"Finfisher"

Deutschland: Ministerium kauft Staatstrojaner

Web
06.05.2013 10:44
Das deutsche Innenministerium hat über sein Beschaffungsamt einen Vertrag mit einem Partner der britischen Gamma Group geschlossen und Spionagesoftware im Wert von fast 150.000 Euro eingekauft. Die Softwarelösungen der Gamma Group werden in autoritären Staaten zur Bespitzelung der Bevölkerung eingesetzt.

Von der Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" wird die britische Gamma Group auf der Liste der "Feinde des Internets" geführt, berichtet das IT-Portal "Golem". Die Software der Briten sei in der Vergangenheit unter anderem vom ägyptischen Mubarak-Regime verwendet worden, und auch Deutschland habe bereits Trojaner der Gamma Group gekauft, berichtet die Seite.

Zehn Lizenzen für 147.000 Euro gekauft
Jetzt soll das deutsche Innenministerium erneut einen Vertrag zum Kauf von Überwachungssoftware unterzeichnet haben. Über den Münchner Gamma-Partner Elaman sollen Lizenzen für zehn Rechner gekauft worden sein, die jeweils ein Jahr lang gültig sind, mittlerweile wurde die Information vonseiten des deutschen Innenministeriums bestätigt. Kostenpunkt: 147.000 Euro.

Tatsächlich wird der Website zufolge mindestens seit 2010 Software der Gamma Group von deutschen Behörden erprobt, auch das Bundeskriminalamt soll den "Finfisher"-Trojaner im Einsatz haben – freilich nur zu Testzwecken, wie die Behörde eingeräumt haben soll.

Illegale Funktionen im Staatstrojaner entdeckt
In Deutschland wird das Thema Staatstrojaner kontrovers diskutiert. Erst im Herbst 2011 stellte der Chaos Computer Club etwa fest, dass der Staatstrojaner "0zapftis" illegale Funktionen enthält und nach Nachladen einiger Zusatzmodule auch dafür benutzt werden könne, gefälschtes oder belastendes Material auf dem Rechner des Überwachten zu hinterlegen.

Die "Finfisher"-Software soll ganz ähnlich funktionieren und ebenfalls modular aufgebaut sein. Durch die Möglichkeit, im Bedarf Funktionen nachzuladen, würden auch bei "Finfisher" die Spitzelfunktionen über das notwendige hinausgehen, heißt es vonseiten des Chaos Computer Clubs. Offiziell soll die Software für die Telekommunikationsüberwachung genutzt werden.

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