Der „Equal Pay Day“ markiert jährlich jenen Tag, ab dem Frauen statistisch gesehen bis zum Jahresende „unbezahlt“ arbeiten. Während dieser Tag in Österreich heuer auf den 5. November fällt, findet er in Tirol bereits am heutigen Nationalfeiertag statt. „Wir nehmen das so nicht länger hin“, betont Tirols ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied.
Das bedeutet konkret, dass Tirolerinnen durchschnittlich 67 Tage „kostenlos“ arbeiten oder umgerechnet einen jährlichen Einkommensnachteil von 11.810 Euro hinnehmen müssen – das entspricht 18,1 Prozent. Die Statistik bezieht sich auf die durchschnittlichen Bruttojahresbezüge von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ganzjährigen Bezügen und Vollzeitarbeit.
„Der ,Equal Pay Day‘ macht jedes Jahr aufs Neue sichtbar, wie weit wir von echter Einkommensgerechtigkeit entfernt sind. Und dass sich daran seit Jahren zu wenig ändert, nehmen wir nicht länger hin“, betont Tirols geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Frauen in Tirol verdienen durchschnittlich 53.399 Euro brutto pro Jahr, Männer hingegen 65.217 Euro.
„Zahlreiche Frauen melden sich derzeit bei uns“
Nicht umsonst häufen sich derzeit die Anfragen. „Zahlreiche Frauen melden sich bei uns und fragen, wann die Lohntransparenz endlich umgesetzt wird. Sie warten hart auf die Transparenz. Verständlicherweise ist es für viele Frauen auch nicht nachvollziehbar, warum unser Nachbarland Italien die Lohntransparenz bereits umgesetzt hat, während sich bei uns die Wirtschaft mit Händen und Füßen dagegen wehrt, dass Frauen bekommen, was ihnen zusteht. Die Frauen geraten nicht zuletzt aufgrund der immensen Inflation immer mehr unter Druck und wollen sich diese Ungerechtigkeit nicht mehr bieten lassen“, zeigt die Tiroler ÖGB-Chefin auf.
Beleuchtet man die einzelnen Bezirke, ist der Unterschied noch eklatanter. Das Tiroler Schlusslicht bildet der Bezirk Schwaz, dort beträgt der Einkommensnachteil 21,8 Prozent bzw. 13.751 Euro jährlich, in Imst sind es 21,5 Prozent bzw. 13.564 Euro und in Reutte 21,4 Prozent bzw. 13.398 Euro. Im Tirol-Vergleich schneidet die Stadt Innsbruck am besten ab mit immerhin noch 10,5 Prozent bzw. 6.880 Euro Einkommensnachteil. Die Statistik basiert auf den jährlichen Bruttobezügen bei Vollzeitbeschäftigung – die realen Fraueneinkommen liegen aufgrund der wesentlich höheren Teilzeitquote bei Frauen infolge von unbezahlter Care-Arbeit um einiges darunter.
„Wir müssen endlich darüber diskutieren“
„Nicht die Frauen sind schuld an der Lohnlücke, sondern ein System, das Arbeit unterschiedlich bewertet. Wir müssen endlich darüber diskutieren, warum Tätigkeiten, die unsere Gesellschaft am Laufen halten, vielfach schlechter bezahlt werden. Arbeit, die gesellschaftlich unverzichtbar ist und überproportional von Frauen geleistet wird, muss auch finanziell die Anerkennung bekommen, die sie verdient“, fordert Föger-Kalchschmied.
Der ,Equal Pay Day‘ macht jedes Jahr aufs Neue sichtbar, wie weit wir von echter Einkommensgerechtigkeit entfernt sind.

Tirols ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied
Bild: Halbwirth
Ein wesentlicher Schritt zu mehr Einkommensgerechtigkeit wäre die längst überfällige Umsetzung der europäischen Lohntransparenzrichtlinie. Österreich hätte diese bis zum 7. Juni 2026 umsetzen müssen. „Lohnunterschiede lassen sich nur wirksam bekämpfen, wenn sie sichtbar sind. Transparenz ist keine Bedrohung, sondern eine Voraussetzung für Gerechtigkeit. Wer gleiche oder gleichwertige Arbeit leistet, muss auch Anspruch auf gleiche Bezahlung haben. Dafür brauchen wir klare gesetzliche Regeln, wirksame Kontrollmöglichkeiten und eine konsequente Umsetzung der EU-Richtlinie“, unterstreicht die Tiroler ÖGB-Chefin.
Bis zu 366 Euro netto pro Monat mehr
Dass faire Bezahlung auch wirtschaftlich sinnvoll ist, zeigen Berechnungen der volkswirtschaftlichen Abteilung des ÖGB: Würde die Lohn- und Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern geschlossen, hätten Frauen im Durchschnitt bis zu 366 Euro netto pro Monat mehr zur Verfügung. Insgesamt könnten dadurch rund 13,5 Milliarden Euro zusätzlich bei Frauen ankommen. Gleichzeitig würden bis zu neun Milliarden Euro mehr in die öffentlichen Kassen fließen – durch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. „Von mehr Einkommensgerechtigkeit profitieren daher nicht nur die Beschäftigten, sondern die gesamte Gesellschaft“, betont Föger-Kalchschmied.
Das sind die konkreten Forderungen
Um die Einkommensunterschiede nachhaltig zu verringern, fordert der ÖGB ein umfassendes Maßnahmenpaket:
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