Seit der AUA-Vorstand vor etwas mehr als einem Monat die umstrittene Auslagerung des Austrian-Flugbetriebs auf die billiger operierende Tochter Tyrolean eingeleitet hat, stand fest, dass Piloten und Kabinenpersonal der AUA mit 1. Juli zu künftig schlechteren Bedingungen fliegen werden. Wer das ablehnte, konnte bis Samstag um Mitternacht innerhalb der Frist der "privilegierten Selbstkündigung" seinen Abschied einreichen. Mit Anspruch auf Höchstabfertigungen - bei langgedienten Piloten sind das bis zu 550.000 Euro.
Unter den 120 ausscheidenden Piloten sind etwa hundert sogenannte AUA-Alt-Kapitäne und damit der Großteil jener AUA-Kapitäne, die nach dem ältesten und teuersten Kollektivvertrag entlohnt wurden. An ihre Stelle rücken nun entsprechend viele Copiloten in Warteposition nach. Ein Pilot hatte im letzten Moment seine Kündigung zurückgenommen. Davor waren in den vergangenen Tagen bei Abschiedsszenen Tränen geflossen. Der Betriebsübergang wurde in einer Mitarbeiterabstimmung und in Betriebsversammlungen des fliegenden AUA-Personals zu mehr als 90 Prozent abgelehnt. Der Vorstand rückte von dem Vorhaben aber nicht mehr ab.
Erbitterter Streit um Umstieg
Dem Kollektivvertragsumstieg der 600 Piloten und 1.500 Flugbegleiter von Austrian war ein monatelanger erbitterter Streit zwischen AUA-Management und Betriebsrat vorangegangen, der sich an den bevorstehenden Einschnitten in Vergütungs-, Arbeitszeit- und Pensionsprivilegien fürs AUA-Cockpit entzündet hatte.
Als Gerüchte die Runde machten, wegen des Betriebsübergangs würden bis zu 300 AUA-Piloten das Weite suchen, herrschte Sorge, der AUA-Flugbetrieb könnte im Sommer kollabieren. So viele wurden es nun nicht. Vorstandschef Jaan Albrecht bedauerte am Sonntag zwar die jetzigen Abgänge, sah sich aber in seinen Erwartungen bestätigt.
Betriebsübergang kostet 100 Millionen Euro
100 Millionen Euro soll der Betriebsübergang die AUA an Einmalaufwendungen kosten. Auf der anderen Seite kann die AUA aber umfangreiche Pensionsrückstellungen in ihrer Bilanz auflösen. Die Fluggesellschaft macht seit Jahren Verluste. Für 2013 will Albrecht nun eine schwarze Null bzw. schon Gewinn erreichen (siehe Infobox). Dafür schließt er aber weitere Sparpakete nicht aus. Die Mutter Lufthansa knüpft weitere Unterstützungen für ihre österreichische Tochter an nachhaltige Sanierungserfolge.
Weil die Kollektivverträge fürs Bordpersonal sowohl bei der AUA (vom Vorstand) als auch bei Tyrolean (von der Gewerkschaft) aufgekündigt sind, will der Vorstand so bald wie möglich einen Konzern-Kollektivvertrag aushandeln. Dazu braucht er aber die Gewerkschaft, die die AUA zunächst mit Klagen gegen den unter Juristen umstrittenen Betriebsübergang überzieht.
Für Sommer alle Reserven mobilisiert
Die meisten der austretenden Mitarbeiter dürften im Juni noch Dienst an Bord versehen. In den sommerlichen Hauptverkehrsmonaten Juli und August werden vom Konzern aber schon alle Reserven mobilisiert, um die Austritte zu kompensieren. Auch die Mutter Lufthansa steht mit Crews und Fluggerät gegen drohende Ausfälle bereit. Die AUA hatte zugleich mitgeteilt, den Sommerflugplan unverändert zu lassen. Man könne den Abgang ohne Einschränkungen verkraften.
Vorstandschef Albrecht drückte aber sein Bedauern über die Selbstkündigungen aus: "Es tut mir leid, dass einige Mitarbeiter die Abfertigung einer guten Zukunft bei Austrian Airlines vorziehen. Die große Mehrheit der Mitarbeiter hat aber Ja zu Austrian gesagt. Und das freut mich." 2013 soll wieder neues Personal eingestellt werden. "Für die Vorbereitung für nächsten Sommer brauchen wir dann neue Piloten und Flugbegleiter. Wir werden nächstes Jahr wieder neue Mitarbeiter anstellen", sagte AUA-Sprecher Peter Thier am Sonntag.
Radikaler Schnitt
Der Betriebsübergang auf Tyrolean ist ein radikaler Schnitt der Kürzung von Personalkosten. Die AUA-Chefs haben selbst aber schon eingeräumt, dass der haarigste Teil wohl der Kulturschock sein wird, der mit der Zusammenführung der bisher schon wenig harmonischen Belegschaften von AUA und Tyrolean unter einem Flugbetriebsdach vorherrschen wird. Fünf Jahre dürfte es schon dauern, bis sich da alle Wogen gelegt haben, heißt es. Allerdings dürften vor allem jungen Mitarbeitern alte Konflikte herzlich egal sein. Es gehe ja ums Überleben der Firma.
Ungeachtet von Existenzängsten haben in den letzten Wochen noch ganz andere Themen beschäftigt, unter anderem der Name: Alle sollen unter "Austrian"-Marke fliegen, eine dezidierte Namensänderung kommt trotz der Zusammenlegung des Flugbetriebs jetzt nicht. Ein weiteres Thema sind die Unterschiede bei den Uniformen. Von ganz neuen Uniformen für ihre Bord-Leute hat die AUA abgesehen. Vereinheitlicht werden ab 1. Juli nun aber Halstücher, Krawatten und Kapitänsstreifen. Halstücher und Krawatten werden für alle Bordleute silberfarben sein, die Streifen an den Jacken der Kapitäne und Copiloten werden einheitlich breit und ebenfalls "Silberstreifen" sein. Streifen mit Gold sind Geschichte.
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