Mercedes überarbeitet die S-Klasse. Die Luxuslimousine erhält modernisierte Antriebe, ein klareres Bedienkonzept und erweiterte Komfortfunktionen, bei denen es den Passagieren sogar warm ums Herz wird.
Nach fünf Jahren Bauzeit bekommt der Ende 2020 eingeführte Luxusliner von Mercedes eine der umfassendsten Modellpflegen seiner Geschichte. Die Ingenieure, so heißt es in Stuttgart, haben bei der weltweit meistverkauften Luxuslimousine mehr als die Hälfte aller Bauteile angepasst oder erneuert. Wichtigster Baustein ist die Einführung der Softwarearchitektur MB.OS mit Cloud-Steuerung und Over-the-Air-Updates.
Äußerlich bleibt die S-Klasse sofort als Topmodell des Line-ups erkennbar. 5,17 Meter Länge (mit langem Radstand sogar fast 5,50 Meter) sind eine automobile Wucht, die niemand übersehen kann. Trotzdem wirkt das 2026er-Modell frischer und repräsentativer, mit noch größerem und erstmals beleuchtetem Kühlergrill samt Leuchtstern auf der Haube. Der leuchtet mal ganz oder nur seine Umrandung, mal ständig oder nur im Stand, je nach lokaler Gesetzgebung. Am Heck setzen neue Rückleuchten mit drei sternförmigen, verchromten Leuchtelementen die optische Linie fort. Dazu kommen neue Felgendesigns und zusätzliche Lackierungen sowie Individualausstattungen der Mercedes-Manufaktur.
Endlich verbesserte Lenkradbedienung
Im Innenraum sind die Änderungen deutlicher sicht- und spürbar. Die ersten „Sicherheizgurte“, also beheizbare Sicherheitsgurte, finden sich nicht etwa in einem E-Auto, wo sie wertvolle Energie sparen würden, sondern in der S-Klasse.
Im Cockpit fasst der bis auf die Beifahrerseite reichende Glasbildschirm der vierten MBUX-Generation zentrale und seitliche Anzeigen zusammen und reduziert die Zahl klassischer Schalter. Der Superscreen kombiniert ein fast 37 Zentimeter breites Fahrerdisplay mit einem etwas kleineren Bildschirm vor den Copiloten. Das klingt nach großem Kino, wirkt aber nicht so überdimensioniert wie etwa in der E-Klasse. Weniger ist eben doch manchmal mehr.
Heiß ersehnte Änderung: die neue Lenkradbedienung. Hier befinden sich nur noch in den unteren Minispeichen Touchelemente (warum eigentlich?), während in den oberen eine Lautstärkewalze sowie ein Kippschalter Einzug gehalten haben. Damit ist es endlich vorbei mit dem Zufallsfaktor bei der Lautstärkeregelung.
Die Bedienlogik wurde gestrafft, die Menüs mit 40 neuen Apps neu geordnet und die Rechenleistung erhöht, wodurch sich das KI-unterstützte System spürbar flüssiger bedienen lassen soll. Der Sprachassistent soll Zusammenhänge besser erkennen und mehr alltägliche Funktionen übernehmen. So können sich beispielsweise auch die hinteren Passagiere per „Hey Mercedes“ mit dem digitalen Begleiter unterhalten. Die Navigation streamt, wie bei Mercedes üblich, ein Kamerabild der Umgebung ins Kombiinstrument, das den Verlauf der Straße, Kreuzungen und andere Verkehrsteilnehmer visualisiert. Begleitet von 3D-Infos im riesigen Head-up-Display.
Kino-Büro-Lounge in Reihe zwei
S-Klasse-Käufer sitzen ja gerne hinten, wo Mercedes Komfort und Funktionalität nochmals steigert. Zum Entspannungs- und Unterhaltungsprogramm gehören ein neues Soundsystem von Burmester mit Dolby Atmos, Kühlfach und temperierte Getränkehalter, aber auch zwei größere Bildschirme samt diversen Streaming-Portalen. Und wer arbeiten will, schaltet sich über integrierte Kameras bei Videokonferenzen zu. Sitzverstellung, Klimatisierung und Rollos lassen sich einfacher bedienen, und eine nochmals verbesserte Geräuschdämmung soll für eine noch mehr Ruhe sorgen. Neue Materialien, darunter offenporige Hölzer und eine lederfreie Ausstattung, erweitern das Angebot.
