Brucknerhaus Linz

Silberschneider: Kafka und eine „Testhörerin“

Oberösterreich
09.01.2026 19:00

Wieder ein neues Gesicht von Johannes Silberschneider, dieses Mal fühlte er sich in der Rolle des begnadeten Vorlesers pudelwohl. Der beliebte Schauspieler, der gerne in Krimis in abgründige Rollen schlüpft, begeisterte mit einer Kafka-Lesung im Linzer Brucknerhaus. 

Franz Kafka, Ikone der modernen, existenzialistischen Literatur, hat auch heute noch viel zu sagen. Sein letztes Werk „Josephine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse“ ist zwar unbekannt, aber bietet Vergnügen, Auseinandersetzung und Tiefe. Wenn es dazu noch eine musikalische Uraufführung gibt, zeichnet sich eine Sternstunde ab.

Natürlich ist wichtig, wer am Lesepult steht. Johannes Silberschneider, TV-Ikone, Publikumsliebling für abgründige Seelen und genialer Rezitator bescherte dem Publikum in Linzer Brucknerhaus einen gelungenen Abend. 

„Ohrwürmer“ als Uraufführung
Der Schauspieler aus Mautern in der Steiermark ist bekannt durch mehr als 200 Film- und Fernsehproduktionen sowie zahlreiche Bühnenauftritte in ganz Europa. Musikalisch begleitet wurde seine Lesung vom Merlin Ensemble Wien. Till Alexander Körber arrangierte 14 „Ohrwürmer“ von Puccini und anderen Komponisten meisterhaft für Violine, Violoncello und Klavier und brachte sie gemeinsam mit Martin Walch (Violine) und Luis Zorita (Violoncello) zur Uraufführung.

Nur 40 Jahre am Leben
Im Zentrum der Geschichte von Kafka steht Josephine, eine als Sängerin auftretende Maus, deren Gesang sich letztlich nur als leises Pfeifen entpuppt – ein Pfeifen, zu dem auch andere Mäuse fähig wären. Dennoch ist ihr divenhaftes Künstlertum im Mäusevolk nahezu unumstritten; nur gelegentlich regen sich Zweifel. Mit feiner Ironie nimmt Kafka hier sein eigenes Künstlertum unter die Lupe – und auch sein nahendes Ende, Kafka wurde nur 40 Jahre alt. 

Der Trick mit der „Testhörerin“
Silberschneider sorgte mit bestechender Textdeutlichkeit und meisterhafter Intonation für heitere Stimmung im Saal. Er verriet im „Krone“-Talk, dass er seine Gattin als „Testhörerin“ stets beobachte, um zu prüfen, an welcher Stelle sie möglicherweise einschlafe. Leicht und doch präzise wurden dadurch Gesellschaftskritik, Reflexionen über das Künstlertum und zeitgeistige Anspielungen voller Perfektion rezitiert.

Der nächste TV-Star im Februar
Fein verschränkt mit dem literarischen Vortrag erwiesen sich die musikalischen Darbietungen als großer Gewinn des Abends: dynamisch auf höchstem Niveau, getragen von gekonnten Arrangements und großer interpretatorischer Sensibilität. Eindrucksvoll!

Ulrich Tukur
Ulrich Tukur(Bild: Katharina John)

Als nächster TV-Kapazunder wird der deutsche Schauspieler Ulrich Tukur erwartet. Er blättert am Donnerstag, 12. Februar, im Brucknerhaus Schriften von Mark Twain auf und spielt Klavier und Harmonium.

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