Euro-Bilanz

Wie Griechenland zum Fass ohne Boden wurde

Wirtschaft
23.06.2012 19:59
Unvorstellbare Summen haben die Euro-Länder bereits nach Athen überwiesen, ein Ende ist nicht abzusehen: Bis 2014 fließen 245 Milliarden Euro. Wie es danach weitergeht, ist offen.

Als Ende 2009 die Griechen erstmals zugeben mussten, dass sie über Jahre ihre europäischen Partner belogen und ihre Finanzen "frisiert" hatten, um das wahre Ausmaß der Verschuldung zu verschleiern, ahnte man noch nicht, was da auf die Euro-Zone zukommen würde. Bis Mitte 2012 flossen bereits an die 145 Milliarden Euro nach Athen, bis 2014 werden es 245 Milliarden Euro sein.

Diese unvorstellbaren Beträge – sogenannte "versteckte" Hilfen noch gar nicht einberechnet – dienen dazu, einen Staatsbankrott abzuwenden. Denn aufgrund der Verschuldung, die Anfang 2012 bei 370 Milliarden Euro lag, und der desaströsen Wirtschaftslage im Land ist die Regierung in Athen nicht in der Lage, sich selber über den Kapitalmarkt zu finanzieren, wie das "gesunde" Staaten machen.

Daher mussten IWF (Internationaler Währungsfonds), EZB (Europäische Zentralbank) und die anderen Euro-Länder einspringen. Der Sinn der Hilfsmaßnahmen: Die Griechen verpflichten sich zum harten Sparen und zu Reformen, damit ihre Wirtschaft gesundet. Dafür werden sie von Europa finanziell am Leben gehalten.

EU hat Krise am Anfang unterschätzt
Die Hilfsgelder werden vierteljährlich ausbezahlt, die Troika (Experten aus EZB, EU und IWF) prüft vorher, ob die verlangten Reformen auch umgesetzt werden. Am Anfang hat die europäische Gemeinschaft die Krise unterschätzt, das erste Hilfsprogramm bestand aus direkten Krediten der Euro-Partner und des IWF (siehe Grafik). Österreichs Anteil daran beträgt 1,57 Milliarden Euro. Zwar wurden die Zinsen dafür bis jetzt bezahlt (aus den weiteren Hilfsgeldern), doch die Wahrscheinlichkeit, dass wir den geborgten Betrag wiedersehen, ist gering.

Daher wurde 2011 der Euro-Rettungsschirm erfunden, über den die Griechen finanziert werden. Hier zahlen wir nicht direkt, sondern wir haften für den Fall, dass nie mehr etwas zurückkommt. Bei der bewilligten Summe von 144 Milliarden beträgt die Österreich-Haftung 3,2 Milliarden. Die Fristen für eine mögliche Rückzahlung gehen aber zum Teil über das Jahr 2030 hinaus.

Ziel ist, Athen wieder "kapitalmarktfähig" zu machen
Das Ziel der Unterstützung ist, dass Athen wieder "kapitalmarktfähig" wird, also selber Staatsanleihen begeben und sich finanzieren kann. Dass dies wie zunächst geplant ab 2014 funktioniert, halten Experten wie der Chef des österreichischen Staatsschuldenausschusses, Bernhard Felderer, für "illusorisch". Hoffen könne man zwar immer, aber "in Wirklichkeit weiß niemand, wann die Griechen so weit sein werden“. Daher drängt der neue griechische Premier Antonio Samaras darauf, die Frist für den Beginn der Rückzahlungen auf 2016 oder 2017 zu verlegen.

Denn die Wirtschaftsleistung des Landes schrumpft, die Menschen sind demotiviert und glauben nicht an die Erholung. Zwar gebe es erste "Silberstreifen am Horizont" (Felderer), weil zum Beispiel die Exporte gestiegen sind, aber der Weg zurück zum Wachstum ist weit.

Private verzichteten auf Großteil ihrer Forderungen
Dazu haben zwar im März die privaten Gläubiger (Banken, Fonds, Versicherungen) auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichtet, was die griechische Staatsschuld bis 2020 um rund 100 Milliarden Euro verringert. Aber es gibt auch noch "versteckte" Risken, zum Beispiel bei der EZB, die griechische Staatsanleihen in großem Stil aufkaufte und die Importe finanzieren muss, weil sich "normale" Banken nicht trauen.

Viele Ökonomen behaupten daher, dass es wohl einfacher wäre, die Griechen aus dem Euro zu "entlassen" und bankrottgehen zu lassen. Doch das käme uns wohl noch teurer. Felderer: "Bei der Rückkehr zur Drachme blieben die Staatsschulden in Euro, die müssten wir ihnen zum Großteil, also etwa zu 90 Prozent, erlassen." Dazu müsste man noch die Kosten für den "Wiederaufbau" und die Rekapitalisierung der Banken rechnen. Da klammert man sich lieber an die Hoffnung, dass es die Griechen dank der Hilfsprogramme doch noch irgendwie schaffen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Wirtschaft
23.06.2012 19:59
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung