Epibatidin in Gewebe
„Nawalny wurde von Moskau mit Pfeilgift getötet“
Zwei Jahre nach dem Tod des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny sehen fünf westliche Außenminister klare Hinweise auf ein Verbrechen. Der vor zwei Jahren in russischer Haft gestorbene 47-Jährige ist Analysen zufolge mit einem „starken Nervengift getötet“ worden.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul sowie seine Amtskollegen aus Großbritannien, Schweden und den Niederlanden beschuldigten in einer gemeinsamen Stellungnahme Russland, den Kremlkritiker umgebracht zu haben.
Laut Wadephul soll Epibatidin benutzt worden sein. Dabei handelt es sich um ein aus dem Hautdrüsensekret des Pfeilgiftfrosches gewonnenes Alkaloid, das 200-mal stärker als Morphium wirken soll. „Es lähmt die Atemmuskulatur, die Opfer ersticken qualvoll.“
Nawalny sei nicht nur das mutige Gesicht der russischen Opposition gewesen, sondern schon einmal das Opfer eines hinterhältigen Giftanschlags. Anschließend wurde er in der Berliner Charité behandelt und kehrte trotz allem danach nach Russland zurück.
Witwe: „Beweis, dass Putin Mörder ist“
Ähnliche Vorwürfe hatte Nawalnys Ehefrau Yulia bereits im September des Vorjahres erhoben, die zwei voneinander unabhängige Labortests in Auftrag gegeben hatte. Beide wären zu dem Schluss gekommen, dass „Alexej vergiftet wurde“, sagte sie damals.
Was sonst hätte mit einem jungen, charismatischen Oppositionsführer in Putins Gefängnis passieren können?

Yulia Nawalnaja
Bild: AFP/KAI PFAFFENBACH
Die anwesende Witwe Nawalnaja dankte den an den Analysen beteiligten Labors in Deutschland, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden. Es sei der schwerste Tag ihres Lebens gewesen, als sie vor zwei Jahren vom Tod ihres Mannes erfahren habe. Schon damals sei sie sich sicher gewesen, dass er ermordet wurde. „Was sonst hätte mit einem jungen, charismatischen Oppositionsführer in Putins Gefängnis passieren können?“
„Direkter Beweis“ erbracht
Sie sagte am Samstag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz, nun habe man den Beweis, dass Kremlchef Wladimir Putin ein Mörder sei. Dies sei sicher keine Neuigkeit. „Aber jetzt haben wir noch einen direkten Beweis dafür. Und ich hoffe sehr, dass er irgendwann auf der Anklagebank landet und sich für alles, was er getan hat, verantworten muss.“
Nawalny war am 16. Februar 2024 in einer Strafkolonie im hohen Norden Russlands gestorben. Die Umstände seines Todes sorgten international für Empörung und scharfe Kritik am Kreml.
- Nawalny galt als der prominenteste Gegner von Putin in Russland, auch weil er immer wieder Korruptionsfälle innerhalb der Elite um den Kremlchef aufdeckte.
- 2020 wurde er vergiftet und im Koma liegend nach Deutschland ausgeflogen, wo er in der Berliner Charité behandelt wurde.
- Die russischen Behörden nahmen den Politiker im Jänner 2021 bei seiner Rückkehr in die Heimat noch auf dem Flughafen fest – zunächst wegen des angeblichen Verstoßes gegen frühere Bewährungsauflagen.
- Später verurteilten russische Gerichte Nawalny zu langen Haftstrafen – unter anderem wegen Extremismus.
- Im Gefängnis wurde er stark von der Außenwelt isoliert.
- Am 16. Februar 2024 starb er in einer Strafkolonie nördlich des Polarkreises. Die russischen Behörden sprachen von einer natürlichen Todesursache.









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