieder auf „Florescence“ sind so persönlich, dass es Peters schwerfällt darüber zu reden. Sie öffnet sich gerne in ihrer Kunst, aber weniger gerne in Gesprächen darüber.

So steht etwa das schwungvolle „Audrey Hepburn“ nicht als Hommage für eine zeitlose Hollywoodlegende, sondern als Synonym für eine Art perfekter Schönheit. „Sie ist das Paradebeispiel dafür“, so Peters, „gleichzeitig war sie aber unglaublich klug, warmherzig, charismatisch und hatte eine sehr menschliche Zugangsweise ans Leben. Sie ist somit auch ein Paradebeispiel für jemanden, der innen und außen schön ist.“ Eine Art Vorbildwirkung reklamiert die 25-Jährige nicht, aber dass sie bei vielen jungen Mädchen Gehör findet, ist ihr vollends bewusst. „Es ist schön, wenn andere etwas aus meinen Texten ziehen können und ich Feedback bekomme. Es ist aber nicht zwingend meine Intention, dass es dazu kommt.“

Nur ja nicht festlegen
Unterschiedliche Verhaltensweisen und Umgangsformen in Beziehungsgeflechten sind omnipräsent. War „The Good Witch“ bewusst ein leichtfüßiges Dance-Pop-Album, ist „Florescence“ wieder stärker in die Richtung gepolt, in der sich Peters zu Karrierebeginn bewegte. Alternative Pop mit Country- und Folk-Anleihen, wie sich Schwung und Balladeskes nicht viel Platz wegnehmen, sondern in guter Vereinbarkeit miteinander arbeiten. „Ich liebe das Album ,The Good Witch‘ und all die Songs darauf noch immer innig, aber ich bin in einer neuen Ära meines Lebens und in einer neuen Ära meiner Musik. Manchmal experimentiere ich mehr im Pop-Bereich, dann wieder mehr im Country-Bereich. Ich will mich nicht festlegen müssen und folge meinem Instinkt. Selbst ein Kaliber wie Marcus Mumford hat auf „Florescence“ mitgearbeitet. „Es war großartig, mit ihm zu schreiben, er hat mir viele Ratschläge und Weisheiten vermittelt. Er hat dem Album definitiv einen eigenen Stempel verliehen.“

„Florescence“ ist ein selbstbestimmtes und ziemlich erwachsenes Kapitel in der Kunst von Maisie Peters. „Alles unterliegt den menschlichen Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren machen durfte. Es gibt Höhen und es gibt Tiefen. Es gibt Spaß und es gibt Trauer. Es gibt Zweifel und es gibt Momente der Sicherheit. Dieses Album trägt von allem etwas in sich und im Großen und Ganzen vermittelt es mehr Hoffnung als der Vorgänger. Die Hoffnung ist wahrscheinlich die führende Emotion, die sich durch die einzelnen Lieder zieht.“ Live wird „Florescence“ jedenfalls gut mit den älteren Liedern der Britin koppelbar sein. Einen weiteren Österreich-Auftritt gibt es aber noch nicht am Horizont zu sehen – auch nicht als Support von einem Weltstar, wie es bislang schon der Fall war. Mit dem Drittwerk könnte sich Maisie Peters aber selbst in eine neue Liga aufschwingen. Die Voraussetzungen sind mit dem Album jedenfalls geschaffen.

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