Mit 81 Jahren

Ex-OeNB-Chefin Maria Schaumayer gestorben

Wirtschaft
23.01.2013 13:02
Die ehemalige Nationalbank-Präsidentin Maria Schaumayer ist am Mittwoch im Alter von 81 Jahren gestorben. Schaumayer war der Nationalbank von 1990 bis 1995 vorgestanden – als weltweit erste Frau an der Spitze einer Notenbank. Bis 2005 war sie Regierungsbeauftragte für die NS-Zwangsarbeiterentschädigung.

Schaumayer ist Mittwoch früh in ihrer Wohnung in Wien gestorben, wie die Bestattung Wien im Namen der Angehörigen erklärte. Der Tod der früheren Nationalbank-Präsidentin sei für die Familie "unerwartet" gekommen, hieß es weiter. Über die Todesursache wurde nichts bekannt.

Die gebürtige Grazerin wurde am 7. Oktober 1931 geboren. Nach der Matura in Fürstenfeld studierte sie in Wien an der Hochschule für Welthandel (der heutigen Wirtschaftsuniversität) sowie in Innsbruck an der juridischen Fakultät. Ihr erster Job führte Schaumayer 1954 in die Creditanstalt, von dort wechselte sie 1965 in die Wiener Stadtpolitik. Schaumayer saß außerdem in den Vorständen von Kommunalkredit und OMV.

Erste Frau an der Spitze einer Notenbank
1990 wurde Schaumayer als erste Frau an die Spitze der Nationalbank bestellt. Sie war damit weltweit die erste Frau in einer derartigen Position. In ihre Amtszeit fiel die Vorbereitung auf den EU-Beitritt und den Eintritt in den Wechselkursmechanismus des Europäischen Währungssystems. 1995 wurde sie von Klaus Liebscher abgelöst.

Ab 2000 war die ÖVP-Politikerin Regierungsbeauftragte für die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter. Sie trug maßgeblich dazu bei, dass Österreich mit sechs mittel- und osteuropäischen Staaten sowie den USA bilaterale Verträge über die jahrzehntelang umstrittene Thematik abschließen konnte. Rund 132.000 ehemalige Zwangsarbeiter haben durch die Errichtung des Österreichischen Fonds für Versöhnung, Frieden und Zusammenarbeit eine Entschädigung erhalten. Vor acht Jahren zog sich Schaumayer ins Privatleben zurück.

Vorkämpferin für Frauenanliegen
Vielen Österreicherin dürfte Schaumayer vor allem als Kämpferin für die Anliegen von Frauen im Gedächtnis bleiben. 1991 gründete sie als Notenbankchefin eine Stiftung zur Förderung von Frauen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Diese vergibt zweimal im Jahr Förderungen für herausragende wissenschaftliche Arbeit von Frauen.

Der "Kampf mit der Hellebarde" sei nie ihrer gewesen, sie habe vielmehr auf Partnerschaft gesetzt, hatte sie in einem Interview gesagt. Ihr Rat für Frauen im Berufsleben: "Ausschau halten nach Möglichkeiten und sich, wenn man qualifiziert ist, mit großem Selbstbewusstsein bewerben." Es habe sich auch viel gebessert im ehemaligen "Macho-Land Österreich". Freilich sei "noch viel zu tun. Machos sind wie die Inflation. Sie kommen immer wieder".

Anerkennung quer durch das politische Spektrum
Bundespräsident Heinz Fischer sagte in einer Reaktion auf den Tod Schaumayers, diese habe "das wirtschaftliche und politische Leben unseres Landes entscheidend mitgeprägt". Bundeskanzler Werner Faymann würdigte Schaumayers "wertvolle Arbeit für die Entschädigung der Zwangsarbeiter unter der NS-Diktatur". Damit habe sie entscheidend dazu beigetragen, "den Umgang der Republik Österreich mit der Vergangenheit zu verbessern". Die OeNB betonte in einer Aussendung, ihre ehemalige Präsidentin werde "als eine der herausragenden Finanzexpertinnen dieses Landes und als prinzipienfeste Verfechterin markt- und privatwirtschaftlicher Grundsätze in Erinnerung bleiben".

Auch die Spitzen der Oppositionsparteien zollten der Verstorbenen Anerkennung. Schaumayer habe "über alle politischen Lager hinweg großen Respekt für ihre Leistungen erworben", erklärte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Die Grünen hoben Schaumayers Engagement in der Frauenpolitik hervor. Schaumayer habe "einen Teil ihres Lebens dafür gewidmet, Frauen auf ihrem Karriereweg zu unterstützen", so Bundessprecherin Eva Glawischnig. 

Auch BZÖ-Chef Josef Bucher schloss sich an: "Schaumayer war nicht nur für Frauen in den Männer-Domänen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ein großes Vorbild, sondern hat viele Karrierewege von Frauen begleitet und gefördert", sagte der Klubobmann der Orangen. "Sie war eine große Frau der heimischen Politik und Wirtschaft. Mit Maria Schaumayer hat Österreich eine herausragende Persönlichkeit und eine Vorkämpferin für Frauen verloren", erklärte der Klubobmann des Team Stronach, Robert Lugar.

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