Fiebernder Kanzler. Angelobung zum Bundeskanzler am Montag, TV- und Radio-Interviews am Montag und Dienstag, erster Ministerrat am Mittwoch, erster EU-Gipfel in Brüssel am Donnerstag, Regierungserklärung im Parlament am Freitag – aber diesen Auftritt schaffte der neue ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker nur noch mit letzter Kraft, alle weiteren Termine für gestern Nachmittag wurden abgesagt, der Kanzler müsse sich kurieren, teilte man mit. So musste sich der fiebernde Stocker nicht anhören, was Herbert Kickl, mit dem er im Jänner und Februar mehrere Wochen eine Koalition verhandelt hatte, in einer fiebrigen Debatte ins Plenum ätzte.
Kein gutes Haar. Der „Doch-Nicht-Kanzler“ ließ wie schon bei seinem Auftritt am blauen Aschermittwoch im oberösterreichischen Ried auch am Freitag im Hohen Haus kein (sprichwörtliches) gutes Haar an Stocker und seiner „XXL-Regierungsbank“, die „größte und teuerste der Geschichte“, die eine „Zusammenschau von Neuwahl-Flüchtlingen“ sei. Die Dreierkoalition kanzelte er als „Trio infernale“ ab. Das Regierungsprogramm enthalte nichts zu Festung Österreich, Remigration, keine Stärkung des Gesundheitssystems oder Strukturreformen. Heftige Kritik übte Kickl, der in den Koalitionsverhandlungen unter allen Umständen das Innenministerium für die Blauen verlangt hatte, am schwarzen Innenminister Gerhard Karner. Dieser sei für ihn ein „Schmalspur-Metternich“. Man gelangt zur Überzeugung: Das hätte wirklich nicht funktionieren können mit Blau-Schwarz.
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