EU steht alleine da

G-20-Gipfel endet ohne gemeinsame Strategie

Wirtschaft
19.06.2012 21:10
Europa bleibt im Kampf gegen die Schuldenkrise weitgehend auf sich gestellt. Weder die USA noch andere große Wirtschaftsblöcke wie China oder Indien sehen sich in der Pflicht, die Gefahren aus spanischer Bankenkrise, italienischer Rezession und griechischen Reformproblemen einzudämmen. Zum Abschluss des G-20-Gipfels am Dienstag im mexikanischen Badeort Los Cabos gab es jedenfalls mehr Absichtserklärungen als konkrete Pläne.

Den Streit über den richtigen Weg zu mehr Wirtschaftswachstum - in Europa zwischen Frankreich und Deutschland - suchte die Gruppe der 20 zunächst mit einer unverbindlichen Passage in der Abschlusserklärung aufzulösen. Letztlich werden auf Pump finanzierte Programme genauso gut geheißen wie Haushaltssanierung und Strukturreformen.

Merkel: "Atmosphäre der Partnerschaft"
Nachdem es zum Gipfelauftakt Streit und Schuldzuweisungen in Richtung Europa gab, glättete die deutsche Kanzlerin Angela Merkel die Wogen. Sie sprach von einem "wichtigen Gipfel" mit einer ausgewogenen Debatte über Wachstumsimpulse in einer "Atmosphäre der Partnerschaft". Es habe eine "ganz ehrliche Aussprache" über die Probleme aller Länder gegeben. "Und das waren nicht nur die Europäer", sagte sie. Es sei deutlich geworden, dass jeder Verantwortung trage, seine Probleme zu lösen.

Immerhin statten die führenden Volkswirtschaften der Erde ihre Finanz-Feuerwehr, den Internationalen Währungsfonds IWF, mit mehr Mitteln aus als zunächst gedacht: Insgesamt erhöht sich der IWF-Schutzwall - Geld, auf das alle IWF-Mitglieder im Notfall zurückgreifen können - auf mehr als eine Billion US-Dollar, rund 792 Milliarden Euro.

Alle Delegationen beeilten sich am Dienstag, Aufregung über ein am Vorabend abgesagtes Treffen von US-Präsident Barack Obama mit den europäischen Kollegen zu zerstreuen. Es wurde nachgeholt, ohne dass zunächst Inhalte bekannt wurden. 

Kritische Töne zur Euro-Krise
Bei allem Verständnis aus den USA, China, Indien und anderen G-20-Staaten für die europäische Notlage gab es doch kritische Töne. Letztlich steht Europa im Kampf gegen die Schuldenkrise allein da. In der Abschlusserklärung heißt es, die Euro-Zone sei in der Pflicht, die Finanzmärkte zu beruhigen, Vertrauen zurückzugewinnen und Wachstum zu schaffen.

Unübersehbar war, dass es vor allem zwischen den USA und den Europäern weiter Streit über den richtigen Weg aus der Schuldenkrise gibt. Die USA drängen seit Monaten vor allem auf eine rasche Lösung - notfalls auch mit Milliarden-Ausgaben. In der EU sperrt sich vor allem Deutschland gegen überhastete Lösungen, die nur auf Kredit finanziert werden können. Auch China, Indien und Südkorea zeigten sich tief beunruhigt, dass die Schuldenkrise schlimmstenfalls die Weltwirtschaft bedrohen könne.

Frankreichs Präsident Francois Hollande will ungeachtet aller Differenzen mit Merkel zusammenarbeiten, um die Euro-Schuldenkrise zu überwinden. Deutschland und Frankreich hätten als größte Volkswirtschaften in Europa eine besondere Verantwortung, sagte Hollande. Die EU trifft sich Ende des Monats zu einem Gipfel, um über Rezepte für mehr Wachstum und gegen die Schuldenkrise zu beraten.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Wirtschaft
19.06.2012 21:10
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung