Die innenpolitische Krise verschärft sich von Woche zu Woche, die Gewalt auf den Straßen nimmt zu, während die Wirtschaft vor dem Zusammenbruch steht.
Tourismus? Fehlanzeige. Investitionen? Eingefroren. Ausländische Währungsreserven? Schrumpfen. Auch vom Staat bezuschusster Diesel sowie Düngemittel werden allmählich knapp. Gleichzeitig blähen die Subventionen das Haushaltsdefizit auf. Das ägyptische Pfund hat seit der Revolution 14 Prozent an Wert verloren. Dollars werden knapp. Die Arbeitslosigkeit steigt immer weiter an, und Waffenschmuggel ist an der Tagesordnung. "Wir gehen gerade durch einen Engpass", sagt Essam Haddad, der nationale Sicherheitsberater des umstrittenen Präsidenten Mohammed Mursi.
Katar hält Ägypten derzeit am Leben
Zurzeit hält der Golfstaat Katar - der wichtigste ausländische Geldgeber der islamistischen Muslimbrüder um Mursi - das Land am Leben. Auch eine riesige Schattenwirtschaft werde Ägypten vor einem Zusammenbruch bewahren, sagt Haddad. Andere zeigen sich weniger optimistisch: So warnte US-Botschafterin Anne Patterson in diesem Monat davor, dass die Devisenknappheit Engpässe bei Lebensmitteln und Treibstoff verursachen und damit die Stabilität gefährden könnte: Viele Ägypter müssen mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen.
Am Dienstag kündigte die ägyptische Regierung für viele Branchen Benzinpreiserhöhungen an. Der Treibstoff soll Kreisen zufolge bis zu 50 Prozent teurer werden. Arbeiter blockierten daraufhin aus Protest mehrere Straßen in Kairo und der Großstadt Minja weiter im Süden des Landes.
"Kredit vom IWF sicher nicht vor der Wahl"
Abhilfe könnte ein Kredit des Internationalen Währungsfonds schaffen, doch er liegt auf Eis. Bevor die 4,8 Milliarden Dollar (3,6 Mrd. Euro) freigegeben würden, müsse die Regierung weitere Wirtschaftsreformen wie Kürzungen bei staatlichen Zuschüssen einleiten, forderte der IWF im Dezember. Haddad bekennt sich zu Reformen, betont aber, dass man die Sparmaßnahmen nicht vor einer Wahl durchsetzen könne.
Die Islamisten sind zuversichtlich, bei den Parlamentswahlen im April oder Mai als Sieger hervorzugehen. Die Opposition sieht die Ideale der Revolution verraten. Angesichts der zunehmenden Proteste gegen Mursis Machtfülle könnte dem islamistischen Präsidenten bei der Wahl auch ein Denkzettel drohen.
Gelder aus Mubarak-Ära wieder ins Land holen?
Nicht gut ankommen dürfte bei der Opposition zudem der Plan der Muslimbrüder, Milliardäre aus der Mubarak-Ära, die zum Teil in Abwesenheit verurteilt oder deren Vermögen beschlagnahmt wurde, wieder ins Land zu holen.
Doch dem Land bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten, an Geld zu kommen. Die Ratingagentur Moody's zog in diesem Monat aus der Krise ihre Konsequenzen und senkte die Bonitätsnote des Landes. Die Experten drohten mit weiteren Herabstufungen.
Mit dem eingefrorenen IWF-Kredit sind dem Land mehrere Kapitalquellen verschlossen. Diplomaten gehen davon aus, dass bei einer Freigabe des IWF-Kredites rund zwölf Milliarden Dollar fließen würden - etwa von der Weltbank, der Europäischen Union, den USA oder von Golfstaaten. Doch gibt es keine Anzeichen dafür, dass eine IWF-Delegation demnächst wieder an den Nil reist.
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