"Wer weiß, dass er erklären muss, warum er nicht erreichbar ist, der muss sich schon gut überlegen, ob er sein Handy in bestimmten Situationen abschaltet", sagte Burkart. "Das Handy hat inzwischen eine sehr starke Kontrollfunktion, die in Zukunft wahrscheinlich noch zunehmen wird."
Inzwischen könnten es sich im beruflichen Bereich bald nur noch Menschen in leitenden Positionen erlauben, nicht immer erreichbar zu sein. "Sie können eine Art Filter vor ihre persönliche Erreichbarkeit setzen, haben zum Beispiel eine Sekretärin", sagte Burkart. Wer jedoch kein Handy besitzt, weil er es sich nicht leisten kann, der gelte als gesellschaftlicher Außenseiter. "Jugendliche zum Beispiel verabreden sich abends oft nicht mehr im Voraus, sondern spontan über die Mobiltelefone - wer eines hat, ist dabei, und die anderen halt nicht", sagte Burkart.
Generell sei seit der starken Verbreitung von Handys eine "Verwahrlosung der öffentlichen Kommunikation" zu beobachten, meinte der Sozialwissenschaftler. "Die Leute reden hemmungsloser in der Öffentlichkeit, sie reden zu laut, sie lassen ihre Klingeltöne oder Popsongs lauter und länger abspielen als nötig", kritisierte Burkart. "Am Handy konzentriert man sich auf den Gesprächspartner am anderen Telefonende und schirmt sich quasi ab, indem man die anderen Menschen ausblendet aus der momentanen Realität. Das führt dazu, dass man lauter spricht als nötig."
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