"Regime stürzen"
Massendemos gegen Präsident Mursi in Ägypten
Ein 23-jähriger Mann sei an Schussverletzungen gestorben, sagte der Vizechef des Gesundheitsamts, Ahmed al-Ansari, der Nachrichtenagentur AFP am Freitagabend. Insgesamt seien mindestens 53 Menschen bei den Ausschreitungen in Kairo verletzt worden.
Jugendliche warfen mehr als 20 Brandsätze auf das Palastgebäude in der Hauptstadt (Bild) und entzündeten ein Feuerwerk an der Außenmauer des Geländes. Ein Dach innerhalb des Komplexes geriet dabei in Brand. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Der Nachrichtensender Al-Arabiya berichtete zudem von Zusammenstößen von Aktivisten und der Polizei vor der britischen Botschaft in der Nähe des Tahrir-Platzes im Zentrum der Stadt.
Landesweit gingen nach dem Freitagsgebet Hunderttausende Menschen auf die Straßen, um für einen Rücktritt Mursis und die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit zu demonstrieren. Die Wut der Demonstranten richtete sich auch gegen die islamistische Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt.
Demonstranten trotzten dem Schlechtwetter
Großdemonstrationen wurden trotz stürmischen Wetters auch in den Städten Alexandria, Port Said und der Industriestadt Mahalla al-Kubra veranstaltet. In Alexandria forderten Tausende Aktivisten in der Innenstadt die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit, während ein Sturm die Proteste in Staubwolken versinken ließ. In Mahalla al-Kubra verlangten die Demonstranten, dass der derzeit geltende 30-tägige Notstand am Suez-Kanal (siehe Infobox) aufgehoben wird. Selbst in Sagasig, dem Heimatbezirk des Präsidenten, gingen Hunderte wütende Demonstranten gegen die Muslimbruderschaft auf die Straße.
In Port Said, wo am vergangenen Wochenende Dutzende Menschen bei Krawallen gestorben sind, protestierten schon zu Mittag Tausende Menschen. Bei strömendem Regen forderten sie den "Sturz des Regimes" und Mursi zum Rückzug auf. "Wir wollen Port Said befreien", riefen sie.
Aufruf zu friedlichem Protest
Oppositionsführer riefen die Ägypter auf, um jeden Preis friedlich zu bleiben. Nobelpreisträger Mohammed ElBaradei mahnte über den Kurzmitteilungsdienst Twitter: "Wir haben das Mubarak-Regime mit einer friedlichen Revolution gestürzt und bestehen darauf, unsere Ziele auf dieselbe Art zu erreichen."
Bereits am Donnerstag hatten sich Vertreter sämtlicher politischer und religiöser Gruppen auf einen Gewaltverzicht sowie auf einen Dialog zur Lösung der politischen Krise geeinigt.
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