Nur ein paar Tropfen oder eine Kapsel Vitamin D am Morgen! Viele Menschen greifen ganz selbstverständlich zu solchen hochdosierten Präparaten, schließlich ist Vitamin D das „Sonnenvitamin“ – das kann ja nicht schaden. Oder doch? Vorsorgeexperte Dr. Christian Maté ordnet ein, wann es zu viel ist.
Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen oder starker Durst und häufiges Wasserlassen, Dehydrierung, Muskelschwäche, Verwirrtheit sowie Benommenheit oder schweren Fällen sogar Bewusstseinsstörungen – und nicht selten eine gefährlich hohe Kalziumkonzentration im Blut. Wussten Sie, dass dies mögliche Symptome sein können, wenn Sie über einen längeren Zeitraum zu viel Vitamin D eingenommen haben?
Übermäßiges Kalzium im Körper belastet
„Zu viel Vitamin D sorgt dafür, dass der Körper zu viel Kalzium aus dem Darm aufnimmt. Das belastet Nieren, Muskeln und Gehirn“, erläutert Dr. Christian Maté, Wiener Allgemeinmediziner und Vorsorge-Experte. Die Ursachen: Im Glauben, sich etwas Gutes zu tun, denken viele Menschen nicht über die möglichen Folgen der regelmäßigen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder hoch dosierter Vitamin-D-Präparate nach. Vielfach erfolgt diese ohne ärztliche Kontrolle.
Was passiert bei Überdosierung?
Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin und wird im Körper gespeichert – vor allem in Leber und Fettgewebe. Nimmt man es in zu hohen Mengen ein, reichert es sich an. Und dann beginnt ein fataler Kreislauf: Zu viel Vitamin D sorgt dafür, dass der Darm immer mehr Kalzium ins Blut zieht. Der Spiegel steigt, der Körper gerät aus dem Gleichgewicht. Die Folge ist eine Hyperkalzämie – ein Zustand, der alles andere als harmlos ist. Denn Betroffene berichten dann über oben genannte Symptome.
Nahrungsergänzungsmittel werden oft nicht so streng kontrolliert wie Medikamente – daher kann man sich bei der Dosierung leichter „verschätzen”.

Dr. Christian Maté, Wiener Allgemeinmediziner und Vorsorge-Experte
Bild: Eva Manhart
Wenn Kalzium dauerhaft zu hoch ist, sucht es sich im Körper seinen Platz. Die Nieren bleiben selten verschont: Es bilden sich Steine, die schmerzhafte Koliken auslösen können, oder es gelangt Kalzium in den Urin. In schweren Fällen kommt es zu Verkalkungen in Organen und Weichteilen – ein langsamer, kaum spürbarer Prozess, der erst bemerkt wird, wenn der Schaden bereits groß ist.
Den Vitamin-Spiegel im Auge behalten
„Besonders gefährlich wird es, wenn Menschen über Monate deutlich über dem tolerierbaren oberen Grenzwert D – etwa 10.000 Internationale Einheiten – täglich einnehmen oder in kurzer Zeit extrem hohe Dosen schlucken. Laboruntersuchungen zeigen dann deutlich erhöhte Vitamin-D-Spiegel im Blut“, erklärt der Mediziner.
„Doch selbst vermeintlich harmlose Dosierungen können riskant werden“, warnt Dr. Maté. „Für gesunde Erwachsene liegt der tolerierbare obere Grenzwert bei 4.000 IE/Tag. Höhere Dosierungen sollten nur zeitlich begrenzt und ärztlich begleitet erfolgen.“
Menschen mit genetischen Stoffwechselstörungen, Sarkoidose, Tuberkulose, Lymphdrüsenkrebs, Nierenerkrankungen, ältere Personen oder Menschen mit geringem Körpergewicht sind besonders gefährdet.
Die Vitamine A, D, E und K können überdosiert werden.
Der Grund: Sie sind fettlöslich und werden im Körper gespeichert, vor allem in Leber und Fettgewebe. Wenn man zu viel davon einnimmt, kann sich das ansammeln und schaden.
Wasserlösliche Vitamine gelten als sicherer, weil der Körper Überschüsse über den Urin ausscheidet. Doch auch hier gibt es Ausnahmen:
Bei Vergiftung rasch handeln!
Kommt es zur Vitamin-D-Vergiftung, müssen Ärztinnen und Ärzte schnell handeln: Vitamin D wird sofort abgesetzt, die Nieren durch viel Flüssigkeit – oft intravenös – entlastet. Bei schweren Fällen kommen Medikamente zum Einsatz, die den Kalziumspiegel rasch senken. Doch oft dauert es Wochen, bis sich der Körper wieder stabilisiert hat.
„Vitamin D ist wichtig – aber es ist kein harmloses Wellness-Produkt. In Maßen ist es hilfreich. Im Übermaß kann es lebensgefährlich werden“, macht Dr. Christian Maté abschließend klar.
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