Was anders werden muss

WM war „okay“ – jetzt fordert Herzog ein Umdenken

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Von krone Sport

„Okay, nicht mehr und nicht weniger“ war für Andreas Herzog der Auftritt der österreichischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika. Die Auswahl von Teamchef Ralf Rangnick schaffte mit Glück den Aufstieg ins Sechzehntelfinale und damit das Minimalziel, konnte dabei aber nicht wirklich überzeugen. Der ehemalige ÖFB-Teamkapitän fordert daher ein Umdenken in der Spielphilosophie und bei der Nachwuchsausbildung hin zu mehr ganzheitlichem Fußball. 

Herzog war für das Turnier in Nordamerika von Sky an den ORF verliehen worden und erlebte die WM als TV-Experte live vor Ort. „Ich meine, wir tun jetzt schönreden. Wir brauchen nicht darüber reden, dass die WM sportlich ein richtiger Erfolg war, das ist sie nicht. Wir haben uns, glaube ich, alle ein bisschen mehr erhofft“, sagte der ehemalige Spielmacher.

Andreas Herzog war bei der WM als Experte im Einsatz.
Andreas Herzog war bei der WM als Experte im Einsatz.(Bild: Andreas Herzog)

Die Niederlagen gegen den späteren Vizeweltmeister Argentinien (0:2) und Weltmeister Spanien (0:3) waren keine Überraschung, offenbarten aber die Lücke zur Weltklasse. „Ich habe die Spanier vier-, fünfmal im Stadion gesehen. Die haben eine ganz andere Auffassung vom Fußball. Da geht es wirklich um die Spielintelligenz, um das Räume erkennen, um die Supertechnik im ersten Kontakt, das Positionsspiel, das Passspiel“, schwärmte der 57-jährige Wiener.

Spielintelligenz ist gefordert
In Österreich wurde dagegen das Pressing forciert. „Wir definieren uns im Fußball schon über Jahrzehnte über ganz andere Geschichten. Das hat in den letzten Jahren gut ausgeschaut, weil von der Intensität her und vom Spiel gegen den Ball, da waren wir richtig super“, meinte Herzog.

Österreich schied bei der WM gegen Spanien aus.
Österreich schied bei der WM gegen Spanien aus.(Bild: AFP/HARRY HOW)

Die Challenge der Zukunft sei aber, zu hinterfragen, „wie wir eigentlich den österreichischen Fußball sehen wollen. Ob wir sagen, wir werden so weiterarbeiten, oder ob wir sagen, wir brauchen schon auch einmal ein paar Kicker drinnen, wo nicht die Größe oder die Wucht, sondern die Spielintelligenz an oberster Stelle steht. Und solche Spieler müssen wir halt fördern im Nachwuchs. Du kannst ja nur die Hebel im Nachwuchs ansetzen“.

„Die Kinder müssen im Training mehr dribbeln und Abschlüsse haben. (Englands Torjäger) Harry Kane sagt, dass er in jedem Training 100-mal aufs Tor geschossen hat. Das ist üben, üben, üben. Das machen unsere Kinder nicht, weil die Schwerpunkte im Training ganz andere sind“, erklärte Herzog. Wichtig sei, „dass viel mehr individuell trainiert wird. Die Detailarbeit in der Position ist das Entscheidende“. Zu viel Wert werde im Nachwuchs auf Ergebnisse gelegt. „Es geht nicht darum, was in zwei Wochen ist oder in vier Monaten, sondern wo ist der Spieler, wenn er 17, 18, 19 Jahre alt ist. Dann müssen sie in der Bundesliga spielen“, betonte Herzog. Aussagen wie „die sind ja noch nicht so weit, das geht nicht“.

Im ÖFB gäbe es „ein paar gute Ansätze“, sagte Herzog. „Konstantin Breuer und Martin Stranzl machen schon teilweise richtig gute Sachen. Mir fehlt es aber dann in der Umsetzung bei den Vereinen. Es geht nur miteinander. Das Ziel muss sein, dass wir bessere Spieler rausbringen. Wer da was macht, ist im Endeffekt wurscht, sondern es gehört gearbeitet und anders gearbeitet“, erklärte der 103-fache ÖFB-Teamspieler.

Es gibt die Rohdiamanten
Vereinzelt findet man Rohdiamanten, die bei den Clubs in die Stammelf drängen. Jacob Hödl (19) und Luca Weinhandl (17) kurbelten beim 4:0-Erfolg von Sturm Graz in der Champions-League-Qualifikation gegen Heart of Midlothian im Mittelfeld. Bei der Austria fallen ihm die Mittelfeldspieler Vasilije Markovic (18) und Sanel Saljic (20) ein, bei Rapid Verteidiger Jakob Schöller (20). Gespannt ist Herzog auch auf Christian Zawieschitzky, der bei Meisterfavorit Red Bull Salzburg mit 19 Jahren zum Einser-Torhüter aufgestiegen ist. Wie sich diese Talente entwickeln, wird Herzog ganz nah mitverfolgen, ist er doch ab dem Wochenende bei Sky Experte und Co-Kommentator bei den Bundesliga-Topspielen am Sonntag.

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