Heute ist Weltfrauentag – und in Wien steht dieser ganz im Zeichen der Musik. Beim Event „Starke Stimmen – Starke Frauen“ im Globe steht neben Künstlerinnen wie Virginia Ernst, Billie Steirisch oder Anna Sophie – und vielen mehr – auch Esther Graf auf der Bühne. Kurz zuvor hat sie mit „Nirgendwen“, einer emotionalen Single gemeinsam mit Ness, neue Musik veröffentlicht. Im Talk mit der „Krone“spricht sie über starke Frauen in der Musikszene, ihre neue Single und ihren Weg als Künstlerin.
„Wie kann ein Mensch erst das Beste sein und plötzlich das Letzte sein? Wenn’s immer so ist, so ist, lieb’ ich lieber nirgendwen.“ Mit diesen Zeilen aus ihrer neuen Single „Nirgendwen“, die sie gemeinsam mit Ness veröffentlicht hat, startete Sängerin Esther Graf ins neue Jahr. Eine Karobluse, ein sympathisches Lächeln und ein ziemlich witziger Charakter – genau so trafen wir die Sängerin, als sie im Zuge ihrer Promotion für den neuen Song im „Krone“-Gebäude vorbeischaute. Während sie in der Maske für ihren Live-Auftritt bei krone.tv vorbereitet wurde, plauderten wir mit ihr über ihre neue Musik und ihren Weg in der Szene.
Die 27-Jährige ist für emotionale Pop-Songs mit ehrlichen Texten bekannt und bewegt sich musikalisch immer wieder auch im Rap-Umfeld. Regelmäßig arbeitet sie mit Künstlern aus der deutschsprachigen Szene zusammen und stand bereits mit Acts wie Nina Chuba auf der Bühne. Erst am Freitagabend performte sie gemeinsam mit Kollegin Ness bei den Amadeus Austrian Music Awards – heute steht schon der nächste Auftritt an.
Im Talk wirkte Graf nicht nur nahbar und humorvoll, sondern auch erstaunlich selbstbewusst. Offen sprach sie über ihre Musik, Erfahrungen in der Branche und ihren Weg als Künstlerin.
„Krone“: Du hast mit „Nirgendwen“ ins neue Jahr gestartet. Mit welchem Gefühl geht man in so eine neue Ära?
Esther Graf: Mit ganz großer Vorfreude. Das war ja, wie du sagst, der erste Release dieses Jahr und auch mein erstes Feature für mein kommendes Album. Und es war eines der schönsten Features, die ich bisher gemacht habe. Ness ist eine tolle Künstlerin, aber auch einfach ein super Mensch. Obwohl der Song eigentlich etwas Trauriges hat, verbinde ich sehr viel Positives damit, weil die Zusammenarbeit schön war. Das ist ja die Magie an Musik: Aus traurigen Dingen kann etwas Schönes entstehen.
Wie ist die Zusammenarbeit entstanden?
Ich schätze sie und ihre Musik schon richtig lange. Mir ist es persönlich wichtig zu schauen, welche spannenden Künstler es gerade in Österreich gibt, und sie war für mich immer ganz vorne dabei. Wir hatten zwar immer wieder Kontakt, aber es ist nie dazu gekommen, gemeinsam ins Studio zu gehen. Ich habe sogar für ihre EP geschrieben – und letztes Jahr hat sie sich dann meine Show auf Tour angeschaut und wir haben uns backstage gesehen. Da ich gerade mitten in der Albumplanung bin, habe ich überlegt, welcher Song gut für uns beide funktionieren könnte und habe ihr dann eine Idee geschickt – lustigerweise genau an ihrem Geburtstag. (lacht) Sie meinte nur: „Das ist aber ein schönes Geburtstagsgeschenk.“ Und hat direkt zugesagt.
Und wie lief die Arbeit im Studio? War alles harmonisch?
