Neun Jahre lang hatte Carol Thebarge an der Stevens High School in Claremont unterrichtet und im Laufe der Zeit virtuell Freundschaft mit rund 250 Schülern geschlossen – ein klarer Verstoß gegen die Schulpolitik. Die 79-jährige Aushilfslehrerin wurde daher von der Direktion vor die Wahl gestellt: "Sie haben mir ein Ultimatum gegeben: Entweder du lehnst alle (Freunde, Anm.) ab oder du wirst gekündigt", erzählte Thebarge dem Fernsehsender CBS Boston. Sie habe daraufhin beschlossen, sich nicht zu beugen – und war ihren Job daraufhin los.
"Es herrscht eine Paranoia über das Internet und ich denke, dass wir nicht merken, wie wertvoll Facebook bei ordnungsgemäßer Anwendung sein kann", argumentierte Thebarge. Die Schulleitung ist erwartungsgemäß etwas anderer Auffassung: "Facebook ist ein großartiges Kommunikationswerkzeug unter Freunden. Aber Lehrer sind nicht die Freunde von Schülern", hieß es von ihrer Seite. Carol Thebarge sei eine wunderbare Dame und von vielen Schülern geliebt worden, aber das gebe ihr nicht das Recht, Regeln zum Schutze aller zu ignorieren.
"Sie war wie eine zweite Mutter für uns"
Viele ihrer ehemaligen Schüler haben sich jedoch mit Thebarge solidarisch erklärt und protestieren öffentlich gegen die Kündigung der Lehrerin: "Sie hat niemandem wehgetan", wird eine Schülerin zitiert. "Sie war eine tolle Person und hat uns immer geholfen". Eine andere ergänzt: "Sie war wie eine zweite Mutter für uns." Es gibt allerdings auch Gegenstimmen: "Regeln sind nun mal Regeln", postete ein Internetnutzer auf Facebook. "Ihre Intentionen mögen gut gewesen sein, ich bin mir aber sicher, dass Eltern nicht wollen würden, wenn sich ein männlicher Lehrer mit ihrer 14 oder 15 Jahre alten Tochter auf Facebook anfreundet."
Ganz gleich wie die Debatte um Facebook-Freundschaften zwischen Lehrern und Schülern letztlich ausgehen mag: Thebarge hat bereits beschlossen, nach insgesamt 35 Jahren nicht mehr in ihren alten Beruf zurückzukehren – selbst wenn die Schulbehörde ihr es wieder erlauben sollte.
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