Angesichts der Budgetnöte des Staates ist Johannes Kopf, Chef des Arbeitsmarktservice, die Altersteilzeit ein Dorn im Auge: „Das Modell ist total attraktiv für die Arbeitnehmer, aber deutlich zu teuer.“ Auch würden Ältere dadurch gegenüber Jüngeren, die es am Arbeitsmarkt schwer haben, bevorzugt.
„Würde wer sagen, wir müssen aus Budgetgründen die Altersteilzeit streichen, würde ich mich dagegen nicht wehren, ich würde nicht aufschreien“, sagt AMS-Chef Kopf.
In Altersteilzeit können alle gehen, die fünf Jahre vor der Pension stehen und sich mit ihrem Betrieb einigen. Sie reduzieren ihre Arbeitszeit, bekommen aber trotzdem einen Gutteil ihres Gehalts und sie verlieren keinerlei Pensionsbeiträge. Kopf: „Am häufigsten ist das Modell: Du arbeitest nur noch die Hälfte, aber bekommst drei Viertel des Lohnes und die volle Pensionsversicherung. Das ist total attraktiv – wer will das nicht?“
„Fast alles zahlen wir“
Teuer ist das Modell vor allem für das AMS, denn im Falle der kontinuierlichen Altersteilzeit werden 90 Prozent der Kosten (Lohnersatz, Pensionsbeiträge) von der Arbeitslosenversicherung bezahlt. Kopf: „Fast alles zahlen wir.“
„Teilpension“ als Alternative
Im Regierungsprogramm steht, dass eine neue Teilpension das Modell der Altersteilzeit teilweise ersetzen soll. Kopf: „Teilpension heißt dann, dass man ab 62 oder 63 verringert weiterarbeitet, aber teilweise schon Pension bezieht.“ Dieses Konzept wäre aber dann für den Staat deutlich billiger. Kopf: „Außerdem kommen die Mittel dann aus der Pensionsversicherung und nicht mehr aus der Arbeitslosenversicherung.“
Kopf zum jetzigen Altersteilzeit-Modell: „An sich halte ich die Idee, vor allem in belastenden Berufen, dass man im Alter nicht mehr Vollzeit arbeitet, sondern die letzten Jahre vor der Pension weniger, für gut. Doch das österreichische Modell ist mit Blick auf die Budgetsituation deutlich zu teuer. Ich hielte es für gerechtfertigt, deutlich einzuschränken.“
Geblockte Altersteilzeit auf dem Rückzug
Ein Problem ist auch, dass viele, die in kontinuierlicher Altersteilzeit sind, einfach ein halbes Jahr voll arbeiten und ein halbes Jahr nicht. Das ist im Grunde nicht im Sinne des Erfinders. Immerhin gelungen ist es, die geblockte Altersteilzeit-Variante zurückzudrängen, indem das AMS dabei nur 50 Prozent der Kosten übernimmt. Kopf: „Als die Altersteilzeit eingeführt wurde, konnten die Leute in der geblockten Altersteilzeit 3,5 Jahre arbeiten und dann 3,5 Jahre zu Hause bleiben. Es war wichtig, die geblockte Altersteilzeit zurückzudrängen.“
Früher entschieden sich 90 Prozent für die geblockte Altersteilzeit. Jetzt wählen 80 Prozent die kontinuierliche Variante, die aber eben auch das Problem der hohen Kosten hat. Freilich: Wer sich bereits in Altersteilzeit befindet beziehungsweise diese schon bewilligt bekommen hat, soll von einer etwaigen künftigen Streichung auf keinen Fall betroffen sein.
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