Live in der Stadthalle

Herbert Grönemeyer: Klare Worte und Bühnenpower

Musik
20.02.2026 01:46

Auch eine Schneewalze kann einen Gröni nicht aufhalten. Am kühlen Donnerstagabend machte Musiklegende Herbert Grönemeyer mit seiner „Mittendrin – Akustisch“-Tour in der ausverkauften Wiener Stadthalle Halt, wurde politisch laut und lieferte ein fulminantes 360-Grad-Erlebnis. Wir waren live dabei und haben uns das dreistündige Konzert des charismatischen Stimm-Unikats angesehen.

kmm

Herbert Grönemeyer ist seit Jahrzehnten eine feste Größe in der deutschen Musikszene. Trotz seiner oft nuschelnden Stimme schafft es die Ikone immer wieder, die Herzen des Publikums zu gewinnen.

Draußen herrschte eiskaltes Winterwetter, ein Schneechaos war für den Donnerstagabend angekündigt, aber Gröni ließ sich davon nicht bremsen. Um 19.30 Uhr sollte das Konzert in der Wiener Stadthalle starten. Zuletzt war er 2023 in Wien zu Gast, entsprechend groß war die Erwartung. Rund 15.000 Menschen strömten in die ausverkaufte Stadthalle, um „Mittendrin – Akustisch“ ganz nah zu erleben.

Grönemeyer versprach ein 360-Grad-Live-Erlebnis – und das wurde gleich zu Beginn sichtbar: eine runde Bühne mitten im Publikum, dazu ein großes Orchester. Allerdings bedeutete das für manche Besucher auch: zeitweise Blick auf Grönemeyers Rücken. Kurz nach halb acht wurde die Hintergrundmusik dann leiser, das Orchester nahm Aufstellung – und die Menge tobte bereits. Als der Künstler dann endlich erschien, genoss er den Applaus sichtlich, winkte in alle Richtungen und bewegte sich über die gesamte Bühne. Ein Charisma, das sofort wirkte.

Trotz Schneechaos ließen sich 15.000 Fans den Auftritt der Legende nicht entgehen.
Trotz Schneechaos ließen sich 15.000 Fans den Auftritt der Legende nicht entgehen.(Bild: Eva Manhart)
Mit energischen Zurufen wie „Ja“ oder „Los jetzt“ animierte Grönemeyer immer wieder zum ...
Mit energischen Zurufen wie „Ja“ oder „Los jetzt“ animierte Grönemeyer immer wieder zum Mitmachen.(Bild: Eva Manhart)

Stimme angeschlagen
Mit „Unfassbarer Grund“ eröffnete er den Abend kraftvoll und zeigte trotz angeschlagener Stimme überraschende Präsenz. Auch wenn nicht jede Silbe perfekt zu verstehen war, transportierte er das Gefühl des Songs mühelos. Bei „Das Ist Los“ wurde die Bühne voller, drei große Screens leuchteten auf, und Gröni heizte vom ersten Moment an mit einem lauten „Was ist los, Wien?“ weiter an. Zwischendurch verriet er, dass seine Stimme seit Dortmund eben nicht ganz auf der Höhe sei – und bat das Publikum um kräftige Unterstützung. Eines muss man ihm wirklich lassen: Er erreicht seine Fans mühelos. Mit energischen Zurufen wie „Ja“ oder „Los jetzt“ animierte er immer wieder zum Mitmachen und hielt die Spannung konstant hoch.

Doch auch Humor bewies er ebenfalls: „Das nächste Lied kennt keiner, aber es ist wunderschön“, witzelte er vor dem Song „Flieg“. Danach setzte er sich ans Klavier und stimmte das „Steigerlied“ an – Fans blieben textsicher, trotz seines Markenzeichens: dem Nuscheln. Musikalisch fuhr der 69-Jährige – wie schon erwähnt – groß auf: Saxofon, Trompete, Streicher, Gitarren und Schlagzeug – alles war vertreten.

Der 69-Jährige setzte nicht nur ein klares Zeichen gegen rechts, sondern sorgte auch für ein ...
Der 69-Jährige setzte nicht nur ein klares Zeichen gegen rechts, sondern sorgte auch für ein abwechslungsreiches Hit-Feuerwerk mit mehr als 40 Musikern auf der Bühne.(Bild: Eva Manhart)

Klare Haltung gegen rechts
Einen der stärksten Momente des Abends lieferte Grönemeyer mit einer deutlichen politischen Ansage. „Ich werde bald 70 und hätte nicht gedacht, dass ich in meinem Leben noch einmal für die Demokratie eintreten muss“, sagte er nachdenklich. Rund 25 Prozent der Bevölkerung hätten Migrationshintergrund, betonte er, und stellte klar, wie sehr diese Menschen das Land mit aufgebaut hätten. Wer ihnen das Leben schwer mache, sei „widerlich“. Dabei wurde er deutlich lauter.  