Ja, aber es war auch nicht unkompliziert. Das Ganze ist über die Feiertage entstanden, und wir waren alle an unterschiedlichen Orten. Die Produzenten waren woanders, Ness war in ihrer Heimat, ich war in Kärnten. Wir haben den Song tatsächlich über Zoom fertig gemacht.
Sie hat ihre Parts aufgenommen und mir die Spuren geschickt. Das erste Mal wieder persönlich gesehen haben wir uns tatsächlich erst beim Videodreh.
Gibt es eine Zeile aus „Nirgendwen“, die sich heute anders anfühlt als beim Schreiben?
Ja. Die Zeile „Wie eine Welle aus Schmerzen, kurz bevor sie bricht“. Als wir sie im Studio geschrieben haben, dachte ich zuerst: Das ist vielleicht ein bisschen zu dramatisch. Mittlerweile ist es meine Lieblingszeile geworden.
Der Song ist das erste Feature deines kommenden Albums. Wie weit bist du mit dem Projekt?
Gerade passiert sehr viel. In ein paar Wochen wird das Visuelle festgelegt. Songwriting-mäßig bin ich etwa bei 70 Prozent. Ein paar Lieder möchte ich noch fertig machen und vielleicht noch ein, zwei neue schreiben. Es sind viele dabei, die nach vorne gehen. Aber ein Album braucht unterschiedliche Farben. Vielleicht möchte ich noch etwas Balladeskes machen. Mein nächster Song heißt übrigens „Wie schön“ – aber mehr verrate ich noch nicht.
Wird es noch weitere Features auf dem Album geben?
Das ist noch offen. Ich gehe mit ein paar Musikern ins Studio und habe einige Sessions geplant. Aber ich finde, man sollte ein Feature nicht machen, nur damit es auf der Platte ist. Der Song muss stimmen. Bei Ness war das so: Ich wollte grundsätzlich gern etwas mit ihr machen, aber wir hätten es nicht umgesetzt, wenn es nicht perfekt gepasst hätte.
Und wann erscheint dein zweites Album?
Bald – Im Sommer könnt ihr euch auf jeden Fall auf ganz viele Songs freuen (grinst).
Du bist in der Pop- und Rap-Szene gut vernetzt und standest auch mit Nina Chuba auf der Bühne. Wie war die Zusammenarbeit mit ihr?
Nina kenne ich schon lange. Wir haben früher gemeinsam für andere Künstler geschrieben. Irgendwann hatte ich dann eine Privatnachricht von ihr: „Ich habe da einen Song. Hättest du Lust, den mit mir zu zertrümmern?“, meinte sie. Ich wollte sofort dabei sein – so ist dann „Rage Girl“ entstanden. Ich war auch als Support auf sechs Shows ihrer Tour. Besonders schön war ein Moment in Bremen: Als ich auf die Bühne gegangen bin, hatte ich das Gefühl, die erste Reihe sieht genauso aus wie bei meinen eigenen Konzerten. Viele haben meine Songs mitgesungen – das hat mich richtig gefreut.
Mit wem würdest du gerne einen Song machen, bei dem alle sagen würden: Damit hätte niemand gerechnet?
Mein Spotify-Wrapped müsste man mal sehen – mein Musikgeschmack ist wirklich breit. Ich habe auch ein Herz für Rap, obwohl ich Pop mache. Privat höre ich tatsächlich viel R&B. Ich bin ein großer Fan von Jazeek. Das würden viele wahrscheinlich nicht erwarten. Ich habe ihn auch schon ein paar Mal im Studio getroffen, aber ich glaube, er weiß gar nicht, dass ich so ein Fan bin. Ich finde es spannend, dass er musikalisch so aus dem Rahmen fällt und trotzdem kommerziell erfolgreich ist. Das wäre auf jeden Fall ein Feature, das mich reizen würde.
