Einstimmiges Urteil

Tochter in Wanne ertränkt: Mutter in Anstalt eingewiesen

Österreich
11.07.2012 12:17
Eine 39-jährige Frau ist am Mittwoch in Tirol von einem Geschworenengericht zur Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt worden. Sie hatte Ende 2011 ihre siebenjährige Tochter erst gewürgt und dann in der Badewanne ertränkt. Die gebürtige Türkin brach während der Verhandlung zusammen.

Die 39-Jährige hatte die Tat am Nachmittag des 20. Dezembers in einer Innsbrucker Wohnung begangen. Die Frau hatte danach ihre Schwester angerufen und gesagt: "Kind tot." Diese verständigte wiederum ihren Bruder, der schließlich die Rettungskräfte alarmierte. Als die Helfer eintrafen, lag das Kind im Bett. Sie versuchten es an Ort und Stelle und auf dem Weg in die Innsbrucker Klinik zu reanimieren, doch das Mädchen starb kurz darauf.

"Meine Tochter war meine Welt"
In ihrer Einvernahme erklärte die Mutter, dass ihr eine "innere Stimme" zu der Tat geraten habe. Sie habe ständig davon geträumt, dass ihre Tochter bei einem Autounfall ums Leben kommen oder ihr in der Schule etwas zustoßen werde, schilderte die Frau. Sie sei ständig "in großer Angst" um das Mädchen gewesen. "Meine Tochter war meine Welt. Es tut mir sehr weh. Ich weine jeden Tag", sagte die Mutter. 

Bei der "inneren Stimme" habe es sich um einen "Auftrag Gottes" gehandelt, gab Psychiaterin Adelheid Kastner einen Einblick in die wahnhafte Gedankenwelt der Angeklagten. Die Frau habe zwar einen "inneren Kampf" gegen diesen Befehl geführt, aber letztlich sei dieser "übermächtig" gewesen.

"Überzeugt, nicht krank zu sein"
Die Angeklagte leide an einer "depressiven Erkrankung mit im Vordergrund stehenden wahnhaften Elementen", erklärte die psychiatrische Sachverständige. Die Erkrankung sei laut Kastner rund ein halbes Jahr vor der Tat akut geworden. Ein "Knackpunkt" dafür sei die Schwangerschaft der Partnerin ihres Ex-Mannes gewesen. Im November 2011 - kurz vor der schrecklichen Tat - habe die Angeklagte auch einen Selbstmordversuch unternommen.

Weil sich die Frau zum Tatzeitpunkt offenbar in einem unzurechnungsfähigen Zustand befunden habe, beantragte die Staatsanwaltschaft die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Die 39-jährige gebürtige Türkin sei "nach wie vor schwer krank" und eine Gefährdung für andere Menschen, vor allem für nahe Angehörige, meinte Kastner. 

Der seit sechs Monaten andauernde Aufenthalt in der Psychiatrie habe an der Krankheit nichts geändert, die Frau sei sogar "noch wahnhafter als zuvor", sagte die Sachverständige. Zudem sei die Frau "nach wie vor überzeugt, nicht krank zu sein", meinte die Psychiaterin. Sie sehe das, was geschehen ist, vielmehr als "Strafe Gottes", der auch sie selbst noch weiter bestrafen werde.

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