Wer die Limousine stärker personalisieren möchte, findet im Manufaktur-Programm mehr Auswahl als bisher. Über 150 Außen- und mehr als 400 Innenraumfarben werden angeboten. Und wer nicht beim Händler vorbeischauen will, kann einen Beratungstermin buchen und sich auf Basis digitaler Visualisierungen nahezu freie Kombinationen zusammenstellen lassen. Damit entwickelt sich die S-Klasse noch stärker in Richtung Einzelanfertigung – ein Trend, der im Luxussegment zunehmend an Bedeutung gewinnt. Man kann sich sogar seinen Namen auf die Einstiegsleisten gravieren lassen. Auf Spezialwunsch ist auch die Lieblings-Nagellackfarbe an der Karosserie oder das Handtaschenleder als Sitzbezug ist kein Problem (wenn der Preis keines ist).
Mehr Power ist Ehrensache
Mehr Motorleistung gibt es auch. Als Topmotor schickt der V8-Bi-Turbo im S 580 4matic jetzt souveräne 537 PS mit 750 Nm an die Räder. Ein integrierter Startergenerator glättet das Anfahrverhalten und verbessert die Energierückgewinnung. Die Reihensechszylinder bekommen etwas mehr Drehmoment, im kurzzeitigen Overboost bis zu 640 Nm, und sollen direkter ansprechen.
Die weiterentwickelten Sechszylinder-Diesel mit 17 kW starkem Starter-Generator erhalten einen elektrisch beheizten Katalysator, der den Ausstoß nach dem Kaltstart reduziert und die Aggregate fit für Euro 7 macht.
Am meisten aber hat sich bei den Plug-in-Hybriden getan. Dank größerer Batterie steigt die elektrische Reichweite auf rund 100 Kilometer und dank stärkerem E-Motor soll sich der elektrische Fahranteil deutlich erhöhen, auch bei schneller Fahrt.
Cloudgetuntes Fahrwerk
Auch beim Fahrwerk hat Mercedes nachgelegt. Die serienmäßige, cloudbasierte Luftfederung reagiert jetzt vorausschauend auf Bodenwellen. Die dafür nötigen Daten stammen von anderen vernetzten Mercedes-Fahrzeugen, die zuvor über Schlaglöcher, Bodenwellen oder Straßenbahnschienen gefahren sind und diese Infos an die Mercedes-Cloud geschickt haben.
Das optionale aktive Fahrwerk passt zudem Feder- und Dämpfkräfte jedes Rads an, unterdrückt Wank-, Nick- und Hubbewegungen und stabilisiert das Fahrzeug bei schnellen Richtungswechseln. Zum Standard gehört zudem eine Hinterachslenkung. Serienmäßig beträgt der Lenkwinkel nur 4,5 Grad. Die genügen für eine dynamische Fahrweise und erhöhen die Stabilität bei schnellen Ausweichmanövern. Das volle Potenzial spielt die Hecklenkung aber erst bei mit dem optional bestellbaren größeren Lenkwinkel aus. Dann schlagen die Räder beim Rangieren bis zu 10 Grad ein, was den Wendekreis trotz der stattlichen Abmessungen erheblich verkleinert.
Bestellstart ist am 30. Jänner 2026. Günstigstes Modell ist der Mercedes‑Benz S 350 d 4MATIC ab 134.300 Euro.
S-Klasse ist besonders lukrativ
Die S-Klasse stehe mit Margen von 15 bis 20 Prozent für rund zehn Prozent des Konzerngewinns, schätzte Frank Biller, Autoanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. In Spitzenjahren verkaufe Mercedes-Benz mehr als 100.000 der in Sindelfingen bei Stuttgart gebauten Edelfahrzeuge. Zum Tiefpunkt des Produktzyklus, der im vergangenen Jahr erreicht wurde, seien es deutlich unter 50.000 Exemplaren. „Das erneuerte Modell kann Mercedes-Benz in diesem Jahr zu deutlich besseren Zahlen verhelfen“, sagt Biller. Es gebe erste Hinweise, dass sich der Auftragseingang bei den Schwaben verbessere.
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