"Lange überfällig"
Späte Ehrung der Helden des Indianer-Codes
"Das ist lange überfällig", sagte Wallace Coffey (im Bild mit Kopfschmuck), der dem Volk der Komantschen vorsteht, zu der späten Ehrung. Aus seinem Stamm dienten 17 "Code talker" der US-Armee, ihre Sprache Numurekwa'etuu bot militärischen Geheimnissen einen praktisch perfekten Schutz. Indianersprachen wie Numurekwa'etuu werden nur auf dem Gebiet der USA und Kanadas gesprochen. Zur Zeit des Zweiten Weltkrieges waren sie außerdem kaum verschriftlicht, nur wenige hochspezialisierte Linguisten kannten sich mit Wortschatz und Grammatik aus.
Die größte Gruppe unter den "Code talkern" waren die Navajo-Indianer, die für ihren Verschlüsselungseinsatz bereits im Jahr 2000 mit der Goldenen Ehrenmedaille des Kongresses ausgezeichnet worden waren. Die Angehörigen anderer Stämme mussten bis 2008 warten, ehe der Kongress dafür stimmte, ihnen die gleiche Ehre zukommen zu lassen. Bis zur Verleihung in Washington verstrichen dann noch einmal fünf Jahre. "Die Regierung erkennt die Leistungen der Indianer in Amerika nur sehr langsam an", klagte der US-Autor Herman Viola, Verfasser eines Buches über die Ureinwohner in US-Uniform.
"Die Deutschen haben kein Stück verstanden"
Schon gegen Ende des Ersten Weltkrieges setzte das US-Militär einige Indianer als lebende Chiffriermaschinen ein, vier von ihnen waren Komantschen. "Und die Deutschen haben kein Stück von dem verstanden, was sie gesagt haben", sagte der Historiker Lanny Asepermy vom Veteranenverband der Komantschen. Eine Generation später, im Zweiten Weltkrieg, spielten die "Code talker" dann eine wichtige Rolle bei den Schlachten gegen Nazi-Deutschland in Europa und gegen Japan im Pazifik.
Codename für Hitler: "Verrückter weißer Mann"
Der Code der Indianer wurde dabei nie ausgehebelt - was zusätzlich daran lag, dass die Sprache selbst noch mit Geheimausdrücken verschlüsselt wurde. "Vogel" etwa bedeutete Flugzeug, "schwangerer Vogel" stand für "Bomber". Für Adolf Hitler galt der Codename "verrückter weißer Mann". Oft wurde auch das lateinische Alphabet mit Indianer-Wörtern buchstabiert. In der Navajo-Sprache ist "moasi" beispielsweise das Wort für "Katze", Englisch "cat". "Moasi" stand damit für den Buchstaben "C".
Der Einsatz der Indianer ist umso bemerkenswerter, als die US-Regierung im 19. Jahrhundert das Ziel verfolgte, die Kultur der nordamerikanischen Ureinwohner zu beseitigen. Viele Indianer wurden erst während des Ersten Weltkrieges US-Staatsbürger, oft im Gegenzug für einen Militärdienst.
Die 84-jährige Irene Permansu Lane ist eine von drei noch lebenden Frauen von Komantschen-"Code talkern". Sie nahm am Mittwoch im Kongress die Auszeichnung für ihren 1963 verstorbenen Ehemann Melvin Permansu entgegen. "Ich bin einfach überfroh, dass ihnen endlich Anerkennung für das gezollt wird, was sie getan haben", sagte sie. Dem 58-jährigen John Parker kommen die Tränen, wenn er über seinen Vater Simmons Parker spricht: "Mein Vater konnte nicht stolzer sein, seinem Land auf diese Weise gedient zu haben."














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