Am 25. Oktober sorgt das traditionelle Beatpatrol-Festival in der Wiener Marx Halle wieder für technoide Furore. U.a. sind heuer Timmy Trumpet, KSHMR und die italienischen Durchstarter von Meduza am Start. Letztere baten wir beim Frequency Festival zum Gespräch - oder was von ihnen gerade da war.
Beim Frequency Festival letzten August trug sich gar Seltsames zu. Als das italienische House-Erfolgsprojekt Meduza die Bühne betrat, war nur ein Drittel der Band anwesend. Während sich Simone Giani hinter den Turntables verausgabte, schraubte Luca De Gregorio in Brüssel an neuen Songs und Mattia Vitale testete - auch unter dem Banner Meduza - neue Lieder vor einer tanzwütigen Partycrowd in Mallorca. Welche Unkenrufer auch immer schon der Meinung waren, elektronische Musik brauche kein Gesicht, dem wurde hier eindrucksvoll bestätigt. Livemusik mit vorgeschraubten Beats birgt die Option der Verknappung. Dass es für die zwei Einzelauftritte auch noch zweimal amtliche Gagen gab, macht das DJ-Geschäft natürlich noch einträglicher. Usus seien solche Aufteilungen aber nicht, erklärt uns Giani im „Krone“-Interview, schließlich bezahle der Fan ja für die „Full Experience“.
Ein bisschen egal
„Es hat sich so ergeben und war dann nicht mehr zu ändern. Als ich beim Frequency auf die Bühne ging, schrien die Leute aber enthusiastisch unseren Namen und der Gig war ein voller Erfolg. Man muss manchmal Wege finden, um Probleme zu lösen. Wir leben unseren Traum und lassen uns nicht davon abbringen.“ Also doch alles ein bisschen egal. Zumindest was das Personal hinter den Hits anbelangt. Insofern hätten sich Meduza auch maskieren können, so wie es Gianis große Idole Daft Punk seit jeher machten. Die Überlegungen waren anfangs sogar da. „Wir haben die Idee dann aber recht schnell wieder verworfen. Vor 20 Jahren war das etwas Neues, aber heute sind Masken und Verkleidungen üblich. Denk nur an Deadmau5. Wir haben zwar nicht die schönsten Gesichter, zeigen sie dann aber doch lieber her.“
Die drei Kumpanen schlossen sich 2018 in der Modemetropole Mailand zum Kollektiv zusammen und feierten einen Einstand nach Maß. Bereits die erste Single „Piece Of Your Heart“, die Anfang 2019 veröffentlicht wurde, ging steil durch die Decke und beförderte Meduza prompt in den House-Himmel. Die Kooperation mit der britischen Gruppe Goodboys heimste zahlreiche Gold- und Platinauszeichnungen ein und eroberte die Charts von Italien über Deutschland und Großbritannien bis in die USA. „Wir verstehen erst jetzt so richtig, was dieser Song alles ausgelöst hat“, denkt Giani freudig zurück, „als der Track veröffentlicht wurde, konnten wir es nicht so ganz fassen. Dann waren wir 2020 bei den Grammys eingeladen, aber wenig später brach Corona über uns herein und wir haben uns erst einmal eine Auszeit zur Verarbeitung gegönnt.“
Ein Leben voller Druck
Meduza nützten die Zeit nach dem anfänglichen Schock auch produktiv. Sie kreierten Remixes von Dermot Kennedy („Power Over Me“), John Legend („Wild“) oder Ed Sheeran („Bad Habits“) und arbeiteten mit Kennedy oder dem Stimmwunder Hozier aktiv an gemeinsamen Songs, die ebenfalls für Furore sorgten. Dass Meduza an den Hype von „Piece Of Your Heart“ nicht mehr ganz heranreichen konnten, war ihnen klar. „Gerade vor den ersten beiden Nachfolge-Singles verspürten wir unheimlich viel Druck. Wir haben ,Piece Of Your Heart‘ innerhalb von 15 Minuten geschrieben, uns absolut gar nichts davon erwartet und dann hat der Song unser Leben verändert. Ab da gab es von Label, Management und Fans immer eine gewisse Erwartungshaltung und daran mussten wir uns erst gewöhnen.“
Mittlerweile verknüpfen Meduza ihre Beats immer stärker mit Pop-Musik und erweitern ihr Œuvre um neue Einflüsse. „Wir haben unser eigenes Label und dadurch auch mehr Freiheiten. Wir erlauben uns, viel mehr zu experimentieren und auszuprobieren. Es macht Spaß und wir kommen damit künstlerisch immer weiter.“ Dass ihre Heimat Italien im elektronischen Musiksegment ganz oben auf der Landkarte steht, sieht Giani aber nicht als Push. „Es ist jedenfalls kein Wettbewerb, denn jeder hat im großen Teich Platz. Wir sind stolz auf die italienische Geschichte in der elektronischen Musik und darauf, dass wir mit unserem Sound unser Scherflein dazu beitragen können. Alles begann mit meinem großen Idol Giorgio Moroder, der Donna Summer und viele weitere Superstars produzierte. Ohne ihn wären wir heute alle nicht da.“
Auf sich selbst achten
Mit James Hype starten Meduza nun bald in die „Our House“-Eventreihe auf Ibiza. Dort soll es striktes Smartphone-, Film- und Fotoverbot geben. Das gilt für das diesjährige Beatpatrol zumindest noch nicht. Dort werden mit „Acid (All Night Long)“ und anderen Preziosen auch neuere Tracks zum Besten gegeben werden. Das hektische Leben eines ständig durch die Welt jettenden DJs hält man auch nur mit der richtigen Umgebung aus, weil Giani. Der tragische Tod von Avicii war der ganzen Szene traurige Mahnung dafür, wie es nicht laufen sollte. „Wir haben das beste Leben der Welt, aber wenn es um die Gesundheit geht, müssen wir sehr auf uns achten. Hast du Menschen in deinem Umfeld, die dich noch zusätzlich auspressen, wird es gefährlich. Davon haben wir uns zum Glück schnell gelöst.“
Live beim Beatpatrol
In der Wiener Marx Halle werden Meduza am 25. Oktober beim diesjährigen Beatpatrol jedenfalls wieder für Stimmung sorgen - dieses Mal hoffentlich in voller Mannstärke. Zu den mehr als 40 Künstlern, die auf drei Bühnen für Stimmung sorgen werden, gehören u.a. auch Timmy Trumpet, James Hype, KSHMR, Glockenbach und die Lokalmatadoren von Camo & Krooked. Unter www.oeticket.com gibt es noch Karten und alle weiteren Informationen für das Top-Event des Herbstes.
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