Monument mal!

BMW i7 M70 xDrive: Einfach mal richtig übertreiben

Motor
08.01.2024 11:00

Der Traunsee liegt beiden zu Füßen. Was sich hier quasi nahtlos in die alpine Kulisse mit dem berühmt-berüchtigten Traunstein einfügt, ist nicht irgendein BMW, auch nicht irgendein BMW i7, sondern das M-ifizierte Topmodell i7 M70 xDrive. Voller Luxus, volle Performance und zum Glück mit dem aktuellsten Software-Update. Letzteres ist wichtig, denn auf diesem Niveau darf es auch in Sachen Perfektion gern ein bisserl mehr sein.

(Bild: kmm)

Damit gleich klar ist, von welchem Niveau wir hier sprechen: Der Basispreis des M70 beträgt 167.500 Euro, inklusive Extras kommt der Testwagen auf 228.000 Euro. Dafür gibt es einen Auftritt von einer Eleganz, die dem britischen Bruder von Rolls-Royce zumindest äußerlich nachsteht. Herrlich die Zweifarblackierung in „Liquid Copper“ samt der schwarzen Konturlinie. Die wird im niederbayrischen Dingolfing (anders als bei RR) natürlich nicht von einem Spezialisten mit dem Pinsel gezogen, sonst würde sich der - ähem, hüstel - Spottpreis von 7000 Euro für die Farbenpracht nicht ausgehen.

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Verhältnismäßig günstig (1500 Euro) sind die elektrischen Türen. Man braucht nur auf die Bremse zu treten, schon schließt das Portal. Allerdings fällt die Tür eher klapprig ins Schloss, bevor sie automatisch vollends zugezogen wird.

Optisch hebt sich die Blechskulptur von der Standardkarosserie deutlich ab. An der Front prägen eine Art Haifischflossen den Anblick, die Nieren scheinen aus manchen Perspektiven zu schweben. Der beim Basismodell etwas schwerfällig wirkenden Heckpartie schmeichelt eine massive Chromspange, die mit der Idee nicht vorhandener Auspuffenden spielt. Ebenfalls eigenständig sind grafische Elemente auf dem Curved Display im Innenraum bzw. im Head-up-Display. Das hier gezeigte sportliche Interieur kostet aber Aufpreis, allein für die Carbonblenden mit Silberfäden verlangt BMW über 9000 Euro.

Kern des M70 ist sein Antrieb: Insgesamt 485 kW/660 PS und bis zu 1015 Nm ebnen jede Steigung ein, trotz knapp 2,7 Tonnen Leergewicht (mit Fahrer im aktuellen Fall an die 2,8 Tonnen). Die Beschleunigung fühlt sich entsprechend unwirklich an: 3,7 Sekunden dauert der Standardsprint im besten Fall (nein, nicht bergauf!). Und selbst enge, kurvige Bergstraßen sind eine Freude für verspielte Fahrer, denn die serienmäßige Hinterachsmitlenkung sorgt für bestechende Wendigkeit. Trotzdem muss man natürlich mit 3,21 Meter Radstand umgehen können und den Überblick über 5,39 Meter Länge behalten.

Das beim i7 generell serienmäßige adaptive Luftfahrwerk lässt sich für solche Spielereien trefflich verhärten. Andererseits wird es hier im M70 um die kamerabasierte Vorausschau ergänzt, was den Komforteindruck weiter verfeinert. Großes Kino, das Fahrwerk.

Es lebe die Autobahn
Überlassen wir also die Serpentinen M2 und Konsorten und nehmen wir mit dem M70 lieber die Autobahn, gerne auch die deutsche. 250 km/h Höchstgeschwindigkeit können ein ebenso leises wie entspanntes Vergnügen sein, aber auch ein kurzes, bei dem als Momentanverbrauch nicht selten die maximal darstellbaren 99,5 kWh/100 km am Display auftauchen. Schneller ans Ziel kommt man bei dem Tempo nicht (es sei denn, es ist nah genug), aber wahrscheinlich dauert’s auch nicht länger, weil man die Zeit, die man länger an Ladestationen verbringt, in etwa wieder hereinholt. Und umgekehrt.

101,7 kWh netto fasst die Batterie jedes i7. Der M70 saugt sie aber am schnellsten leer: Bis zu 23,7 kWh/100 km beträgt der WLTP-Verbrauch, was dann auf eine Normreichweite von 490 Kilometer hinausläuft. In der Praxis bin ich über 2400 Kilometer auf einen Durchschnittsverbrauch (laut Bordcomputer, also ohne Ladeverluste) von 33 kWh/100 km gekommen, inklusive teils fröhlicher Fahrt auf deutschen Bahnen. Ansonsten waren es knapp über 30 kWh/100 km. Das alles wohlgemerkt bei einstelligen Umgebungstemperaturen. Man wird also zumindest im Winter nicht wesentlich mehr als 250 Kilometer zwischen zwei Ladestationen quetschen.

Das Laden geht einigermaßen schnell vonstatten. 195 kW beträgt die Ladeleistung bei noch zu zehn Prozent gefülltem, vorkonditioniertem Akku, nach 34 Minuten zeigt die SOC-Anzeige wieder 80 Prozent.

