Neuer Kalter Krieg?

Wie China sich in aller Welt Einfluss am Meer erkauft

Ausland
20.02.2013 11:54
China investiert Milliarden in aller Welt, um seinen Einflussbereich zu vergrößern. Insbesondere Häfen haben es der Führung in Peking angetan, berichtet die "Welt". Offiziell geht es um die Versorgung mit Öl und anderen Rohstoffen, doch immer mehr Staaten betrachten die Einkaufstour als Teil der militärischen Planung. Es drohe ein neuer Kalter Krieg, warnte ein US-Militärtheoretiker bereits 2005.

Die Dollarbeträge, die China seit 2005 in aller Welt investiert hat, sind gewaltig: 55,9 Milliarden in Australien, 54 Milliarden in den USA, 36,7 Milliarden in Kanada, 27,7 Milliarden in Brasilien, 16,8 Milliarden im Iran, 15,6 Milliarden in Nigeria, 14,7 Milliarden in Großbritannien und noch viel mehr - insgesamt hat die Volksrepublik in etwas mehr als sieben Jahren 606,6 Milliarden US-Dollar weltweit ausgegeben, wie die "Welt" zusammenfasst.

Griechischer Hafen boomt trotz Kritik
Dabei habe sie es vor allem auf Häfen abgesehen - offiziell, um Handelsrouten, Rohstoff- und Energieversorgung zu sichern. Für Aufsehen sorgte das zum Beispiel 2010, als eine Tochter der größten Staatsrederei China Ocean Shipping (Cosco) den Mittelmeer-Containerhafen Piräus (Bild) in Griechenland für 35 Jahre leaste.

Nach einem radikalen Sparkurs mit niedrigeren Löhnen und dem Zurückdrängen der Gewerkschaften, die den Chinesen Niedriglöhne und mangelnden Arbeiterschutz vorwerfen, boomt der Hafen inzwischen. Die Volksrepublik hat damit Zugang zu Osteuropa und dem Schwarzen Meer, nach Zentralasien und Russland.

Große Pläne für Zusammenarbeit mit Pakistan
Am Montag hat China nun den nächsten Hafen im Ausland übernommen, Gwadar in Pakistan. Dieser hat besondere strategische Bedeutung, da Pekings Handelsflotte damit direkten Zugang zu Afrika über das Arabische Meer und den Mittleren Osten über die Straße von Hormus gewinnt. Da Pakistan an China grenzt, sollen insbesondere Rohstoffe wie Erdöl künftig über den Landweg, durch die unterentwickelten Westprovinzen der Volksrepublik, importiert werden. Tausende Kilometer Umweg könnten so gespart werden.

Indien: Projekt "besorgniserregend"
Ob dieser Zusammenarbeit ist besonders Indien besorgt, kämpft das Land doch seit Jahrzehnten sowohl mit Pakistan wie auch Indien um die Provinz Kaschmir. Verteidigungsminister A.K. Antony nannte das Projekt Anfang Februar "besorgniserregend". Indien beunruhigt der Gedanke an ein Angebot des ehemaligen pakistanischen Verteidigungsministers Ahmad Mukhtar an China im Mai 2011: Die Volksrepublik könne in Gwadar einen Marinestützpunkt einrichten, so Mukhtar.

Doch China beeilt sich zu versichern, es gehe nur um Öl. Im chinesischen Parteiblatt "Global Times" besagte ein Kommentar, militärische oder strategische Bedenken gegen die Übernahme des Hafens in Gwadar seien "völlig unbegründet". Der Westen sei übertrieben "alarmiert", China habe kein Interesse an der "Einkesselung und Kolonialisierung von überseeischen Gebieten".

Plant China Marinebasen in aller Welt?
Indien ist mit seiner Skepsis gegenüber dieser Versicherungen aber nicht allein, auch die USA verfolgen "Pekings Strategie der Perlenkette", wie das Pentagon die Unternehmungen Chinas an Küsten weltweit 2004 bezeichnete. In Zukunft könnten die Häfen als Marinebasen dienen, fürchten die USA. China erkaufe sich unter anderem mit großzügigen Krediten und Bauprojekten seit Jahren Unterstützung, etwa in Nepal oder Sri Lanka.

Warnung vor neuem Kaltem Krieg
Schon 2005 warnte daher der US-Militärtheoretiker Robert D. Kaplan vor den chinesischen Hafenplänen: Früher oder später werde Chinas Marine in den Pazifik vorstoßen und die USA in einen neuen Kalten Krieg verwickeln. Noch unterhält die Marine der Volksrepublik keine Marinebasen außerhalb der Landesgrenzen, doch glaubt man den Kritikern, ist das nur eine Frage der Zeit.

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