Polizei schlägt zurück

Cybertäter nutzen immer häufiger KI für Delikte

Österreich
01.12.2025 14:21

Betrug, Mobbing, Kinderpornos – generierte Texte, Bilder und Videos stellen die Polizei in Sachen Cybercrime vor große Herausforderungen. Mit einer Gegenoffensive will man ebenso KI nutzen, um Verbrechern das Handwerk zu legen. Indes überlegt man, die Flut an Verbrechen mittels Triagesystem zu bewältigen. 

Alle Jahre wieder veröffentlicht das Bundeskriminalamt den Jahresbericht Cybercrime. Mit Verspätung wurde nun das Jahr 2024 ausgewertet – mit einigen Lichtblicken, aber auch Schattenseiten. Erstmals seit mehr als zehn Jahren gibt es einen Rückgang der Anzeigen. 62.328 Straftaten wurden angezeigt, 65.864 waren es 2023.

Deepfake – falsche Bilder und Videos erschweren die Ermittlungsarbeit.
Deepfake – falsche Bilder und Videos erschweren die Ermittlungsarbeit.(Bild: igor.nazlo - stock.adobe.com)

Ein Rückgang auf hohem Niveau freilich, 2015 lag die Anzahl der Delikte noch bei 10.010. Der aktuelle Rückgang ist unter anderem auch einem OGH-Urteil zuzurechnen. Demnach werden Behebungen mit fremden Bankomatkarten dem Diebstahl, und nicht mehr Cybercrime, zugerechnet. Erfreulich ist, dass mit 31,7 Prozent jede dritte Straftat im Netz geklärt wurde – ein guter Wert.

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Cybertäter gehen immer komplexer und organisierter vor. Es gibt zahlreiche Geschäftsmodelle, die als reine Dienstleistung für Kriminelle angeboten werden. 

C4-Ermittlungsleiter Martin Grasl

Rund die Hälfte der Anzeigen betraf Betrug – von Love Scam, Phishing (immer öfter per Messenger) über Investitionsangebote bis hin zu Deepfakes. Hier zeigt sich eine bedenkliche Entwicklung. 2024 war das erste Jahr, in dem Kriminelle großflächig Künstliche Intelligenz (KI) nutzten, um Schaden anzurichten. Neben Cybermobbing, etwa mit KI-Bildern, mit denen Schulkameraden erpresst werden (462 Anzeigen), betrifft dies vor allem Betrugsnachrichten, die dank KI immer fehlerfreier verfasst werden.

Ein geschenkter Porsche? Zu schön, um wahr zu sein – es handelt sich um Betrug.
Ein geschenkter Porsche? Zu schön, um wahr zu sein – es handelt sich um Betrug.(Bild: zVg)

KI-Kinderpornos und grauenhafte Liveübertragungen
Besonders traurig: Im Bereich der Kinderpornografie gab es 2024 mit 18.276 Meldungen so viele wie noch nie, 92,8 Prozent der Anzeigen (1889) konnten aber geklärt werden. Auch hier ist immer häufiger KI im Einsatz – ebenso boomen grauenhafte Liveübertragungen von Kindesmisshandlungen im Darknet. Ein heimischer Täter ging ins Netz, 15 Minderjährige auf den Philippinen wurden identifiziert. Auch die Polizei will künftig verstärkt KI einsetzen – und tut dies auch schon. So hilft Künstliche Intelligenz bereits, mögliche Serienverbrechen zu identifizieren.

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Zielgruppenorientierte Prävention ist uns wichtig, da Cybercrime-Delikte auf immer unterschiedlichere Gruppen der Bevölkerung abzielen. 

Andreas Holzer, Direktor im Bundeskriminalamt, betont die Wichtigkeit der Prävention

Was viele Polizeibehörden überlegen: Die unglaubliche Flut an Cybercrime-Delikten künftig nach einem Triagesystem zu ordnen. Etwa danach, ob Schaden entstanden ist – und in welchen Ländern die Täter überhaupt zur Rechenschaft gezogen werden können. Ansonsten, so Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamtes, würden den Behörden die Anzeigen über den Kopf wachsen. In jener Angelegenheit seien aber noch keine Beschlüsse gefallen. 

Ein brutales SIM-Karten-Kartell aus Lettland brachte Österreicher um Millionen.
Ein brutales SIM-Karten-Kartell aus Lettland brachte Österreicher um Millionen.(Bild: State Police of Latvia / Arturs Andrejs Blomkalns)

Von Investitionsplattformen bis zu Immobilienbetrügern
Auch 2024 gelangen wieder spektakuläre Erfolge: Sechs Investitionsbetrüger von LoopX gingen ins Netz, sechs Millionen Euro, die sie mit ihrer Plattform „einnahmen“, wurden sichergestellt. Auch eine „crime as a service“-Plattform, die Schadsoftware gegen Bezahlung anbot, wurde lahmgelegt. Ebenso legte das Wiener Landeskriminalamt einer Rip-Deal-Bande, die mit falschen Provisionszahlungen für Immobilien Hunderttausende einnahm, das Handwerk.

Weihnachtszeit gilt als besonders gefährlich
Vor allem in der Black-Friday-Woche und in der Weihnachtszeit warnen die Ermittler des Bundeskriminalamtes vor einem rasanten Anstieg an Betrugsversuchen via Handy, Computer und Co. Zahlreiche falsche Gewinnspiele geistern, getarnt als Adventkalender, ebenso durch den Raum wie Betrugsversuche mit vermeintlichen Schreiben von Finanzamt und Co. Auch hier gilt das übliche Credo der Kriminalisten: Wirkt ein Angebot zu schön, um wahr zu sein, steckt vermutlich Betrug dahinter. 

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