Nach Hangrutsch

Haus abgerissen: “Wir konnten nur wenig retten”

Österreich
07.11.2012 09:00
Schwer angeschlagen sind die Bewohner eines Mehrparteienhauses an der Großglockner-Bundesstraße am Iselsberg in Osttirol. Das Haus war am Montagabend von einem Hangrutsch getroffen worden. Wegen akuter Einsturzgefahr blieb am Dienstag nichts anderes übrig, als das Gebäude komplett abzureißen. Den Bewohnern blieb nur wenig von ihren Habseligkeiten.

Ein bis zu 70 Kubikmeter großer Felsen hatte sich nach heftigen Regenfällen vom Hang hinter dem Gebäude, das knapp vor der senkrechten Felswand stand, gelöst und damit das Unglück verursacht. "Er rutschte direkt auf das Haus", informiert Harald Haider, Chef des Baubezirksamtes. Ein Statiker empfahl am Dienstag nach einer Begutachtung schließlich den Abriss.

Ein paar Habseligkeiten gerettet, sonst alles in Trümmern
Die Bewohner waren am Montag noch evakuiert worden und hatten die Nacht in Notquartieren verbracht. Am Dienstag durften sie das Gebäude auf eigenes Risiko noch einmal betreten. "Wir konnten nur mehr ein paar Habseligkeiten mitnehmen, alles andere ist in den Trümmern", so eine in Tränen aufgelöste Hausbewohnerin. Vorwiegend lebten junge Menschen im Gebäude. Die Autos durften auf eigenes Risiko aus den Garagen gefahren werden. Ansonsten fiel nahezu das gesamte Hab und Gut aller Bewohner dem Unglück zum Opfer.

"Das Haus mit den vier Wohnungen ist erst zwei Jahre alt. Die Versicherung zahlt der Eigentümerin nichts. Vielleicht wird Hilfe durch Landesmittel möglich", hofft Bürgermeister Thomas Tschapeller, der dieses Elementarereignis selbst nicht fassen kann. Er ruft zu Sach- und Geldspenden für die Betroffenen auf. Die Wohnungssuche für die Betroffenen läuft. Der entstandene Schaden beträgt Hunderttausende Euro.

Weitere Hangrutschungen in Tirol möglich
Die Niederschläge hatten in mehreren Teilen Tirols schwere Schäden angerichtet. Landesgeologe Gunther Heißel verwies auf die wassergesättigten Böden und sprach von einer "zugespitzten Situation". Erst große Kälte und ein Gefrieren des Bodens könnten zu einer Entschärfung führen. Mit weiteren Hangrutschungen, "Hangexplosionen" und Felsabbrüchen sei daher zu rechnen.

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