Wirbel um FIFA-Pläne

Seele verkauft? Jetzt droht sogar ein Mega-Boykott

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Von krone Sport

Entsetzen in der Fußballwelt: Die Pläne von FIFA-Boss Gianni Infantino, der die Weltmeisterschaft künftig verkaufen will, sorgen für kollektives Kopfschütteln. Jetzt droht sogar ein Mega-Boykott.

Es gibt heftige Kritik an den jüngsten Plänen des Fußball-Weltverbandes, einen Teil der kommerziellen Rechte an seinen Turnieren an Investoren zu verkaufen. Künftige WM-Turniere sollen dann unter dem Dach eines neuen Unternehmens organisiert werden, dessen Mehrheitseigentümer die FIFA wäre.

Wird die WM verkauft?
Wird die WM verkauft?(Bild: AFP/FLORENCIA TAN JUN)

Sofort nach Bekanntwerden der Pläne hatte die Europäische Fußball-Union sich ablehnend dazu geäußert. „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsware – erst recht nicht bei völliger Intransparenz darüber, wer finanziell davon profitiert. Niemand von uns ist Eigentümer des Fußballs. Er steht der FIFA nicht zum Verkauf“, hieß es in einer UEFA-Stellungnahme.

UEFA-Boss Aleksander Ceferin
UEFA-Boss Aleksander Ceferin(Bild: AFP/FABRICE COFFRINI)

Und nun erwägt man offenbar sogar einen Boykott. Eine WM ohne europäische Teams? Eigentlich kaum vorstellbar! Sechs der acht Viertelfinalisten kamen beim jüngsten Turnier in den USA, Kanada und Mexiko aus Europa. Ein Boykott würde auch die Vereine (Klub-WM) betreffen.

„Der Fußball gehört nicht den Investoren“
Auch der neue britische Premierminister Andy Burnham zeigte sich entsetzt. „Der Fußball gehört nicht den Investoren. Er gehört den Menschen, die die Tribünen füllen, die an den Seitenlinien stehen, Woche für Woche, bei Regen und bei Sonne“, sagte Großbritanniens Regierungschef in einem Video bei Instagram.

„Die WM ist kein Produkt, sie ist der großartigste Wettbewerb auf der Welt. Sie hat niemals jemandem gehört, damit man sie verkaufen kann. Der Fußball hat immer den Anhängern gehört, und er wird es auch immer.“

Auch Blatter entsetzt
In einem Post bei X kritisierte der ehemalige FIFA-Präsident Sepp Blatter einmal mehr auch seinen Nachfolger Gianni Infantino und dessen Beziehung zu US-Präsident Donald Trump. „Die enge Beziehung zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem US-Präsidenten hat eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufügt. Niemand hat das Recht, unseren Sport zu verkaufen“, schrieb der 90-jährige Schweizer.

Bei den Plänen seien auch Personen aus dem Umfeld der US-Regierung von Trump einbezogen worden, hatte die britische Zeitung „Times“ zuvor berichtet.

UEFA-Vizepräsident: „Wir gehen zu weit“
Der italienische UEFA-Vizepräsident Gabriele Gravina unterstrich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Ansa: „Wir gehen zu weit.“ Das über Jahre mühsam aufgebaute Gleichgewicht zwischen Fußball als Spektakel und Fußball als großer Volksleidenschaft laufe Gefahr, von einer gewinnorientierten Vision hinweggefegt zu werden. „Alle Konföderationen müssen entsprechend handeln“, verlangte der frühere italienische Verbandschef.

Der englische Fußball-Verband (FA) teilte dem britischen Sender BBC mit, er habe vor ihrer Veröffentlichung nichts von den Plänen der FIFA gewusst.

So sieht der FIFA-Plan aus
Nach Angaben der FIFA sollen private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FFE erwerben können, dessen Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt ist. Im FFE werden die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Club-WM gebündelt.

Die FIFA würde Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens bleiben und hätte nach eigenen Angaben auch weiter die Kontrolle über den Spielkalender und alle Fragen des Regelwerks. Alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände sollen ebenfalls kleinere Anteile an dem Unternehmen erhalten, die entweder behalten oder verkauft werden könnten.

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