Peter Brugger

„Ich hab‘ oft Klaviere auf die Berge geschleppt“

Oberösterreich
14.02.2026 16:00

Vollblutpianist, Musikschuldirektor, Visionär: Peter Brugger hat Bad Goisern und das Salzkammergut zu einem internationalen Musiktreffpunkt gemacht. Und er hat Klaviere in die Rieseneishöhle gebracht. Jetzt ist er in Pension, spricht über Musikunterricht in Zeiten der KI – und gibt Konzerte in China.

„Ich habe immer gerne Klaviere auf Bergen aufgestellt“, schmunzelt Peter Brugger.  Er ist ein Top-Musiker und mit Leib und Seele im Salzkammergut verwurzelt. Er liebt nicht nur Schönberg, sondern auch das ewige Eis: Er gilt als Gründer der Eisklang Konzerte in der Dachstein Rieseneishöhle.

Brugger baute auch die sogenannten „Meisterkurse“ in Bad Goisern auf, spezielle Ferienprogramme für Musiker aus aller Welt. Die „Bläserkurse“ bringen alljährlich 400 bis 500 Bläser aus Ostasien, Europa, Österreich und Bayern nach Goisern.

„Das gibt es jetzt schon 30 Jahre“, sagt Brugger im „Krone“‑Talk. „Wenn 250 Musiker eine Woche lang im Ort sind, haben die Kaffeehäuser und Beisln gute Umsätze. Da ist auf einmal was los!“ Seine musikalischen Ideen haben  das Salzkammergut international bekannt gemacht.

Seine Vision: Grenzen überwinden
Die Grenzen der Musik, der Länder und der Tradition aufzubrechen – das beschreibt Bruggers Vision am besten. Als Direktor der Landesmusikschule in Goisern ist er nun in Pension gegangen.  Mit der „Krone“ spricht er auch über die Zukunft des Musikunterrichts – in Zeiten Künstlicher Intelligenz (KI).

„Krone“: Sie waren viele Jahre Direktor einer Landesmusikschule. Geht das Landesmusikschulwerk (LMS) eigentlich mit der Zeit?

Peter Brugger: Das LMS ist immer sehr transparent geführt worden. Man hat immer mit guten Ideen kommen können und offene Ohren gefunden. Mein Ansinnen war, das LMS in das Gesamtbildungswesen zu integrieren, also Kooperationen mit dem Regelschulwesen. Das haben wir in Goisern gelebt, es wird mittlerweile aber auch insgesamt gemacht.

(Bild: Markus Wenzel)
(Bild: Markus Wenzel)

Wie sehr reagiert das LMS auf die veränderte Gesellschaft?
Es ist sehr integrativ. Es gibt Angebote für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, aber auch Lehrkräfte für andere Instrumente, etwa aus der Türkei – da ist viel passiert.

Was war für Sie persönlich das Wichtigste beim Unterrichten?
Ich habe meine Schüler immer gefragt: Was lernt ihr gerade in Geschichte oder Geografie? Dann habe ich passende Stücke gesucht. Ich wollte immer die Musik mit fast allen Schulgegenständen verbinden. Wenn wir Debussy gespielt haben, haben wir über das Leben in Frankreich zu seiner Zeit gesprochen. Da kommt man auch zur Freiheit in der Kunst – oder wie sie gegängelt wird, wie es jetzt wieder passiert. Für eine freie Gesellschaft ist es wichtig, dass sich Kunst frei entwickeln und auch einmal provozieren kann.

Brugger bei einem internationalen Musikschul-Kongress in Suzhou, China
Brugger bei einem internationalen Musikschul-Kongress in Suzhou, China(Bild: Brugger)

Nun kommt ein Thema in der Musik und Musikpädagogik dazu, nämlich KI. Wie ist Ihr Blick darauf?
Früher hat man mehr gemeinsam musiziert, heute spielen die Schüler meist allein zu Hause. Da kann KI helfen, denn sie ist ein gutes Werkzeug für Begleitmusik oder Begleitbands. Aber ein Instrument zu lernen, ist grundsätzlich eine analoge Angelegenheit. Man muss die Schüler dazu motivieren, Notenblätter und Bücher in die Hand zu nehmen – das ist in meinen Augen auch Aufgabe der Musikschule.

Welchen Tipp haben Sie?
Ich habe oft alte Noten am Flohmarkt gekauft und sie meinen Schülern gezeigt, damit sie sehen, wie das früher ausgeschaut hat. Sie müssen sehen, dass man als Musiker auch in Notenmaterial hineinschreibt, sie müssen erleben, wie man Musik auswählt.

Sie waren gerade auf einem KI-Kongress in China. Was haben Sie erfahren?
Ich habe neben einem Schulinspektor aus Singapur gesessen, der mir gesagt hat, dass sie die Handschrift wieder einführen. Tablets werden nur mehr im Informatikunterricht eingesetzt.

Was ist der Grund?
Es geht um Motorik und Denken. Wenn man mit der Hand mitschreibt, wird die Merkfähigkeit gefördert. Ich habe darum in meiner Musikschule damit begonnen, dass wieder Noten geschrieben werden. Die Schüler merken sich die Noten schneller und verstehen musikalische Muster besser.

Nun sind Sie in Pension. Was macht Ihre eigene Karriere als Konzertpianist?
Ich bin im Februar in Macao an der Südküste Chinas. Ich sitze dort in der Jury eines Klavierwettbewerbs und werde auch zwei Konzerte spielen. Außerdem werde ich Schulen besuchen.

Sie sind auch der Gründer der Eisklang‑Konzerte, die heuer ab 14. August in der Dachstein Rieseneishöhle stattfinden.
Meine Vision ist: Musik und Natur verbinden sich. Darum tragen wir seit 1998, als wir UNESCO Welterbe geworden sind, das Klavier in die Eishöhle, die besondere akustische Verhältnisse bietet. Ich habe schon früher Klaviere auf Bergen aufgestellt – im Sinne einer impressionistischen Denkart. Wie verändert Musik die Landschaft? Was ist, wenn es regnet, wenn Kühe zu hören sind? Genau das interessiert mich.

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