Der größte Feind von Winnetou ist nicht der skrupellose Bandit Frederick Santer, es ist eine neue Zensur-Politik, die uns immer mehr verbietet.
Früher waren Sternsinger einfach nur Sternsinger. Sie klopften an die Tür und segneten das Haus. Dann wurde es politisch: Darf sich ein weißes Kind schwarz anmalen, um Melchior zu sein?
Früher war „Dumbo“ einfach nur ein fliegender Elefant mit übergroßen Ohren, – utopisch genug, doch dann hieß es plötzlich: Die Krähen in dem Film, karikieren die nicht Afroamerikaner?
Früher mochte man Winnetou, oder man mochte ihn eben nicht. Niemand machte sich darüber Gedanken: Steht der Häuptling der Apachen nicht für kulturelle Aneignung?
Österreicher gegen Zensur
Die Antworten heutzutage auf alle Fragen: Verbieten, boykottieren, mit Warnhinweisen versehen! Die sogenannte Woke-Bewegung einer Minderheit steht für eine neue Form der Zensur.
Eines der prominentesten Opfer der Absagekultur: eben Winnetou. Im Jahr 2022 stoppte der Ravensburger-Verlag den Verkauf neuer Kinderbücher, die begleitend zum aktuellen Kinofilm erschienen sind. Grund: Bücher und Film würden Stereotype transportieren und Vorurteile schüren.
Die Österreicher fangen mit alledem nichts an. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Unique Research im Auftrag der „Krone“ stimmen der Aussage „Schluss mit der Woke-Zensur und dem Gendern!“ 56 Prozent voll und ganz zu, nur sieben Prozent sind dagegen.
Die Bevölkerung will sich nicht diktieren lassen, was sie für gut und was sie für schlecht zu halten hat. Beispiele gehen Richtung Unendlichkeit:
Gigi D’Agostino-Song gestrichen
Rechtsradikale grölen auf Sylt Hassparolen zum Lied „L’amour toujours“ von Gigi D’Agostino. Reaktion: Einige Radiosender und Partyveranstalter streichen den Song kurzerhand von ihrer Liste.
Die Med Uni Graz wollte dem steirischen Landarzt Norbert Kroißenbrunner die Lehrpraxis wegnehmen, weil er sich unter anderem an geschlechtsneutraler Sprache stößt.
Gleichzeitig nimmt die politische Korrektheit kein Ende. Dragqueens lesen Kindern Märchen vor: kein Problem. Kinder verkleiden sich als Indianer: Problem. Die Österreicher haben von alledem die Nase voll.
„Krone“-Kommentar von Michael Pommer: Canceln!
Wir leben in einer Gesellschaft, in der sich Männer als Frauen verkleiden und im roten Glitzer-Tüllkleid jenen Kindern Märchen vorlesen, die sich im Fasching nicht mehr als Indianer verkleiden sollen.
Wenn Männer früher Frauen verprügelt haben, kamen sie ins Gefängnis. Heute hängt man ihnen dafür bei Olympia eine Goldmedaille um den Hals.
In Deutschland kann jeder jährlich sein Geschlecht ändern. Damit wechseln einige unserer Nachbarn wohl öfter ihre Anrede als andere die Batterien in ihren Fernbedienungen.
Schreibt mir die Stadt Wien ein Mail, dann steht da nicht: Lieber Herr Pommer. Es steht: Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, sehr geehrte intergeschlechtliche Menschen!
Disney-Figuren, die uns singend und tanzend durch die Kindheit begleitet haben, sind plötzlich: Rassisten, Sexisten, Tierquäler, Sklavenhalter.
Wie heißt diese Geisteskrankheit, werden Sie sich vielleicht fragen. Sie hat viele Namen: Wokeness, Sprachzensur, übertriebene politische Korrektheit. Wer sich nicht daran hält, wird gecancelt. Noch so ein Begriff. Das heißt Kritik, Stigmatisierung und Boykott von Personen oder Organisationen, die das nicht normal finden.
Ich gehöre dazu. Ich finde Männer in Damensaunas nicht normal. Ich finde eine Transfrau, in Wahrheit zweifacher Familienvater, als LäuferIN bei den Paralympics nicht normal. Dass Winnetou verbannt werden sollte, ist nicht normal.
Dafür lasse ich mich gerne canceln.
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