Für unzählige Leserreaktionen hat der „Krone“-Bericht über eine Flüchtlingsfamilie gesorgt, die in Wien 5000 Euro Mindestsicherung pro Monat bekommt. Von Neid ist in den Zuschriften keine Spur – von Ärger über fehlende soziale Gerechtigkeit und Sorge um den sozialen Zusammenhalt umso mehr.
Unverständnis. Das eint alle Reaktionen der „Krone“-Leserschaft nach dem Bekanntwerden des Falles, dass eine syrische Großfamilie mit acht Kindern in Wien inklusive Mietbeihilfe 5000 Euro Mindestsicherung bezieht – Unverständnis nicht darüber, dass Flüchtlinge oder Familien unterstützt werden, sondern dass aus Sicht vieler Leserinnen und Leser bei sozialen Hilfsmaßnahmen mit zweierlei Maß gemessen wird.
„Kapitalist“ durch Mindestsicherung?
Christine S. rechnet etwa nach: Wenn einer arbeitenden Person 5000 Euro im Monat bleiben, dann müsste das ein Bruttogehalt von mindestens 8000 Euro im Monat ergeben – womit die Person aus Sicht der SPÖ dann wohl ein „Kapitalist“ und Fall für eine Vermögenssteuer wäre.
Brigitte S. rechnet ebenso nach, nämlich ihr eigenes Gehalt: Sie verdient für 30 Wochenstunden im Einzelhandel 1594 Euro im Monat, muss aber davon ihrem nicht arbeitsfähigen 32-jährigen Sohn 420 Euro Unterhalt zahlen, der ebenfalls 1200 Euro Sozialhilfe bekomme. Sie kommt somit im Monat auf 1174 Euro, ihr Sohn ohne Arbeit auf 1620 Euro. „Wo ist da die Gerechtigkeit?“, fragt sie ganz abseits der Themen Asyl und Migration. Die Gesetzeslage führe nur dazu, „dass ich wahrscheinlich auch irgendwann ein Sozialfall werde“.
Bemerkenswert viele Reaktionen von Lesern kommen auch aus den Bundesländern. Alfred M. sorgt sich als „ehemaliger Wiener“ etwa um genau solche Fälle wie jenen von Frau S.: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass diese Menschen mit Steuergeld überschüttet werden und gleichzeitig Mindestrentner und Alleinerziehende nicht mehr ein und aus wissen, wie sie das tägliche, immer teurer werdende Leben bewältigen sollen.“ Damit werde „das soziale Gefüge gegen die Wand gefahren“.
Das soziale Gefüge wird gegen die Wand gefahren, zum Schaden der arbeitenden Bevölkerung, der Pensionisten, welche ein Leben lang gearbeitet haben, ihre Kinder groß gezogen haben und nebenbei vielfach nahe Angehörige gepflegt haben.
Zuschrift von „Krone“-Leser Alfred M.
Ignoriertes „Jahrhundertproblem“
Von einem „Jahrhundertproblem“ spricht Sepp S. Er fordert einen parteipolitischen Schulterschluss aller politischen Entscheidungsträger mit dem Bekenntnis, dass „kein Bundesland die Asyl- bzw. Migrantenquote überfüllen, respektive unterschreiten darf“. Wien stehe „nach ihrer 200-prozentigen Übererfüllung der Asylquote plus schlagend gewordenem Familiennachzug längst vor dem sozial- und bildungspolitischen Kollaps“. Zuschriften wie die von Sepp S. zeigen exemplarisch, dass die Empörung der Bevölkerung nichts mit der vielbeschworenen Neiddebatte, sondern mit verletztem Gerechtigkeitsgefühl zu tun hat.
Sepp S. kommt aus Salzburg und fordert dennoch, dass „Schutzsuchende/Asylwerber von der Einwanderungsbehörde flächendeckend aliquot auch im Nachhinein auf alle neun Bundesländer zu verteilen sind und ihnen dieser Aufenthaltsort somit für mindestens fünf Jahre zugewiesen ist“. Je länger dieses Problem durch einen „kontraproduktiven Egotrip der Bundesländer“ und „parteipolitisches Hickhack“ ungelöst bleibe, desto mehr würden sich Wähler von den bisher regierenden Parteien abwenden.
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