2026 wird ein großer Festivalsommer für dich. Was vermisst du nach einer längeren Studiozeit am meisten an der Bühne? Der Unterschied ist extrem. Im Studio hat man kein direktes Feedback. Man zweifelt viel und muss stark auf die eigene Intuition hören. Wenn man dann rausgeht und Leute die Songs mitsingen, merkt man: Okay, es war vielleicht doch nicht so falsch, was ich gemacht habe. Im Studio entsteht die Musik – aber wirklich lebendig wird sie erst auf der Bühne.
Was passiert in den letzten 30 Sekunden, bevor du auf die Bühne gehst?
Ich bin meistens komplett in meinem Tunnel und kaum ansprechbar. Ich setze mir vorher Kopfhörer auf, schreibe meinen Liebsten noch kurz eine Nachricht und spreche ein kleines Stoßgebet. Dann frage ich mein Tourmanagement immer noch einmal, in welcher Stadt wir sind – das ist nämlich der größte Fauxpas, wenn man auf die Bühne geht und die falsche Stadt begrüßt.
Am Weltfrauentag trittst du beim Event „Starke Stimmen – Starke Frauen“ im Globe in Wien auf. Was bedeutet dir dieser Rahmen persönlich?
Sichtbarkeit ist unglaublich wichtig. Natürlich kann man sich darüber den Kopf zerbrechen, warum wir noch nicht angekommen sind, wo wir sein sollten. Aber Veränderung passiert nur, wenn man sich zeigt und ein Zeichen setzt. Ich bin Feministin aus tiefstem Herzen. Gleichzeitig engagiere ich mich auch viel für Kinderprojekte, zum Beispiel mit Konzerten in Kinderkliniken. Diese beiden Themen – Feminismus und Kinder unterstützen – sind für mich die gesellschaftlichen Bereiche, in denen ich mit meiner Musik etwas bewegen möchte.
Gab es Momente in deiner Karriere, in denen du als Frau besonders kämpfen musstest?
Wahrscheinlich öfter, als mir bewusst ist. Ich versuche immer optimistisch zu bleiben. Aber gerade bei Live-Performances hört man manchmal noch den Vorwurf, Frauen könnten ein Publikum nicht so gut „im Griff“ haben. Da musste ich öfter das Gegenteil beweisen. Gleichzeitig sieht man aber auch, dass sich Festival-Line-ups langsam verändern. Genau deshalb sind solche Events wichtig – um zu zeigen, dass es uns gibt.
Wo benötigt die österreichische Musikszene deiner Meinung nach noch ein Umdenken?
Eine Erfahrung, die ich gemacht habe: Weil ich in Deutschland lebe, heißt es oft, Österreich hätte mich „verloren“. Aber ich bin natürlich Österreicherin und das ist meine Heimat. Am Anfang hatte ich hier manchmal das Gefühl, erst einmal Anerkennung aus Deutschland zu brauchen, um auch in Österreich wahrgenommen zu werden. In Berlin habe ich einfach schneller Menschen gefunden, die an meine Musik geglaubt haben. Ich würde mir wünschen, dass lokale Musikliebhaber früher unterstützt werden.
Zum Schluss: dein Rat an junge Musikerinnen und Musiker?
Es ist eine spannende Zeit für die Musikindustrie. Viel hat sich Richtung Online verschoben. Meine viralsten TikToks habe ich einfach mit der Selfie-Kamera in meiner Wohnung aufgenommen – nicht bei großen Videodrehs. Deshalb würde ich sagen: „Nimm dein Handy in die Hand und fang einfach an. Warte nicht darauf, entdeckt zu werden“ – das funktioniert heute noch kaum. Wenn du etwas lostrittst, kommen die Leute irgendwann sowieso dazu.
Esther Graf spielt heute am Weltfrauentag im Wiener Globe (Tickets unter www.oeticket.com). Wer also noch keinen Sonntagsplan hat, schnappt sich seine Liebsten, sichert sich Tickets und genießt einen Abend voller starker Stimmen.
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