Rachefeldzug
“Letzter Ausweg”: Das Manifest des Copkillers von L.A.
In dem mehrere Seiten langen Manifest, das Dorner per E-Mail mit der Betreffzeile "Letzter Ausweg" an Medien im ganzen Land versandt hatte und das von ausgesprochener Intelligenz, militärischem Wissen und vor allem großer Gekränktheit zeugt, schreibt er, dass seine Taten unumgänglich seien. "Ich bin ein Mann, der seinen ganzen Glauben an das System verloren hat, seit mich das System betrogen und verleumdet hat", bringt der Ex-Cop, der auf den Fahndungsbildern stets mit einem Lächeln im Gesicht zu sehen ist, seine Enttäuschung auf den Punkt.
Rachefeldzug ein "notwendiges Übel"
Er werde den Mitarbeitern der Polizei von Los Angeles einen "unkonventionellen und asymmetrischen Krieg" liefern, so die Drohung des 33-Jährigen. "Ich weiß, dass ich vom LAPD und den Medien verteufelt werde. Doch leider ist dies ein notwendiges Übel, an dessen Ausführung ich keinen Gefallen finde, sondern das ich durchziehen muss, um grundlegende Veränderungen innerhalb des LAPD herbeizuführen – und um meinen Namen reinzuwaschen", begründet er seinen blutigen Rachefeldzug gegen die Polizei von Los Angeles.
In dem Manifest geht Dorner detailliert auf Beschwerden über seinen ehemaligen Arbeitgeber, das Los Angeles Police Department, ein. So schildert der Ex-Cop und ehemalige Soldat etwa ausführlich seine "Kämpfe" mit der Abteilung für innere Angelegenheiten, die letztlich mit seiner Entlassung geendet hatten. "Ich hatte ihre vermeintliche 'Blue Line' durchbrochen", bezieht sich Dorner in Zusammenhang mit Vorwürfen, die er gegen eine Kollegin eingebracht hatte, auf die Vorgabe, dass Polizisten einander um jeden Preis schützen.
Ex-Cop überzeugt: "LAPD hat sich an mir gerächt"
Die Beamtin – deren Name in der von Medien veröffentlichten Version des Manifests ebenso wie die aller anderen genannten Polizisten unkenntlich gemacht wurde – soll Dorner zufolge bei einer Festnahme einen Verdächtigen getreten haben, der an Schizophrenie leidet. Bei einer internen Untersuchung des Vorfalls wurde seinen Aussagen kein Glauben geschenkt. Angaben des Vaters des angeblich Misshandelten unterstützten allerdings die Behauptungen des ehemaligen Polizisten. "Es ist sonnenklar, dass das LAPD sich an mir für meine Vorwürfe gerächt hat. Die Behörde sagte, dass ich gelogen habe, und fälschte den Bericht."
"Die Aktionen des LAPD haben mich meine Karriere bei den Strafverfolgungsbehörden gekostet", ist Dorner überzeugt. "Sie kosteten mich meine Karriere bei der Marine, und ich habe meine Beziehung zu meiner Mutter und Schwester wegen des LAPD verloren. Ich habe enge Freunde wegen des LAPD verloren. Im Grunde genommen habe ich alles verloren, weil die Behörde mir meinen Namen genommen hat – mit dem Wissen, dass ich unschuldig bin", schreibt er. Seine Probleme mit der Polizei hätten ihn schließlich zu seinem Amoklauf inspiriert, so Dorner weiter.
"Polizei von Brutalität und Rassismus durchdrungen"
Das Los Angeles Police Department sei von Rassismus und Brutalität durchdrungen, kritisiert der 33-Jährige. Die Behörde habe sich laut Dorner seit den Tagen der Rodney-King-Aufstände nicht gebessert. Der Afroamerikaner King war 1991 von Polizisten in Los Angeles schwer misshandelt worden. Die weißen Beamten wurden ein Jahr später freigesprochen. Bei den daraufhin entflammten schwersten Rassenunruhen seit den 1960er-Jahren kamen im Frühjahr 1992 in Los Angeles 53 Menschen ums Leben. Tausende wurden verletzt. Auch heute noch würden Beamte Schwarze verprügeln und mit Schimpfnamen wie "Nigger" verunglimpfen - und würden dafür kaum mit Sanktionen belegt, schreibt Dorner dazu in seinem Manifest.
Polizisten "weder zu Hause noch in der Arbeit sicher"
Am Ende nennt der Ex-Cop in dem Dokument Namen von Mitgliedern der Polizei von Los Angeles, die er als Ziele auserkoren habe. Die Betreffenden seien weder zu Hause noch an ihrem Arbeitsplatz vor ihm sicher, droht Dorner. "Ihr seid euch bewusst, dass ich schon immer der Top-Schütze mit der höchsten Trefferzahl und ein Experte für Gewehre in allen Einheiten, in denen ich gedient habe, gewesen bin", betont er. Er werde nun sein ganzes im Waffen- und Überlebenstraining erworbenes Wissen einsetzen, um einer Festnahme zu entgehen. Vor dem Tod habe er indessen keine Angst. "Ihr habt einen schlafenden Riesen falsch eingeschätzt." Mehr als 40 Menschen, die Dorner in seiner Botschaft nennt, wurden mittlerweile unter Polizeischutz gestellt.
Polizei weist Anschuldigungen zurück
Sergio Diaz, der Polizeichef von Riverside, wo der 33-Jährige am Donnerstag auf zwei Beamten geschossen hatte – einer der Polizisten wurde tödlich getroffen, der andere mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert – wies die in dem Manifest vorgebrachten Anschuldigungen des Ex-Cops zurück. Das Dokument offenbare die "Verdorbenheit und Feigheit im Geiste und im Herzen" Dorners, so Diaz.
Auch LAPD-Chef Charlie Beck wies die Vorwürfe des ehemaligen Beamten vehement zurück und erklärte: "Es handelt sich um einen Mordverdächtigen, der grausame Verbrechen begangen hat. Wenn Sie seinem Geschwafel im Internet Aufmerksamkeit schenken wollen – bitte, machen Sie das. Aber ich werde es sicher nicht tun."
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