Akademietheater

Wiener Zeitgeschichte: Isidor in Teufels Händen

Kritik
01.03.2026 11:14

Das Akademietheater zeigt eine schauspielerisch starke, aber handwerklich überschaubar gelungene Bearbeitung von Shelly Kupferbergs Wiener Zeitgeschichteroman „Isidor“.

kmm

An Dringlichkeit lässt das Buch keine Wünsche offen: Es gleicht einem Kommentar zu unserer Gegenwart, die durch Antisemiten aller politischen Richtungen vergiftet ist. Die israelisch-deutsche Journalistin Shelly Kupferberg hat in Wien die Spuren ihres Urgroßonkels freigelegt, der ein großer Geschäfts- und Lebemann war, bis ihn die Nazis 1938 zu Tode folterten. Das Resultat mit dem Titel „Isidor“ ist journalistisch-dokumentarisch brillant, aber undramatisierbar. Die Dialoge sind inhaltlich schwer und formal flach, so eindimensional und vorhersehbar wie die Gestalten.

Dabei ist Philipp Stölzl, der auf leerer Bühne inszeniert hat, ein bedeutender Schauspielerregisseur. Und auch die Mitwirkenden haben Format, insbesondere Stefko Hanuskevsky in der Titelrolle und Markus Hering, der in fünf Episoden aus dem Nichts unglaubliche Verwandlungen vollzieht. Aber bis zur Pause bleibt es beim endlosen Fehlversuch. Das ändert sich, wenn es ans Entwertet-Werden und Sterben geht. Die letzte Stunde schafft einen finsteren Sog, rinnt allerdings zuletzt in schwatzhaftem Pathos aus. Alexandra Henkel, Itay Tiran, Nina Siewert, Lilith Hässle und die anderen können mehr, als sie vorweisen dürfen.

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