Mercedes-Benz spricht von der „neuen S-Klasse“. So nennen sie das umfassende Facelift ihres Flaggschiffs. Dazu gehört auch ein leuchtender Mercedes-Stern auf der Front, den sie ganz groß preisen. Davon, dass es den in Europa gar nicht gibt, sprechen sie nicht.
Es wäre ja auch ein zu schönes Symbol, wenn in Krisenzeiten wirklich der Stern leuchten würde. So wie damals, vor über 2000 Jahren, über einem Stall, in dem ein Kind in einer Krippe lag. Zumal Herr Daimler doch vor 140 Jahren das Auto erfunden hat (bzw. hat patentieren lassen).
Lieber Kunden enttäuscht, als das Marketing zusammengehauen. Aber klar, es handelt sich um eine weltweite Kampagne. „China und USA zählen zur Hauptzielgruppe der neuen S-Klasse“, so eine Sprecherin (dort darf der Stern leuchten). Einen aufklärenden Satz für die paar Leute auf unserem Kontinent einzufügen, ist da offenbar nicht drin.
Schauen wir doch einmal auf den zweiten Absatz des österreichischen Pressetextes zur Weltpremiere:
„Neue Ära von Präsenz und Status: Erstmals sorgen ein optional beleuchteter Mercedes Stern auf der Motorhaube, ein um 20 Prozent größerer, beleuchteter Kühlergrill und neue DIGITAL LIGHT Scheinwerfer (…) gemeinsam für eine markante, unverwechselbare S‑Klasse Lichtsignatur.“
Am Ende des über 110.000 Zeichen langen Textes findet man eine Fußnote: „Als Sonderausstattung kurz nach Markteinführung erhältlich. Die Verfügbarkeit der gezeigten Ausstattungen, Funktionen, Merkmale und Services hängt vom jeweiligen Fahrzeugmodell, der individuellen Konfiguration und dem jeweiligen Markt ab.“
„Aktuell ist diese Technologie für den europäischen Markt nicht vorgesehen.“
Statement Mercedes-Benz
Sogar auf mercedes-benz.at wird die Front mit Leuchtstern beworben - mit dem Hinweis: „Der beleuchtete Mercedes-Stern wird zu einem späteren Zeitpunkt angeboten.“ Der geneigte Kunde wird also annehmen, dass der leuchtende Stern bald auch in Österreich zu bestellen ist. Weit gefehlt!
Folgendes wird auf Nachfrage aus Stuttgart mitgeteilt:
„Aktuell ist diese Technologie für den europäischen Markt nicht vorgesehen.“
Bei Mercedes-Benz Österreich ist man übrigens „mit der aktuellen S-Klasse Kampagne nicht in allen Punkten glücklich“. Und die Strategie kommt natürlich aus Stuttgart.
Deshalb darf der Stern in Europa nicht leuchten
Es ist natürlich nicht der Fehler des Herstellers, dass der Stern nicht leuchten darf, die Zulassungsvorschriften sind, wie sie sind. Konkret die Typengenehmigungsverordnung der EU bzw. die aktuellen ECE-Regelungen, wie ÖAMTC-Jurist Alexander Letitzki erklärt: „Ein Licht in der Mitte des Fahrzeuges ist nicht gestattet, vordere Leuchten sind immer nur paarweise erlaubt, oder auch als eine durchgehende Linie. Man könnte eventuell den Stern als Tagfahrlicht in ein durchgehendes Band einbinden, dann müsste die Beleuchtungseinheit der ECE-Regelung Nr. 87 entsprechen, was als einzelne Leuchte nicht möglich ist. Begrenzungslicht scheidet im Übrigen ebenfalls aus.“
Nachricht an den Hersteller
Herrschaften in Stuttgart: So vera****t man Kunden. Mit Dingen zu werben, die per Gesetz nicht verfügbar sind, ist schlechter Stil, einfach nur marktschreierisch und tut der Autoindustrie in Sachen Glaubwürdigkeit keinen Gefallen.
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