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Ein Hoch auf die Navi-Software - aber auch Fragezeichen
Neuerdings ist der i7 mit der neuesten Version des Betriebssystems ausgestattet, mit Namen BMW OS 8.5. Dazu gehört, dass die Navi-Karte praktisch der Homescreen ist. Andere Element liegen in jeweils einem großen oder zwei kleinen Kästchen auf der linken Seite des Zentraldisplays und lassen sich per Fingerwisch oder iDrive-Controller durchscrollen. Ein Gewinn.

Schon bisher konnte das Navigationssystem eine optimierte Route mit Ladestopps planen, die sich während der Fahrt automatisch dem aktuellen Verbrauch anpasst. Auch die Verfügbarkeit der Stationen wird berücksichtigt. Neuerdings ist aber ein Bug behoben, den wir beim letzten i7-Fahrbericht (und auch bei andern BMW-Stromern) bemängelt bzw. massiv kritisiert haben. Wobei - genau genommen war es kein Bug, sondern laut BMW-Angaben ein bewusst eingebautes Feature. Und darum geht es: Das Navi schlägt bei geplanten Ladestopps jeweils vor, bis zu welchem SOC man laden sollte, um gut weiterfahren zu können. Bisher stoppte der Ladevorgang automatisch bei diesem Ladestand. Mit der aktuellen Software wird der Fahrer per App über das Erreichen informiert, aber es wird weiter geladen, bis der Fahrer absteckt. Bzw. bis zum von ihm eingegebenen Ladeziel.

Unter der Fronthaube wäre vermeintlich viel Platz - unter der Plastikabdeckung steckt trotzdem kein Frunk. (Bild: Stephan Schätzl)
Unter der Fronthaube wäre vermeintlich viel Platz - unter der Plastikabdeckung steckt trotzdem kein Frunk.

Und doch hat uns das Navi erneut einen Streich gespielt: Für den Weg von Mödling nach Hannover wählt man normalerweise die Strecke über Prag. Der BMW i7 M70 sah jedoch eine Route über Bayern vor, die rund 300 Kilometer länger ist. Und sogar ein neuer Versuch beim ersten Ladestopp in Tschechien (ich bin natürlich Richtung Prag gefahren) ergab eine Route zurück quer durch Österreich und durch Bayern. Mit gleichen Einstellungen wählte das Auto eine Woche später problemlos die Route über Prag (so wie in bisherigen Tests auch). Die Bayern-Strecke war nicht mehr im Angebot. Ob der BMW kurzzeitig Heimweh bekommen hat oder was sonst der Grund für die Inkonsistenz sein könnte, weiß man auch bei BMW nicht.

Auch die Zielführung zu Ladestationen ist nicht immer ideal. So führt der BMW etwa auf dem Weg zur Station auf dem Gelände von McDonald’s in Gmunden nur bis zu Kreuzung der Ortsdurchfahrt. Wo die Ladestation ist, muss man dann erraten.

(Bild: Stephan Schätzl)

Fragezeichen warf auch das Radio auf. Immer wieder werden Sender in der Liste der empfangenen Stationen aufgeführt, die sicher nicht empfangbar sind. In Wien wurde z.B. der italienische Sender RTL 102.5 angezeigt. Oder auf dem Heimweg von Gmunden nach Wien: Da stand Bayern 3 am Display, sowie die Frequenz 94,4 MHz. Warum die gehörte Musik so gar nicht zu Bayern 3 passte, war schnell klar: Es handelte sich um das Campus & City Radio 94.4, das freie Radio am Campus der FH St. Pölten.

Andere Bedienschrullen wiederhole ich hier nicht, dazu bitte ich auf meinen letzten Fahrbericht zum BMW i7 zurückzugreifen.

Fahrzit
Ein Monument ist er, der BMW i7 M70 xDrive, eines, das auffällt und hohe, teils höchste Ansprüche erfüllt. Trotzdem könnte man auf die Idee kommen, bei einem Kaufpreis von weit über 200.000 Euro zu erwarten, dass die (eigentlich großartige) Rückfahrkamera nicht hinter dem BMW-Logo versteckt und so vor Nässe geschützt wird. Oder warum das Logo nicht als Entriegelungsknopf für die Heckklappe fungieren kann. Insgesamt ist der er ein hervorragendes Luxusauto, auch wenn die eine oder andere Unperfektion in der Software auffällt, sei es als Fehler oder als nerviges Feature (wie etwa die Fahrmoduseinstellung). Mit dem wahlweise komfortablen oder dynamischen Fahrverhalten dürfte in der Klasse kein aktueller Mitbewerber mithalten können, zumal der Mercedes EQS größenmäßig genau genommen eine Klasse unter dem i7 rangiert. Insofern ist der BMW der Gipfel in Sachen Elektro-Luxus.

Mehr zum BMW i7 gibt’s hier und hier!

Warum?
Mehr Luxuslimousine unter Strom ist derzeit schwer zu finden
Mächtige Leistung
Souveränes Fahren

Warum nicht?
Die Reichweite ist schlicht zu gering

Oder vielleicht ...
... tut’s ja auch der Basis-i7

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(Bild: kmm)



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