Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen - dieser beliebte Sinnspruch, wäre durchaus gut auf die österreichischen Parlamentarier anzuwenden. Die sitzen ja seit der Wiedereröffnung des Hohen Hauses am Wiener Ring tatsächlich im Glashaus, weil der Nationalrats-Plenarsaal beim großen Umbau eine Glaskuppel aufgesetzt bekam. Mit Steinen werfen die Abgeordneten trotz aller Mäßigungsappelle seit dem Wiedereinzug im Hohen Haus gänzlich ungebremst. Sie werfen die Steine aufeinander. Aber Steine werden auch auf das Glashaus geworfen - von außen! Denn Krähen haben sich die 550 Quadratmeter große Glaskuppel als Lieblingsziel auserkoren, haben offenbar Spaß daran, Steine auf die Glasflächen fallen zu lassen. Das führt immer wieder zu Rissen in Glaspaneelen, die nun ausgetauscht werden müssen. In dieser Woche wird das Parlament jedenfalls gesperrt, um die Glasteile auszutauschen und ein paar weitere notwendige Adaptierungen vorzunehmen. Noch nicht vorgesehen, aber diskutiert: Ein Netz über der Kuppel, das die Krähen künftig abhalten sollte. Freilich sollte man bei all dem nicht nur das Glashaus-Sprücherl im Kopf haben, sondern auch eine andere Weisheit: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Unsere Parlamentarier könnten von den Krähen über ihren Köpfen wohl so manches lernen. Sie gelten ja überdies als intelligente Wesen (die Krähen).
Verlorene Macht. Apropos Politiker. Die hat der Salzburger „Krone“-Chefredakteur Claus Pándi in den vergangenen Tagen an der Salzach hautnah erlebt. Rund um den Beginn der Festspiele, schreibt er heute in seinem Kommentar, „stolperte die halbe Bundesregierung in Salzburg tagelang durch einen Parcours von Grillpartys, exquisiten Empfängen und Einladungen auf Schinkenfleckerl von wichtigen Menschen und noch mehr von Leuten, die ihren oft nicht ganz freiwilligen Abschied von Wichtigkeit und Popularität nicht gut verkraftet haben.“ Das „lange nachwirkende Gift verlorener Macht“ sei ein „zutiefst deprimierender Anblick“, schreibt Pándi, das Geld, das sich nach der politischen Karriere verdienen lässt, scheine kein rechter Trost zu sein. Und unser kritischer Beobachter findet: „Viele gehen nicht immer mit den besten, aber zumindest mit guten Absichten in die Politik - und finden sich als Getriebene, Gefangene und Gekränkte in einem Alltag wieder, in dem es wenig zu gewinnen, aber viel zu verlieren gibt.“ Doch die Hoffnung sterbe nie. Pándi kommt zum Schluss: „Bei allem Frust über das, was uns politisch geboten wird: Der Regierung sollte bei aller Skepsis nach den Ferien noch eine Chance gegeben werden. Wer weiß schon, was danach kommt?“ Ja, das wissen wir wirklich nicht. Aber ob diese Regierung noch Chancen nützen kann? Man muss zweifeln.
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