Hat eine 13-Jährige in einem Grazer OP-Saal einen Schädel aufgebohrt? Diese Frage wird derzeit juristisch geklärt. Ein beteiligter Chirurg hat seine Angaben nun bereits zum zweiten Mal geändert. Nun sagt er aus, dass das Mädchen nur ihre Hand auf seine aufgelegt hat.
Der Abschlussbericht der Kriminalpolizei liegt vor. Es geht um einen aufsehenerregenden Vorfall am 13. Jänner auf der Neurochirurgie am Grazer LKH-Uniklinikum. Die 13-jährige Tochter einer Ärztin war anwesend, als ein verunfallter Landwirt operiert wurde. Ob sie dabei dessen Schädel aufgebohrt hat, diese Frage muss nun geklärt werden.
Interessant ist laut Anwalt Peter Freiberger, der das 33-jährige Opfer vertritt, die Verantwortung des zweiten anwesenden Chirurgen. Zunächst habe dieser hausintern zugegeben, dass die Jugendliche selbst Hand angelegt hat. Die Tochter hätte ihre Mutter gefragt, diese habe zustimmend genickt.
Zweimal Aussage geändert
Bei der ersten Einvernahme bei der Polizei sagte der Arzt hingegen aus, dass dies nie passiert sei. So hätten sich auch alle anderen aus dem OP-Team verantwortet, darunter auch die damals anwesende Anästhesistin. Laut „Krone“-Infos soll sie allerdings im Zuge einer anderen OP vom Vorfall erzählt haben, so kam dieser überhaupt ans Licht.
Nun, bei der zweiten Einvernahme änderte der Chirurg nochmals seine Version des Geschehens: Demnach hätte das Mädchen zwar ihre Hand auf seine Hand gelegt. Die Bohrung habe aber er durchgeführt, das Mädchen habe keinen Druck ausgeübt. Diese erneut geänderte Verantwortungsübernahme wird von Hansjörg Bacher, Sprecher der Staatsanwaltschaft Graz, bestätigt. Mehr wolle man aber derzeit nicht sagen.
Ob Anklage erhoben wird oder nicht, wird die Staatsanwaltschaft in den nächsten Wochen entscheiden. Ermittelt wird gegen sieben Personen (drei Ärzte und vier Operationsgehilfen) wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung durch eine unsachgemäß durchgeführte Operation. Die Chirurgin und ihr Kollege wurden mittlerweile von der KAGes entlassen, das restliche Team wurde streng verwarnt.
Die OP selbst soll laut der steirischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) komplikationsfrei verlaufen sein. Allerdings ist die Anwesenheit im Operationssaal nur Praktikantinnen und Praktikanten sowie Studierenden erlaubt.
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