Rivalen in Uniform

Schießerei zwischen malischen Soldaten in der Hauptstadt

Ausland
08.02.2013 15:37
Bei Gefechten zwischen rivalisierenden malischen Armeeeinheiten in der Hauptstadt Bamako sind am Freitag nach Angaben von Augenzeugen mehrere Menschen verletzt worden. Laut Militärkreisen sowie Augenzeugen wurde ein Lager von Elitesoldaten, die dem gestürzten Staatschef Amadou Toumani Toure nahestehen, von anderen Einheiten der malischen Armee angegriffen.

Schwerbewaffnete sollen Schüsse abgefeuert haben, sagte ein Armeeangehöriger, der sich in dem Lager befand. Vor dem Lager hätten sich Frauen und Kinder versammelt. Anlass für den Übergriff soll den Angaben zufolge eine TV-Ansprache des Generalstabschefs der Armee sein, wonach die Fallschirmjäger mit den Franzosen gegen die Islamisten kämpfen sollen.

Rebellierende Armeeeinheiten, die gegen die damalige Regierung geputscht hatten, waren schon im März des Vorjahres der Grund für die Eskalation des Konflikts zwischen der Regierung und den Tuareg-Rebellen im westafrikanischen Wüstenstaat. Danach übernahmen diese, unterstützt von diversen islamistischen Gruppierungen, die Kontrolle über den Norden des Landes. Später vertrieben die Islamisten die Tuareg-Rebellen und riefen in den kontrollierten Gebieten das islamische Recht, die Scharia, aus.

Letzte Islamisten-Hochburg zurückerobert
Innerhalb von drei Wochen gelang der malischen Armee mit französischer Unterstützung die Rückeroberung der wichtigsten Städte im von den Islamisten besetzt gehaltenen Norden Malis. Ob sich die Rebellen nur aus strategischen Gründen zurückgezogen haben und nun ihre Kräfte in der Grenzregion zwischen Mali und Algerien sammeln, bleibt abzuwarten. Derzeit führt die französische Armee nach wie vor Luftschläge gegen Rebellen an der algerischen Grenze durch.

Begleitet von Operationen durch Bodentruppen, dürften die Manöver am Freitag einen weiteren strategischen Erfolg gezeitigt haben. Laut dem französischen Verteidigungsministerium sei die Rückeroberung der letzten Islamisten-Hochburg, der nordostmalischen Stadt Tessalit, gelungen. Nach Angaben malischer Sicherheitsbehörden trafen die Soldaten aus Frankreich und dem Tschad "aus der Luft und auf dem Boden" in der Stadt ein, die weniger als 90 Kilometer von der Grenze zu Algerien entfernt ist.

Erster Selbstmordanschlag seit dem Einmarsch Frankreichs
Dass dieses rasche Vorrücken der Truppen eine Strategieänderung der islamistischen Rebellen nach sich ziehen könnte, deutet nun der erste Selbstmordanschlag seit dem Einmarsch Frankreichs Anfang Jänner hin. Ein Tuareg habe sich am Freitag mit einem Motorrad einer Gruppe malischer Soldaten in Gao genähert und dann seinen Sprengstoffgürtel gezündet, sagte ein malischer Soldat der Nachrichtenagentur AFP. Der Mann sei auf der Stelle tot gewesen, ein malischer Soldat sei verletzt worden. 

Wenig später bekannte sich die "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" zu dem Anschlag. Die malischen Soldaten hätten sich auf die Seite der "Feinde des Islams" geschlagen, sagte der Sprecher und kündigte weitere Anschläge an.

EU-Mission mit österreichischen Soldaten
Mit der längerfristigen Konfliktlösung hatte sich die internationale Staatengemeinschaft auf einer Mali-Konferenz in Brüssel am vergangenen Dienstag beschäftigt. Die EU wird, wie bereits berichtet, die malische Armee mit einer rund 500 Soldaten starken Ausbildungsmission unterstützen. 16 Mitgliedstaaten sind an der Mission beteiligt. Österreich wird acht Soldaten des Bundesheeres entsenden (siehe Infobox). Wie Freitag bekannt wurde, soll die Trainingsmission offiziell am 15. März starten.

Die Regierung in Paris drängt daneben auch auf eine UN-Mission in Mali. Der Sicherheitsrat wurde bereits aufgefordert, die Entsendung von Blauhelmen-Kontingenten und Menschenrechtsbeobachtern in die Wege zu leiten. Derzeit sind in Mali fast 4.000 französische Soldaten stationiert. Truppen der Westafrikanischen Staatengemeinschaft sollen sie bald ablösen.

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