Im Laufe des Abends wurde er noch einmal laut: „Wir sind politisch demokratisch und bleiben politisch demokratisch“, stellte er klar. Man werde „so lange durchhalten, bis diese ganze Hetze und die Menschen mit ihrem furchtbaren rechten Geschwafel wieder in ihren Löchern verschwinden und uns endlich in Ruhe lassen“.

Die Songs „Doppelherz / Iki Gönlüm“ und „Fall der Fälle“ unterstrichen diese Haltung musikalisch – kämpferisch sang er: „Keinen Millimeter nach rechts“ – und das Publikum feierte die klare Botschaft euphorisch mit.

„Keinen Millimeter nach rechts“: Herbert Grönemeyer
„Keinen Millimeter nach rechts“: Herbert Grönemeyer(Bild: Eva Manhart)

Zwischen Ballade und Party
Immer wieder wechselte die Stimmung: Eben noch sprang er über die Bühne, dann saß er wieder am Klavier und sang gefühlvolle Balladen wie „Glück“. Diese Dynamik hielt den Abend lebendig, wirkte stellenweise aber auch bewusst über inszeniert. Auch Selbstironie fehlte nicht. Weil ja die Stimme nicht so wollte, tanze er eben mehr, scherzte er und präsentierte prompt seinen erfundenen „Schulterwalzer“ als Konkurrenz für den Opernball, den alle begeistert mitmachten.

Mit „Flugzeuge Im Bauch“ und „Mensch“ folgten schließlich die großen Klassiker – und die textsichere Halle sang geschlossen mit. Spätestens hier zeigte sich, wie zeitlos diese Songs im Live-Kontext noch immer funktionieren. Selbst prominente Gäste wie die österreichische Sängerin Christina Stürmer sangen laut in der Loge mit. Bei „Alkohol“ wurde es dann wieder rockiger. Grönemeyer verließ kurz die Bühne, umrundete sie und mischte sich singend unter die Fans, schüttelte Hände und suchte die direkte Nähe zum Publikum, während die Security dicht hinter ihm blieb. Die Stimmung erreichte ihren Siedepunkt. „Das ist ja kaum auszuhalten – leiwand und zauberhaft“, rief er begeistert dazwischen.

Als der Song „Zeit, Dass Sich Was Dreht“ kam, zeigte Gröni noch einmal seine ganze Bühnenpräsenz: Er tanzte erneut, sprang über die Bühne, hob die Hände und ließ sich feiern. Im frisch gewechselten Hemd wurde es dann ruhiger. Mit „Fang Mich An“ zeigte er trotz seiner nicht ganz auf der Höhe befindlichen Stimme viel Gefühl. Zwischendurch überraschte er sogar als Ukulele-Spieler bei „Männer“. „Männer sind Männer, wenn sie Ukulele spielen können“, witzelte er. Nach drei Stunden verabschiedete er sich mehrfach – kam aber natürlich für Zugaben zurück und stellte zwischendurch sein Team aus fast 40 Leuten vor, bevor bei „Mambo“ sogar der A-cappella-Chor in Polonaise durch die Stadthalle zog.

Zum Schluss wurde es noch einmal ganz ruhig. „Ich Hab Dich lieb“ und „Immerfort“ bildeten den gefühlvollen Ausklang des Abends. Grönemeyer bedankte sich immer wieder und blieb ungewöhnlich lange auf der Bühne stehen, um die Bilder der Stadthalle noch einmal aufzusaugen. „Schlaft schön, Wien“, sagte er, bevor er schließlich im tosenden Applaus endgültig die Bühne verließ.

Vom winterlichen Schneechaos – und auch von der Anti-Rassismus-Demonstration im Märzpark – ließ sich Gröni jedenfalls keine Sekunde bremsen. „Ich muss nächstes Jahr wiederkommen“, kündigte er noch im Gehen an. Am 10. Juni 2027 steht er bereits wieder für ein „Krone“-Konzert in der Wiener Stadthalle auf der Bühne (ticket.krone.at).

Fazit: ein Wechselbad der Gefühle in der Wiener Stadthalle. Herbert Grönemeyer wurde laut, emotional und überraschend tanzfreudig – und bewies eindrucksvoll, dass man auch mit fast 70 nicht nur große Töne anschlagen, sondern sie vor allem leben kann. Dieser Abend wird also so schnell nicht vergessen.

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