Am Freitag ist es an der Börse zu einem bemerkenswerten Absturz gekommen! Der Grund: Der Fiat- und Chrysler-Mutterkonzern Stellantis zieht die Reißleine bei seiner Elektrostrategie und verbucht milliardenschwere Abschreibungen. Dadurch entsteht für diesen Zeitraum ein vorläufiger Verlust von 19 bis 21 Milliarden Euro.
Die Hiobsbotschaft riss die Stellantis-Aktie am Freitag zeitweise um mehr als 25 Prozent nach unten – und ein Ende des Abverkaufs scheint nicht in Sicht. Der Crash belastete auch andere französische Branchenwerte: Die Aktien von Valeo, Renault und Forvia gaben zwischen 2,1 und 2,5 Prozent nach.
Auch in Deutschland zählten andere Branchengrößen zu den Verlierern: Volkswagen verloren im DAX 2,3 Prozent, BMW 1,5 Prozent und Porsche im MDax sogar 3,2 Prozent.
Keine Dividende für Anleger
Aktionäre sollen jetzt leer ausgehen: Eine Dividende werde von Stellantis heuer nicht gezahlt. „Das Unternehmen hat die überwiegende Mehrheit der Entscheidungen getroffen, die zur Korrektur der Richtung erforderlich sind“, hieß es in einer Mitteilung des Autoriesen. Dabei gehe es vor allem darum, das Produktportfolio an die Marktnachfrage anzupassen.
Die Abschreibungen seien die Folge dessen, dass Stellantis das Tempo des Übergangs von Benzin- und Diesel- zu Elektroantrieben überschätzt habe, „was uns von den Bedürfnissen, Möglichkeiten und Wünschen vieler Autokäufer in der realen Welt entfernt hat“.
Ein weiterer Mitgrund für die Milliardenverluste: die Politik von US-Präsident Donald Trump. Er setzt auf Verbrenner und nicht auf E-Autos. Das belastet den wichtigen US-Absatzmarkt. In den letzten Jahren hat sich Stellantis jedoch voll auf Elektromobilität konzentriert, viel Geld investiert. Nun muss man (vorerst) wieder zurückrudern und neue Wege aus der Krise suchen.
Seit Freitagmorgen geht es steil bergab:
Batteriewerk wird verkauft
Als Teil der Neuausrichtung verkauft Stellantis etwa seine Beteiligung an einem Batteriewerk in Kanada an den südkoreanischen Batteriehersteller LG Energy Solution für einen symbolischen Preis von 100 Dollar (85 Euro). Bisher seien in den Standort mehr als fünf Milliarden kanadische Dollar (3,1 Milliarden Euro) investiert worden.
Die Autobranche – insbesondere auch in Deutschland – steckt in einer Krise, Firmen verdienen laut einer Studie der Beratungsgesellschaft EY derzeit so wenig wie seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten nicht mehr. In Österreich sind viele Firmen tätig, die der deutschen und gesamten internationalen Autoindustrie zuliefern.
Zur europäisch-amerikanischen Auto- und Mobilitätsgruppe Stellantis gehören 14 Automarken, darunter bekannte Namen wie Peugeot, Citroën, Opel, Fiat, Jeep, Alfa Romeo, Maserati, Dodge, Ram, Lancia, DS Automobiles, Abarth, Vauxhall und die Mobilitätsdienste von Free2move.
Autobranche unter Druck
Die europäische Autobranche steht massiv unter Druck: schwache Nachfrage, hohe Energie- und Lohnkosten, schärfere CO2-Vorgaben der EU und aggressive Konkurrenz aus China im Elektrosegment setzen Margen unter Stress. Gleichzeitig zwingt der teure Technologiewandel zur E-Mobilität und Software-Integration viele Hersteller zu harten Strukturmaßnahmen und Kostensenkungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Eine „Made in Europe“-Strategie soll die Branche stärken und die Wettbewerbsfähigkeit auch künftig sichern, dazu für mehr Produktion und Investitionen sowie fairen Wettbewerb sorgen.
Stellantis hatte sich – ebenso wie etwa BMW – als traditioneller Autohersteller für eine Abkehr vom Verbrenner-Aus starkgemacht. Grund: Die Nachfrage nach Elektroautos steigt aufgrund mangelhafter Ladeinfrastruktur langsamer als ursprünglich angenommen.
Produktion in Italien um 20 Prozent gesunken
Am 7. Jänner war bekannt geworden, dass die Produktion allein in Italien auf 379.706 Fahrzeuge (20 Prozent) gesunken war und lediglich das Werk in Turin einen Anstieg (plus 16,5 Prozent) verzeichnete.
Ferdinando Uliano, Chef vom italienischen Verband der Metallmechaniker (FIM CISL) betonte, dass sich die Produktion in weniger als zwei Jahren halbiert habe – 2023 waren noch 751.384 Fahrzeuge hergestellt worden. Er unterstrich die Notwendigkeit von Investitionen und neuen Modellen.
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